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Digital Banking – die größten Herausforderungen für Finanzinstitute

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Juni 15, 2018 veröffentlicht von

Die globale Finanzkrise ist längst vorbei, aber eine andere Art von “Krise” macht den Banken aktuell zu schaffen – die Digitale Transformation. Erstaunlich, denn eigentlich sollten die Institute mit der Digitalisierung ihrer Services keine Probleme haben.

Hat doch kaum eine andere Branche so früh wie der Finanzsektor sich mit dem Digitalen auseinandergesetzt: Online Banking ist seit gefühlten Ewigkeiten Standard; Kontoauszüge auf Papier gibt es kaum noch und wenn dann meist nur via Self-Service am Bankautomaten; Aktien werden seit über 20 Jahren quasi nur noch Online gehandelt – die Liste ließe sich hier beliebig weiterführen.

Und dennoch werden die klassischen Finanzinstitute aktuell von verschiedenen Seiten in die Zange genommen. Steigender regulatorischer Druck, der rasante Durchbruch des Smartphones, FinTechs, nicht-traditionelle Konkurrenten, rückläufiger Filialverkehr – all das macht es den Banken nicht leicht.

Zudem steigen die Kundenerwartungen immer weiter an. Privatkunden, aber immer öfter auch Firmenkunden, sind mittlerweile fast nur noch mobil unterwegs und durch den eCommerce (Amazon & Co.) andere Services gewohnt, als ihnen die klassische Bank hier bietet.

Die Finanzinstitute haben die Zeichen und die Not zu handeln erkannt. So gibt es zur Zeit wohl keine Bank, die nicht mit Macht an der Digitalen Transformation arbeitet. Aufgeben ist keine Option, aber das Aufholen ist nicht einfach und kostet Zeit. Hinzu kommen weitere Hürden, die teilweise nur im Banken- und Versicherungssektor bestehen. Im Folgenden soll auf einige der wichtigsten Herausforderungen für modernes Digital Banking eingegangen werden.

Kulturelle Aspekte bremsen die Transformation

In der Vergangenheit konnten Banken die Herausforderungen des Wandels meist ohne große Mühe meistern. Oftmals waren sie diejenigen mit dem größten Budget und konnten somit technische Neuerungen schnell umsetzen. Jedoch ist die Digitale Transformation nicht alleine mit digitalen Produkten und einem entsprechenden Budget zu bewältigen.

Denn neben Technik, ohne die es natürlich nicht geht, sind für den Erfolg der Digitalen Transformation vor allem Unternehmenskultur, Organisationsstruktur sowie die individuelle Einstellung von Entscheidern und Mitarbeitern von Bedeutung. Hinzu kommt eine gewisse Experimentierfreude mit der Bereitschaft, auch mal zu scheitern. Aber genau daran mangelt es den klassischen Banken.

Ein Beispiel verdeutlicht die Problematik: In der Vergangenheit haben Banken ihre Lösungen meist nur mit Innensicht und in dem von ihnen bestimmten Tempo umgesetzt. Zuerst wurde überlegt, ob sich ein neues Produkt für die Bank rentiert. Nur wenn dies mit JA beantwortet werden konnte, wurden Lösungen an die bestehende IT angebunden, in existierende Workflows eingebunden und die Mitarbeiter entsprechend geschult. Die Meinung und Wünsche der Kunden wurden hier meist nicht eingeholt.

Aber genau darum geht es heute: Neue Produkte und Service zu kreieren, um Kunden zu begeistern. Hier haben FinTechs und neue Player die bessere Position. Es handelt sich oft um junge Unternehmen, die von jungen Menschen geführt werden, die mit Smartphone und Tablet aufgewachsen sind und daher Produkte entwickeln, die ihrer und damit der Kundenmentalität entsprechen. Kein Wunder also, dass Unternehmen wie die Online-Bank N26 oder die Investment-Plattform etoro an den traditionellen Banken vorbeiziehen.

Neues Frontend – veraltetes Backend

Bei jeder klassischen Bank existiert ein über Jahrzehnte gewachsenes heterogenes IT-Gerüst, das immer wieder erweitert wurde. Darunter befinden sich neuere Entwicklungen aber auch Mainframes, die man aufgrund gewachsener Kernbanken-Anwendungen nie ablösen konnte.

Das Ganze ist ein sehr effizientes, voll funktionierendes System, das mit vielen Anwendungen, Schnittstellen und Partnern kommuniziert. Neue Lösungen wurden immer behutsam über einen längeren Zeitraum entwickelt, getestet und implementiert. Leider funktioniert das heutzutage nicht mehr, da die Halbwertszeit neuer Technologien immer geringer wird.

So gehört beispielsweise ein neues Smartphone nach sechs bis neun Monaten schon zum alten Eisen und die Betriebssysteme Android und iOS werden im Quartalstakt aktualisiert. Neue Lösungen wie zum Beispiel die Möglichkeit Kredite vom Smartphone aus zu beantragen und sich dabei mit Daten von Facebook oder Gesichtserkennung via Handykamera zu identifizieren unterliegen somit dem Druck möglichst schnell auf den Markt zu kommen, dabei optisch attraktiv und leicht bedienbar zu sein.

Und genau hier liegt für Banken das Problem: Innovationen schnell zu entwickeln und diese in die Kernapplikationen zu implementieren. So lässt sich ein neues Frontend vielleicht noch darstellen, die Lücke zum Backend ist jedoch groß. Komplexe, veraltete und intransparente IT-Architekturen behindern neue mobile Prozesse. Moderne Anwendungen im Frontend bringen die Finanzhäuser auf dem Weg der digitalen Transformation nicht weiter, wenn sie nicht gleichzeitig die Kernapplikationen im Backend modernisieren.

Dabei machen Finanzinstitute jedoch oft den Fehler, dass sie zu Übergangs- und Umgehungslösungen greifen, um so schnell wie möglich immer weitere Funktionalitäten oder Apps im Frontend anzubinden. Die Folge ist ein Flickenteppich im Backend, der stetig größer wird und dazu führt, dass sich das Grundproblem nur immer weiter verschärft.

Jedoch können Banken nicht einfach ihre bestehende IT aufgeben und wie ein Start-Up bei Null anfangen. Durch Kooperationen mit erfolgreichen neuen Playern können sie jedoch sehr schnell neue Lösungen anbieten. Die Anbindung an die bestehende IT muss dann “lediglich” über Schnittstellen mit diesen Playern gemeinsam realisiert werden. Im Vergleich zu den oben beschriebenen kulturellen Herausforderungen ist die technische Lücke zwischen Front- und Backend daher eher ein kleines Problem und leichter zu bewältigen.

Compliance als Chance begreifen

Basel 1-2-3, GDPdU, KYC, WpHg, MaRisk – wenn es eine Branche gibt, die Erfahrung mit rechtlichen Vorgaben hat, dann ist es die Finanzbranche. Niemand bekam in den letzten 20 Jahren mehr neue Regeln auferlegt, meist im Zwei-Jahrestakt. Erst vor Kurzem kam noch die DSGVO hinzu.

Mit den neuen Regeln steigen die Anforderungen an die Verwaltung von Daten und an die Informationssicherheit. Vom Frontend bis zur Kern-IT-Infrastruktur müssen transparente und automatisierte Geschäftsprozesse existieren. Das Schlechte dabei, an der DSGVO kommt niemand vorbei. Das Gute daran, an der DSGVO kommt niemand vorbei.

Natürlich stellt die die EU-Datenschutz-Grundverordnung auch für Banken eine große Herausforderung dar. Aber sie sind es gewohnt, neue Gesetze unter knappen Zeitvorgaben innerhalb einer großen Institution erfolgreich zu implementieren. Hier haben sie ausnahmsweise einen Vorsprung gegenüber ihren neuen Wettbewerbern.

Die DSGVO bietet traditionellen Banken die Chance, veraltete Geschäftsprozesse zu aktualisieren und digitale Transformationsinitiativen zu unterstützen. Die große Manpower in den klassischen Finanzhäusern, die eigenen Legal-Abteilungen, sowie die Erfahrung bei der Umsetzung von Gesetzesvorgaben, unterstützen die Banken bei der Implementierung der neuen Richtlinien. Die DSGVO ist also keineswegs nur eine weitere Compliance-Herausforderung.

Im Gegenteil, sie bietet argumentativen Rückenwind, sich auf die digitale Transformation einzulassen. Dies wird sich auch positiv auf den notwendigen Kulturwandel und die Öffnung hin zu neuen Partner auswirken.

 

Weiterführende Informationen zum Unternehmen:
www.avoka.com

 

 

Unser Autor

*Christian Brüseke verantwortet als General Manager die D-A-CH-Region von Avoka.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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