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Der Wert nachhaltiger Investments

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März 26, 2018 veröffentlicht von

Reportage

Außerordentliche Renditen durch Anlagen in einen gesünderen Planeten oder ein sozialeres Miteinander sind keine Seltenheit.

Meist liegen die Projekte nicht in der Nähe von internationalen Flughäfen, sodass die Anreise sehr lang und auch nicht sehr komfortabel ist“, schildert Tobias Tretter von Commodity Capital die Strapazen während eines Miningtrips. Die Schweizer Aktiengesellschaft hat sich auf Anlagen im Rohstoffsektor spezialisiert, stellt dabei aber ökologische und soziale Faktoren in den Vordergrund.

Leider viel zu oft fühlt sich das Minenunternehmen als Allein­herrscher und verhält sich respektlos gegenüber den Einwohnern und der Umwelt. Um sich selbst ein ungetrübtes Bild zu machen, welches nicht aus einer Hochglanzbroschüre entspringt, führt er vor Ort Gespräche mit der lokalen Bevölkerung und den Mitarbeitern. „Deren ungefilterte Meinung zeigt uns“, so Tretter, „welche Probleme da sind beziehungsweise wie sich das Unternehmen im Umgang mit der Bevölkerung oder aber den eigenen Angestellten verhält.“ Insbesondere kleinere Produzenten, die Juniors, stehen dabei in letzter Zeit im Fokus der Reiseplanungen. „Große Projekte gibt es nur noch in politisch instabilen Regionen oder schwer zugänglichen Teilen unseres Planeten, wie etwa dem Kongo oder Alaska“, begründet Tretter.

„Eine nachhaltigere Wirtschaft ist gut für unseren Planeten.“

Die Zukunft sieht er daher eher in kleineren Projekten und die großen Unternehmen, die Majors, sind dazu ge­zwun­gen, diese von den Juniors aufzu­kaufen, um ihre Marktposition zu behaupten. „Die Welt braucht Rohstoffe und die großen Unternehmen brauchen neue Projekte. Ideale Voraussetzungen für Junior-Unternehmen mit guten Managementteams.“

In die Energiewende investieren

Rohstoffe spielen auch eine zentrale Rolle bei den für die Energiewende not­wendigen Technologien, sei es für die Generatoren der Windkraftanlagen oder die Beschichtung von Fotovoltaikanlagen. Windparks und Solarfarmen tau­gen auch als rentable Investitionsprojekte. So bietet beispielsweise die UDI eine Anlage mit einer Mindestbeteiligung von 5 000 Euro mit einer festen Verzinsung in Abhängigkeit von der Laufzeit von 4 bis 6,5 Prozent p. a. Förderprogramme für Hauseigentümer, Unter­nehmen oder Kommunen listet in diesem Zusammenhang das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter www.deutschland-machts-effizient.de auf.

Vor allem Städte sind darum bemüht, ihren Energiebedarf möglichst Schadstoffarm zu decken. Einer Studie des Umweltbundesamts zufolge sterben jährlich ca. 6 000 Menschen in Deutsch­land an Herzkreislauferkrankungen, ausgelöst von Stickstoffdioxid. Der von der EU festgelegte Grenzwert von 40 Mikrogramm wird in 39 Städten regelmäßig überschritten. Am stärksten ist die Luft in München belastet, wo der Wert von 78 Mikrogramm im letzten Jahr fast doppelt so hoch war. Erst Ende Januar drohte die EU-Kommission mit einer Klage gegenüber Deutschland aufgrund dieser Verstöße vor dem Europäischen Gerichtshof. Ein Verbot von Dieselfahrzeugen, welches seither im Raum steht, kann nur ein erster Schritt sein.

Es gilt, ein Gesamtkonzept einer zukunftsfähigen, nachhaltigen „Smart City“ zu entwickeln, wobei die Probleme in deutschen Städten im Vergleich zu den Megacitys weltweit noch überschaubar erscheinen. Die UN geht davon aus, dass die Zahl der Einwohner in Städten von derzeit 3,6 Milliarden bis 2025 auf 6 Milliarden anwachsen wird, was ca. 70 Prozent der Weltbevölkerung entspräche. Ein dramatischer Anstieg, bedenkt man, dass schon jetzt 80 Prozent des CO2-Ausstoßes weltweit in Städten verursacht wird.

Green Buildings

In Europa entfällt etwa ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs auf private Haushalte. Eine effizientere Nutzung der Energie durch „smarte Techno­logien“ verspricht hier Besserung, beispielsweise eine Heizung, die sich bei geöffnetem Fenster abstellt. Unter dem Begriff „Green Building“ boomt dieser Sektor der Immobilienbranche und verspricht gute Renditen. Schließlich senkt eine effizientere Nutzung der Ener­g­ie die Kosten und steigert somit den Umsatz der Immobilienunternehmen. Zahlen des World Green Buildings Council legen darüber hinaus nahe, dass auch die Mieteinnahmen höher sind, je nachhaltiger die Gebäude.

Gerade in Zeiten, wo die Finanzmärkte viele Fragen und Anlässe zu Ver­unsicherung aufwerfen, eignen sich „Immobilien als wertbeständige und solide Geldanlageform“, wie auch die Experten der UDI in Bezug auf ihr Angebot innerhalb dieses Sektors hervorheben. „Wie geht es weiter mit Europa und dem Euro? Welche Auswirkungen hat die neue US-amerikanische Handelspolitik? Ob bei den Zinsen die Talsohle durchschritten ist oder ob das Zins­tief weiter anhält – auch hier sind sich die Experten uneins. Was also bleibt?“

Initiative der EU-Kommission

Nicht nur die Bundesrepublik, auch die EU bangt ihre selbstauferlegten Klimaziele zu verfehlen. Bis 2030 will man den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 kürzen. Nachbesserung verspricht sich die EU-Kommission von einer Reform der Finanzmarktregeln, die Öko-Investitionen fördern soll. „Der Wandel hin zu einer umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Wirtschaft ist gut für die Schaffung von Arbeitsplätzen, für die Menschen und für unseren Planeten“, sagte Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans in Bezug auf die Pläne.

Damit auch das Finanzsystem diesem Ziel dient, ist unter anderem die Schaffung eines EU-Kennzeichens für „grüne Finanzprodukte“ geplant. Auf diese Weise sollen Investoren leicht erkennen können, welche Anlageprojekte die Kriterien an Umweltfreundlichkeit und Emissionsarmut erfüllen. Zur Absichtserklärung der Kommission gehört auch die Überlegung, Vermögensverwalter in die Pflicht zu nehmen, nachhaltige Anlagen bei ihren Investitionen zu berücksichtigen. Borislav Kostadinov, seines Zeichens Vorstandsmitglied der in Frankfurt ansässigen ProCredit Holding, begrüßt den Vorstoß der Kommission, „die auf eine verantwortlichere Rolle des Finanzsektors bei der Erreichung der Klimaziele abzielt“.

ProCredit ist eine internationale Gruppe entwicklungs­orientierter Geschäftsbanken mit geogra­fischem Schwerpunkt auf Südost- und Osteuropa und strukturellem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen. Das Thema „wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung durch verantwortliches Handeln“ ist dabei fester Bestandteil der Raison d‘Être der Gruppe. So wird bei Kreditanträgen mehr als nur die Bonität des Kunden überprüft. „Wir bieten Firmenkunden bereits seit 2006 ‚Grüne Kredite‘ an und arbeiten grundsätzlich mit Unternehmen, die sich an bestehende Umweltvorschriften halten und keine Gefahr für die Gesundheit, Sicherheit oder das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter oder ihres Umfelds generieren.“, erläutert Kostadinov. Von den skizzierten Überlegungen und Forderungen des Aktionsplans der Europäischen Kommission erhofft sich Kostadinov, dass sie „zur öffentlichen Bewusstwerdung des Themas und zum Wandel beitragen.“

Borislav Kostadinov von ProCredit setzt sich für „ein verantwortungsvolles Finanzwesen“ ein.

„Um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu sein, brauchen die innovativen Unternehmen Europas Zugang zu Kapital, Raum für Experimente und eine gewisse Größe, die ihnen Wachstum ermöglicht“, begründet Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis weitere Vorschläge, die auf die Stärkung des FinTech-Sektors, allen voran der Crowdfunding-Plattformen, abzielen. Um den Zugang von Unternehmen zu dieser Finanzierungsform zu verbessern, sollen die Plattformen künftig auf Grundlage eines einheitlichen Regelwerks ihre Dienstleistung mittels eines EU-Etiketts in der gesamten Union anbieten können.

Nachhaltigkeit für langfristige Investments

Auch nachhaltige Aktienfonds sind aufgrund ihrer langfristigen Performance längst ein Thema für Börsenprofis geworden. So zum Beispiel der „Global Challanges Index“ (GCX). Er wurde von der Börse Hannover in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsrating-Agentur oekom research entwickelt und am 3. September 2007 lanciert.

Er umfasst 50 Unternehmen, die substanzielle und richtungsweisende Beiträge zur Bewältigung der großen globalen Herausforderungen – die Bekämpfung der Ursachen und Folgen des Klimawandels, die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit Trinkwasser, ein nachhaltiger Umgang mit Wäldern, der Erhalt der Artenvielfalt, der Umgang mit der Bevölkerungsentwicklung, die Bekämpfung der Armut sowie die Etablierung von Governance-Strukturen – leisten.

Die Aufnahme in den Index würdigt die Aktivitäten der Unternehmen in diesen globalen Handlungsfeldern. Ein Beirat, dem Vertreter der evangelischen und der kat­holischen Kirche, der deutschen UNESCO-Kommission, des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, der ILO sowie vom WWF angehören, hat die beiden Initiatoren bei der Konzeption und Weiterentwicklung des Index beraten und begleitet den Index aktiv. Seit seiner Auflage konnte er seinen Wert um 125 Prozent steigern. Wie stark diese Performance ist, zeigt ein Vergleich mit dem DAX, der im gleichen Zeitraum „nur“ 71 Prozent zulegte.

Auch der Commodity Capital Global Mining Fund, der im Februar 2010 aufgelegt wurde, setzt auf einen langfristigen Anlagehorizont und konnte allein 2017 ein Plus von 109,9 Prozent erwirtschaften. „Unternehmen, in welche wir bereits vor ein bis zwei Jahren aufgrund des exzellenten Managements investiert hatten, setzten das um, was wir uns erhofft hatten, und trugen einiges zu der außergewöhnlichen Performance im vergangenen Jahr bei“, freut sich Tretter über den Erfolg seiner Reisestrapazen.

 

 

 

 

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