#NeueGeldquellen

Dank der Digitalisierung stehen Unternehmen neue Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die Digitalisierung ist in den Unternehmen angekommen. Messbar ist dies auch am neuen Rollenverständnis des CFO, wie eine aktuelle Studie von Deloitte zeigt. Nicht nur sein eigener Bereich ist von der Digitalisierung betroffen, er sieht sich auch immer häufiger als proaktiver Gestalter der Digitalisierungsstrategie für das Gesamtunternehmen. Kreativität und Flexibilität sind gefragt, wenn der CFO dem CEO Finanzierungsmöglichkeiten hierfür vorschlagen will: Das völlig neue Zinsumfeld auf der einen und hemmende regulative Bestimmungen (Eigenkapitalvorschriften von Basel III) auf der anderen Seite erschwe­ren traditionelle Finanzierungswege über Banken wie die Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital. Als Treiber erweisen sich dabei die zahlreichen Initiativen der Wirtschaft unter dem Stichwort Industrie 4.0, die in Deutschland für Aufsehen und Phantasie sorgt.

Vor allem junge Tech-Unternehmen benötigen während der „digitalen Revolution“ auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Start-up-Finanzierungen. Zahl­reiche Kapitalgeber wie Acton und Finlab haben sich gerade auf diese jungen und innovativen Märkte  spezialisiert. Finlab-Vorstandschef Kai Panitzki erörterte im Rahmen einer Veranstaltung auf dem Warren-Buffet-Flughafen in Egelsbach bei Frankfurt die Aktivitäten seines Unternehmens. „FinTech-Start-ups werden die Finanz­wirtschaft revolutionieren“, hieß es im Rahmen dieser Veranstaltung von mehreren Seiten. Zum Portfolio von Finlab gehören Gesellschaften wie Heliad, die FintechGroup und auch die Crowdlending-Plattform kapilendo.

Das Marketing für die Unternehmen spielt bei dieser Plattform eine entscheidende Rolle. „Bei der Präsentation der Kreditprojekte steht kapilendo den Unternehmen beratend zur Seite. Mit einem kostenlos gedrehten Unternehmensfilm werden alle Unternehmen und deren Geschäftsmodelle professionell auf der Plattform dargestellt. Neben der Finanzierung bekommt der Unternehmer über kapilendo so also für sein Kreditprojekt Öffentlichkeit. So können nicht nur Kunden zu Anlegern, sondern auch Anleger zu Kunden gemacht werden“, erläutert kapilendo-Chef Christopher Grätz. „Au­ßerdem begleiten wir den Unternehmer über die gesamte Laufzeit und verbreiten beispielsweise Interviews über die Fortschritte im Unternehmen, bewerben Produkte oder teilen Gutscheine an die Anleger aus.“ Das Risiko für den Unternehmer ist dabei extra klein gehalten. Zum einen fallen nur dann Kosten an, wenn das Projekt tatsächlich finanziert ist, zum anderen ist die Vermarktungs- und Verwaltungsgebühr von 0,75 Prozent pro Jahr extra auf die Laufzeit verteilt, um nicht liquiditätsbelastend zu sein. Bleibt noch eine einmalige Vermitt­lungsgebühr die mit der Auszahlung der Kreditsumme anfällt. Diese ist laufzeitabhängig und reicht von 1,9 Prozent bei einem Jahr bis 4,9 Prozent bei vier Jahren. „Bereits ab 100 Euro können Anleger in Kreditprojekte auf der kapilendo-Plattform investieren und selbst entscheiden, wem und wofür das Geld zur Verfügung gestellt wird. Der Privat­anleger erhält so eine ganz neue Möglichkeit der Geldanlage“, sagt kapilendo-Chef Christopher Grätz.

Auch der einst mit großen Erwartungen gestartete Markt für Mittelstandsanleihen ist ins Straucheln geraten. Selbst gute Unternehmen mit vernünftiger Bonität haben derzeit kaum Chancen, sich hier Fremdkapital zu beschaffen. Jetzt stößt die neu gegründete Deutsche Private Placement Plattform (DPPP) in diese Lücke vor, um den hiesigen Mittelstand auf professionelle Art und Weise mit Kapital versorgen zu können. „Wir sind nach wie vor überzeugt, dass der Mittelstand neben seiner Bankenfinanzierung eine Fremd­finanzierung über den Kapitalmarkt benötigt. Aber in einem anderen Format als bisher“, so Wolf Waschkuhn von One Square Advisors, den Gründern der Plattform. „Wir haben ein Netzwerk institutioneller Investoren etabliert, die ein nachhaltiges Interesse haben, den deutschen Mittelstand mit maßgeschneiderten Finanzierungen zu begleiten“, ergänzt der geschäftsführende Gesellschafter Frank Günther. Diese Mittelstandsanleihe 2.0 orientiert sich an den High-Yield-Markt-Standards, unter deutschem Recht, mit entsprechenden Covenants, Anlegertransparenz, vernünftigen Sicherheiten und einer standardisierten Dokumentation. Dabei ist die DPPP in der Lage, Finanzierungen bis zu 100 Mio. Euro und im Einzelfall auch da­rüber hinaus bei ihren Mitgliedern unterzubringen. Auch eine Investition in nicht börsennotierte Produkte wie Schuldscheindarlehen oder Private-Debt-Instrumente ist möglich.

Crowdlending & Co.Beim Crowdlending finanzieren viele einzelne Kapitalgeber mit unterschiedlichen Beiträgen die Kreditsumme und bestimmen selbst, wem und wofür sie das Geld zur Verfügung stellen.
Eine ausführliche Erklärung dazu und zu anderen Begriffen aus dem FinTech-Bereich finden Sie auf:
https://trendreport.de/fintech

Kapitalbeschaffung durch Private Equity und Mezzanine-Capital ist ein weiterer Weg, der seit Jahren über die Emission von Finanzierungsinstrumenten wie Aktien, Anleihen, Genussrechten sowie Wandel- oder Optionsanleihen beschritten wird. Auch der IPO („Initial Public Offering“) bleibt wichtig um sich Wachsumskapital an den Kapitalmärkten zu beschaffen. Gelder von staatlichen Förderbanken stellen einen weiteren Finan­zierungsweg dar, ebenso wie direkte Mitarbeiter-Beteiligungen, bei denen allerdings die steuerliche Komponente starke Beachtung finden muss. Die Möglichkeit, die Mitarbeiter über Beteiligungen zu motivieren, spielt hier allerdings in der Regel eine übergeordnete Rolle. Im finanzpolitisch veränderten Umfeld positionieren sich auch die Finanzierungsformen Leasing und Factoring immer stärker. Dies auch, weil sie sich gegenseitig auf interessante Art und Weise ergänzen. Ein weiterer Vorteil im Kontext der Unternehmensfinanzierung ist die geplante Kapitalmarktunion der Europäischen Union. „Generell ist die Kapitalmarktunion mit dem Ziel, KMUs weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen, ein Schritt in die richtige Richtung“, so Falk Raudies, Vorstand FCR-Immobilien AG. Raudies weiter: „2016 wird ein wichtiges Jahr, um entscheidende Hürden auf europäischer Ebene zu nehmen und die Voraussetzungen für die in 2019 avisierte Kapitalmarktunion zu schaffen.“ Noch haben diese Finan­zie­rungs-Al­ternativen ihr Potenzial nicht voll erschlossen. Dies auch, weil die Herausforderungen von digitaler Trans­for­mation und Industrie 4.0 auf der Finanzierungsseite als enorm gelten. Grundlage aller Innovation ist Liqui­dität. Mit Leasing und Factoring gelingt es Unternehmen der Wirtschaft – vor allem des Mittelstandes –, die für das Wachstum notwendige Liquidität zu schonen. Factoring garantiert auf der einen Seite den laufenden Cashflow und sichert auf der anderen Seite den möglichen Ausfall von Forderungen ab.

Speziell für Unternehmen der IT-Branche gibt es durch Leasing gezielte Finanzierungsangebote. Gerade Finanzdienstleister aus der IT-Branche bieten dieses sowie eine Vielzahl weiterer interessanter Finanzierungsinstrumente an. Der Vorteil: Sie können sich als Hightech-Unternehmen und IT-Experten sehr gut in die Gedankenwelt ihrer Kunden einloggen und individuelle Lösungen erarbeiten. Eine Hilfe, die der CFO bei seiner Digitalisierungs­strategie gut gebrauchen kann.

von Udo Rettberg
u.rettberg@trendreport.de

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