Grünes Mining

Die TREND-REPORT-Redaktion sprach mit Rohstoffexprte Tobias Tretter von Commodity Capital über Nachhaltigkeit in der Minenindustrie und das Potential der „Next-Generation“-Rohstoffe.

Herr Tretter, gerade was soziale Nachhaltigkeit betrifft, haben Minenbetreiber oft keine gute Presse. Wie können Sie das Gewissen der Anleger beruhigen?

Die Minenindustrie ist grundsätzlich viel „grüner“ als die meisten Anleger denken. Insbesondere kanadische und australische börsengelistete Unternehmen unterliegen sehr strengen Regularien und es gibt keine Abbaugenehmigungen ohne vorherige gründliche Überprüfung der ökologischen Verträglichkeit. Die in den letzten Jahren erzielten, massiven Fortschritte führten jedoch dazu, dass die Zeit von der Entdeckung eines neuen Erzkörpers bis zu dessen Abbau sich deutlich verlängert hat. Um heuzutage noch eine Abbaugenehmigung zu erhalten müssen die Minenunternehmen detailliert darlegen wie sie die Veränderungen an der Natur nach dem Abbau des Erzköpers wieder rückgängig machen und müssen noch vor Produktionsstart die hierfür benötigten finanziellen Mittel zurückstellen. In vielen Fällen ist es sogar zum Erhalt einer neuen Abbaugenehmigung erforderlich die Altlasten des Projektes umweltfreundlich zu entsorgen. Die schwarzen Schafe, die es sicherlich weiterhin noch gibt, sind vor allem in Ländern zu finden in denen es kaum Umweltauflagen und viele illegale kleine private Minen gibt. In erster Linie sind dies die Länder in Afrika und in einigen Teilen Südamerikas. Hier müssten Sie als Investor Ihr Investement persönlich vor Ort inspizieren um sicherzustellen, dass „alles sauber und mit rechten Dingen“ abläuft.

Grundsätzlich benötigt die Welt Rohstoffe – mehr denn je zuvor. Und auch der Umstieg auf regenerative Energien benötigt jede Menge an Rohstoffen. Insofern kann es nicht darum gehen die Minenindustrie zu verteufeln, sondern es ist wichtig als Geldgeber darauf zu achten, was mit meinen Investments geschieht und dass der Abbau der benötigten Metalle auf umweltverträgliche Art und Weise verläuft. Letztendlich entscheiden wir mit unseren Investments, was wir von der Minenindustrie wollen und setzen mit unseren Investments die Standards. Die „richtigen“ Investments vermögen viel Gutes in der jeweiligen Region zu bewirken. Sie schaffen neue Arbeitsplätze, binden abgelegene Dörfer an die Wasserversorgung an und sorgen nicht selten für Bildung und medizinische Versorgung. Allessamt positive Nebeneffekte wenn man den Abbau von für uns wichtigen Rohstoffen „richtig“ macht.

Warum ist solch ein nachhaltiges Investment nicht weniger lukrativ?

Ich glaube die Frage muss lauten, warum ein nachhaltiges Investment langfristig immer lukrativer ist. Mining ist an und für sich sehr einfach. Sie finden einen Erzkörper, den sie nicht verlegen können und für dessen Abbau sie viel Geld investieren müssen. Sie müssen bohren, Studien erstellen und letztendlich eine Mine aufbauen. Dies kostet Unmengen an Geld und wenn sie dann nach 10 Jahren in Produktion sind, beginnt erst das Geld verdienen. Insofern ist es für jedes Minenunternehmen das Wichtigste, dass die Mine ohne Probleme bis zum Ende des Minenzykluses läuft und Geld verdient. Und hier sind wir beim entscheidenden Faktor! Das Wichtigste ist, dass die Mine ohne Probleme ohne Unterbrechungen in Betrieb ist. Und grundsätzlich sind alle Locals, welche ich je getroffen habe, immer pro Mining. Aber eben nur, wenn es in nachhaltiger Art und Weise geschieht. Insofern ist ein nachhaltiger Abbau und die Beziehung zu den Einheimischen fast immer der Schlüssel zum Erfolg für ein Minenunternehmen. Und ich spreche hier nicht davon, dass entstandene Umweltschäden wieder beseitigt werden müssen. Dies ist längst Standard und Voraussetzung für eine Abbaugenehmigung. Ich denke es geht noch weit darüber hinaus nicht die Umwelt der Einheimischen zu verschmutzen, deren Grund und Boden wir benötigen um die Rohstoffe für unseren Lebensstil zu bekommen. Es geht in ersten Linie zum Beispiel darum Einheimische anzuwerben und ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Und eben nicht die günstigeren und etwas besser geschulten Arbeiter aus dem Nachbarland anzuheuern. Insofern ist die Schulung der lokalen Bevölkerung und Jobs für sie ein wichtiges Kriterium. Oder warum sollte man eine Wasserpipeline für ein Projekt in Afrika nicht 50% größer bauen und den Einheimischen es ermöglichen die Zeit für das Bestellen der Äcker um 2 oder 3 Monate zu verlängern. Die Kosten für die Minenunternehmen sind im Gesamtkontext minimal, die Auswirkungen jedoch gewaltig. Ich denke dies ist eine Herangehensweise, welche in Zukunft immer wichtiger werden wird. Die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und das Kreieren von Win-win-Situationen für alle. Die lokale Bevölkerung, die Minenunternehmen und uns Investoren.

Um „richtige“ Investments sicherzustellen machen machen Sie sogenannte Mining-Trips. Was können wir uns darunter vorstellen?

Ein Mining-Trip ist für uns ein entscheidendes Investitionskriterium. Papier ist geduldig und sie können viele Dinge sehr schön darstellen in einer Hochglanzbrochüre. Wir machen uns bei all unseren Kerninvestments ein Bild direkt vor Ort um sicherzustellen, dass einerseits das Projekt auch wirklich vorhanden ist, die Infrastruktur, der Zugang zu Strom und auch der Erzkörper dem entspricht was wir uns vorstellen und was es ermöglicht das Projekt wirtschaftlich in Produktion zu bringen. Viel wichtiger sind allerdings die weichen Faktoren. Wie stellt sich der Umgang mit der lokalen Bevölkerung heraus. Wie behandelt der CEO seine Mitarbeiter und die wiederum die lokale Bevölkerung. Hier ist das ein oder andere private Gespräch abseits des Management Teams immer sehr aufschlussreich und letztendlich ist es natürlich das Managment Team selbst, von dem man einen ganz anderen Eindruck über 2 oder 3 Tage in der Wildnis bekommt als in einem Meeting. Dass unsere Geologen in der Zwischenzeit das Projekt auf Herz und Nieren testen spielt dann teilweise gar nicht mehr den entscheidenden Faktor für ein Investment.

Lohnt sich Ihrer Meinung nach jetzt noch eine Investition in Gold? Welche Alternativen gibt es?

Ja, wir sehen erhebliches Potential bei Gold. Der Goldpreis selbst unterliegt vielen – auch politischen – Einflussfaktoren, welche außerhalb unseres Einflussbereiches stehen. Insofern ist es immer schwierig den Goldpreis selbst zu prognostizieren. Was wir aber definitiv prognostizieren können ist, dass die Produktion von Gold in den kommenden Jahren deutlich rückläufig sein wird. Es wurde in den vergangenen zehn Jahren auf Grund der niedrigen Preise zu wenig exploriert und es wird nicht möglich sein die bestehende Produktion aufrechtzuerhalten. Neben Gold sehen wir derzeit Zink und mittelfristig Kupfer als aussichtsreich. Auch hier wird die Produktion aufgrund der Versäumnisse der Vergangenheit in den kommenden Jahren rückläufig sein.

Völlig differenziert stellt sich die Situation bei den „Next- Generation“ Rohstoffen dar. Hier ist es nicht eine rückläufige Produktion welche die Preise ansteigen lassen wird, sondern es entwickelt sich gerade ein komplett neuer Markt bzw. ein neues Verbraucherverhalten, welches die Industrie zwingt, sich darauf einzustellen. Die aktuelle Situation bei Lithium und den anderen zur Batterieproduktion benötigten Metallen lässt sich am besten mit der Situation bei Öl Anfang des 19 Jh. vergleichen. Benzin war ein wertloses Beiprodukt der Heizölherstellung bis zur Erfindung des Automobils. Danach jedoch bildete sich ein komplett neuer Markt und es dauerte bis die Ölproduktion mit der Nachfrage Schritt halten konnte.

Warum haben sie vor kurzem das Anlageuniversum Ihres reinen Lithiumfonds um weitere Rohstoffe erweitert?

Lithium ist der große Profiteur der Elektrifizierung und wir sehen weiterhin enormes Potential bei Lithium. Aber es wird zur Herstellung der Lithiumbatterien eben nicht nur Lithium sondern auch Kobalt, Grafit oder Zink benötigt und wir sehen bei diesen Metallen ein extremes Angebotsdefizit auf die Batteriehersteller zukommen. Nehmen wir als Beispiel Kobalt. Kobalt ist in erster Linie ein Beiprodukt bei der Gewinnung von Kupfer oder Nickel. Und dies auch nur in bestimmten Regionen der Welt. Insbesondere die demokratische Republik Kongo spielt hier mit über 60% eine erhebliche Rolle. Leider ist der Kongo weder eine verlässliche Kobaltquelle noch dürfte es Tesla und Co leicht fallen zu erklären, warum sie für ein „grünes“ Auto auf die Produktion im Kongo zurückgreifen, wo doch Kinderarbeit und grausame Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung sind. Insofern werden händeringend neue, verlässliche Kobaltquellen benötigt. Wir sehen hier trotz der Verdreifachung des Kobaltpreises im vergangenen Jahr bereits erhebliches Potential. Aktuell ist noch keinerlei verlässliche Produktion absehbar und wir rechnen aufgrund der stark steigenden Nachfrage mit weiter steigenden Preisen.

Welche Entwicklung erwarten Sie bei den „Next-Generation“-Rohstoffen in den nächsten Jahren und warum?

Bei „Next – Generation“ Rohstoffen handelt es sich um Materialien, welche in einer zukunftsträchtigen Technologie die entscheidenden Komponenten für den Erfolg sind. Lithium kann derzeit weder ersetzt noch günstig und ökologisch recycelt werden. Gelingt der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Elektrofahrzeuge, werden aktuell unvorstellbare Mengen von diesen neuen Rohstoffen benötigt und es kann Ihnen derzeit kein Experte aufzeigen, wie die Rohstoffe rechtzeitig in den benötigten Mengen abgebaut werden können. Aktuelle Schätzungen gehen bis 2025 von ca. 1 Mio. Tonnen Lithium aus. Aktuell werden noch nicht einmal 200.000 Tonnen Lithium produziert. Problematisch ist hierbei weder die Menge des benötigten Lithiums noch dessen Reserven. Das Problem ist die zeitliche Verfügbarkeit. Der größte Teil des abgebauten Lithiums kommt aus den großen Salzseen in Südamerika. Die dort vorherrschende Abbaumethode benötigt die Evaporation des lithiumhaltigen Wassers aus dem Erdboden. Und das benötigt Zeit. Nehmen wir an, ein neues Projekt wird morgen gefunden, übermorgen genehmigt und direkt danach finanziert. Dann bekommen Sie, wenn nichts schief läuft, ihr erstes Lithium in frühestens 18 bis 24 Monaten.  Die Anlaufphase bis zur vollen Produktion liegt bei etwa 4 bis 5 Jahren. Insofern sehen wir einen massiven Engpass bei den „Next Generation“ Rohstoffen bis 2025 und rechnen damit, dass bis spätestens 2030 die benötigte Menge problemlos abgebaut werden kann. Bis dahin bedarf es allerdings noch erheblicher Investitionen. Unseren Schätzungen nach benötigt alleine der Lithiumsektor mindestens 2 bis 3 Mrd. USD Investitionen in den kommenden Jahren. Und all diese Prognosen sind Makulatur, wenn Elon Musk Recht behält. Teslas Gigafactory in Nevada verdoppelt die weltweite Batterieproduktion und er möchte noch in diesem Jahr 4 weitere Gigafactories bekanntgeben und erwartet, dass mittelfristig 100 dieser Gigafactories weltweit benötigt werden. Wir sehen derzeit, selbst wenn alle Projekte weltweit morgen genehmigt und finanziert werden würden, keine Chance auf die benötigten 1 Mio. Tonnen Lithium, geschweige denn die für 100 Gigafabriken benötigte Menge. Die Elektrifizierung ist derzeit nur mit Lithiumbatterien möglich und der gesamte Sektor wird noch auf Jahre hinaus unter einer massiven Unterversorgung leiden. Und welcher Batteriehersteller möchte gerne seine Fabrik stilllegen, weil er keinen Zugriff auf das benötigte Lithium hat, das an den Gesamtkosten einer Batterie lediglich 3 bis 4% ausmacht?

Warum haben sie dann vor kurzem das Anlageuniversum Ihres reinen Lithiumfonds um weitere Rohstoffe erweitert?

Lithium ist der große Profiteur der Elektrifizierung und wir sehen weiterhin enormes Potential bei Lithium. Aber es wird zur Herstellung der Lithiumbatterien eben nicht nur Lithium sondern auch Kobalt, Grafit oder Zink benötigt und wir sehen bei diesen Metallen ein extremes Angebotsdefizit auf die Batteriehersteller zukommen. Nehmen wir als Beispiel Kobalt. Kobalt ist in erster Linie ein Beiprodukt bei der Gewinnung von Kupfer oder Nickel. Und dies auch nur in bestimmten Regionen der Welt. Insbesondere die demokratische Republik Kongo spielt hier mit über 60% eine erhebliche Rolle. Leider ist der Kongo weder eine verlässliche Kobaltquelle noch dürfte es Tesla und Co leicht fallen zu erklären, warum sie für ein „grünes“ Auto auf die Produktion im Kongo zurückgreifen, wo doch Kinderarbeit und grausame Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung sind. Insofern werden händeringend neue, verlässliche Kobaltquellen benötigt. Wir sehen hier trotz der Verdreifachung des Kobaltpreises im vergangenen Jahr bereits erhebliches Potential. Aktuell ist noch keinerlei verlässliche Produktion absehbar und wir rechnen aufgrund der stark steigenden Nachfrage mit weiter steigenden Preisen.

 

Über Tobias Tretter

Als geschäftsführender Gesellschafter leitet Tobias Tretter die Commodity Capital AG seit ihrer Gründung im Jahr 2009 und unterstützt sie mit seiner langjährigen Erfahrung und Expertise im Rohstoffsektor als Portfolio Manager und Chief Investment Officer (CIO). Er ist verantwortlich für die Investmententscheidungen des Commodity Capital Global Mining Fund, die Auswahl undVeränderung der Indizes und begründet mit seinen Analysen zu Minenunternehmen die Basis für den langfristigen Erfolg der Commodity Capital AG.

Tobias Tretter erlangte seinen Prädikatsabschluss an der Universität Bayreuth, wo er seine Diplomarbeit praxisbezogen über die Lebenszyklusanalyse bei Rohstoffunternehmen schrieb. Dieses Studium sowie verschiedene Weiterbildungen wie z.B. das DITA (Diplom of international technical analysis) bilden den theoretischen Hintergrund und somit die Grundlage für seine tägliche Arbeit.

Seine Kariere begann Tobias Tretter bei der Credit Suisse Asset Management und setzte seine Praxiserfahrung bei der Beratung und Unterstützung des DJE Gold und Ressourcen Fonds der Dr. Jens Ehrhard Gruppe ein. Das Resultat hieraus war die Auszeichnung als „bester Goldfonds 2003“ sowie eine Selbständigkeit in der Beratung von Rohstofffonds. Gemeinsam mit dem Fondsmanagement der Stabilitas Fonds erreichte er erneut die Auszeichnung als „bester Goldfonds 2006“.

 

Weitere Informationen:

Internet: http://www.commodity-capital.com
Blog: http://rohstoffexperte.com

Bildlizenzen: Commodity Capital

 

 

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