Börsentrends flexibel nutzen
Gastbeitrag von Leo Willert, Gründer und Head of Trading bei ARTS Asset Management. Der Beitrag enthält Einschätzungen zu Kapitalmarktentwicklungen und Investmentstrategien.
Die aktuelle KI-Rally an den Börsen zeigt, wie stark künstliche Intelligenz derzeit als Zukunftstechnologie wahrgenommen wird. Viele Marktteilnehmer erwarten, dass KI in den kommenden Jahren zahlreiche Branchen verändert, Effizienzgewinne ermöglicht und neue Wertschöpfung schafft. Diese Euphorie sorgt dafür, dass globalen Aktienfonds und insbesondere Technologiefonds hohe Volumina an Mitteln zufließen und die Preise steigen. In der ersten Juniwoche 2026 wurden laut Daten von LSEG Lipper rd. 9 Mrd. US-Dollar in Technologiefonds investiert.
Auch wenn künstliche Intelligenz aus heutiger Sicht ein bedeutendes strukturelles Wachstumsthema darstellt, sollten Anleger nicht alles auf eine Karte setzen und ihr Geld ausschließlich in Technologie- oder KI-Aktien investieren. Denn allein schon der Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass nicht jedes vermeintliche Zukunftsthema langfristig die Erwartungen erfüllt und dass selbst überzeugende Trends zwischenzeitlich von zu hohen Bewertungen, starken Kursschwankungen oder wechselnder Marktstimmung geprägt sein können. Für Anleger bedeutet das: Chancen nutzen, aber nicht alles auf eine Karte setzen und Risiken streuen. Ein flexibler, regelbasierter Investmentansatz kann dabei helfen, Markttrends systematisch zu berücksichtigen, ohne das Portfolio ausschließlich von einem einzelnen Thema oder Sektor abhängig zu machen.

Leo Willert betont: „Viele Marktteilnehmer erwarten, dass KI in den kommenden Jahren zahlreiche Branchen verändert, Effizienzgewinne ermöglicht und neue Wertschöpfung schafft.“
Metalle: Nicht alles was Gold ist, glänzt
Gold gilt in der Investmentwelt seit jeher als sicherer Hafen, der vor allem in unsicheren Zeiten Stabilität bietet. Diese These bestätigte sich zumindest im vergangenen Jahr: 2025 war ein „goldenes“ Jahr. Der Preis für das begehrte Edelmetall stieg um rd. 65 % in USD. Gold profitierte von hohen geopolitischen Unsicherheiten und den Unwägbarkeiten der US-Zollpolitik. Noch besser lief es bei Silber. Mit einem Zuwachs um rd. 145 % in USD hat Silber alle anderen Metalle hinter sich gelassen. Gründe für die Preisexplosion waren unter anderem ein weltweit sinkendes Angebot infolge verringerter Minenproduktion und eine hohe Nachfrage aufgrund des Bedarfs von Silber für neue Technologien wie der Photovoltaik oder Elektromobilität. Doch der unerwartete steile Höhenflug nahm Ende Januar 2026 ein jähes Ende. Am „schwarzen Freitag der Edelmetalle“ verloren Gold und Silber innerhalb weniger Stunden zweistellig an Wert. Seitdem haben sich der Gold- und Silberpreis volatil entwickelt. Gleichbleibend hohe oder steigende Zinsen würden Gold und Silber als zinslose Anlage auch weiterhin eher uninteressant machen. Die skizzierte Entwicklung verdeutlicht, dass Gold und auch andere Metalle wie Silber nicht immer ihrer zugeschriebenen Rolle als sicherer Hafen gerecht werden und genauso wie andere Assets weiteren Einflussfaktoren wie Angebot und Nachfrage und damit Schwankungen unterliegen können.
Energie: Nicht immer sind Öl und Gas ein gutes Investmentgeschäft
Fossile Energieträger gelten noch immer trotz der Energiewende als Treibstoff der Weltwirtschaft und wichtiges Konjunkturbarometer. Doch ein genauerer Blick über die vergangenen Jahrzehnte zeigt auf, dass auch hier Schwächephasen mit starken Aufwärtsphasen abwechselten. So befand sich etwa der Preis für die Ölsorte WTI vor 40 Jahren durch ein hohes Angebot für über 15 Jahre – zwischen 1986 und 1999 – auf einem niedrigen Level von 12 bis 25 USD. Danach folgte bis zum Jahr 2008 ein Superzyklus: Angetrieben durch einen steigenden Energiehunger infolge der Globalisierung kletterte der WTI-Ölpreis im Juli 2008 auf ein Allzeithoch von 147,27 US-Dollar. Die Finanzkrise von 2008 führte dann zu einem Einbruch, auf den eine Phase der Konsolidierung folgte. Ab 2015 sackte der WTI-Ölpreis durch den Fracking-Boom in den USA weiter ab. Im Jahr 2020 folgte dann durch den Ausbruch der Corona-Pandemie der nächste Crash: der Ölpreis erreichte einen historischen Tiefststand von -37,63 USD. Ölverkäufer mussten also Käufer dafür bezahlen, Öl abzunehmen. Die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise führte wiederum zu einem starken Preisanstieg bei den fossilen Energieträgern. Wie sich die Preise der fossilen Energieträger in den nächsten Jahrzehnten entwickeln werden, ist nicht abzusehen. Aber es wird weiter volatil bleiben.
Flexibilität ist der Schlüssel
Eine Möglichkeit, flexibel in Trends zu investieren, ist der Momentum-Investmentansatz. Die Momentum-Strategie ist ein quantitativer und mathematisch belegter Ansatz, der auf dem Grundsatz basiert, dass diejenigen Wertpapiere mit der stärksten Kursentwicklung ihren positiven Trend kurz- bis mittelfristig mit einer statistisch höheren Wahrscheinlichkeit fortsetzen. Eine zentrale Rolle spielt hier das Risikomanagement: In fallenden Märkten kann das technische Handelssystem die Aktienquote schrittweise reduzieren. Unterstützt wird diese Risikomaßnahme durch eine konsequente Stop-Loss-Systematik, die helfen soll, das Verlustpotenzial zu begrenzen. Die untere Graphik zeigt auf, wie sich die Allokation in einem Momentum-Fonds bereits über mehrere Monate mehrmals verschieben kann. Während der Fonds im Januar 2026 noch schwerpunktmäßig in Metalle investiert war, fand im März eine Sektorrotation hin zu Energiewerten statt. Ende April verlagerte sich der Schwerpunkt wiederum auf Informationstechnologie.

Allokation des C-QUADRAT ARTS Best Momentum Fonds
Ein flexibler Investmentansatz wie die Momentum-Strategie kann positive Trends nutzen, ohne sich dauerhaft an einzelne Themen oder Branchen zu binden. Denn ob Trends wie künstliche Intelligenz langfristig bestehen bleiben, an Dynamik verlieren oder brechen, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen.
Entscheidend ist daher nicht die langfristige Einschätzung eines bestimmten Megatrends, sondern dessen tatsächliche Kursentwicklung. Sobald sich Trends abschwächen oder drehen, kann das Handelssystem Risiken aktiv steuern, Positionen reduzieren und die Allokation laufend an veränderte Marktbedingungen anpassen.
So können Anleger an positiven Markttrends partizipieren, ohne das Portfolio dauerhaft auf ein einzelnes Thema auszurichten.
Hinweis der Redaktion:
Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Diskussionszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Fondsanteilen oder anderen Finanzinstrumenten dar.
Die im Beitrag dargestellten Einschätzungen, Meinungen und Marktbewertungen stammen vom Gastautor und spiegeln nicht zwingend die Auffassung der Redaktion von TREND REPORT wider. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden und können zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
Leser sollten Anlageentscheidungen ausschließlich auf Grundlage ihrer persönlichen finanziellen Situation, ihrer Risikobereitschaft sowie gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem unabhängigen Finanzberater treffen.











