Trend: Gesundheit wird zum Konsum- und Lifestyle-Thema
Der Drogeriekonzern dm positioniert sich zunehmend als Akteur im Gesundheitsmarkt und übernimmt dabei Funktionen, die bislang klar den Apotheken vorbehalten waren. Auch wenn dm rechtlich keine Apotheke ist, verändert das Unternehmen die Versorgungsrealität vieler Verbraucher spürbar. Die Frage ist daher weniger, ob dm eine Apotheke ersetzt – sondern wie sich die Rolle der Apotheke durch dm verändert.
Rechtlich bleibt das Apothekenmonopol für verschreibungspflichtige Arzneimittel unangetastet. dm darf weder Rezepte einlösen noch individuelle pharmazeutische Beratung anbieten. Dennoch rückt der Konzern mit seinem stark erweiterten Sortiment an apothekenpflichtigen, aber nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten, Medizinprodukten, Vitaminen und Präventionsangeboten deutlich näher an das klassische Apothekengeschäft heran.
Hinzu kommt ein stark ausgebautes Informationsangebot. Produktbeschreibungen, Wirkstoffhinweise, Dosierungsempfehlungen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sowie digitale Gesundheitsinhalte geben Orientierung und ersetzen für viele Kundinnen und Kunden das erste Beratungsgespräch. dm wird damit zur niedrigschwelligen Anlaufstelle für Gesundheitsfragen, insbesondere im Bereich Selbstmedikation und Vorsorge.
Der entscheidende Unterschied zur Apotheke bleibt die fachliche Verantwortung. Während Apotheken unter der Leitung approbierter Apotheker stehen und eine individuelle Arzneimittelprüfung leisten müssen, agiert dm als Handelsunternehmen mit standardisierten Informationen. Die Verantwortung für Diagnose, Therapie und Wechselwirkungen liegt weiterhin beim Verbraucher selbst oder bei medizinischem Fachpersonal.
Strategisch folgt dm damit einem klaren Trend: Gesundheit wird zum Konsum- und Lifestyle-Thema. Prävention, Eigenverantwortung und schnelle Verfügbarkeit rücken in den Vordergrund. In einem Umfeld, in dem Arzttermine knapp sind und Apotheken unter Fachkräftemangel leiden, gewinnt der Drogeriemarkt als Gesundheitsversorger des Alltags an Bedeutung.
Für klassische Apotheken bedeutet diese Entwicklung wachsenden Druck – insbesondere im margenstarken OTC-Bereich. Gleichzeitig verschiebt sich ihr Profil: weg vom reinen Produktverkauf, hin zu beratungsintensiven Leistungen, Medikationsmanagement und komplexen Therapien. Die Apotheke wird damit stärker zum medizinischen Dienstleister, während dm den alltäglichen Gesundheitsbedarf abdeckt.
Langfristig zeigt der dm-Vorstoß, wie sich der Gesundheitsmarkt neu strukturiert. Die Grenzen zwischen Einzelhandel, Gesundheitsinformation und Versorgung verschwimmen. dm steht exemplarisch für eine neue Generation von Anbietern, die Gesundheit als Plattformgeschäft verstehen – mit Sortiment, Information und digitaler Begleitung.
Ob daraus ein dauerhaftes Parallelmodell zur Apotheke entsteht oder lediglich eine Ergänzung, wird sich zeigen. Klar ist jedoch: Die Rolle der Apotheke wird neu verhandelt – und dm ist ein zentraler Treiber dieses Wandels.
Quellen (Auswahl)
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dm-drogerie markt: Unternehmensinformationen und Gesundheitsangebote
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Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Arzneimittelgesetz, Apothekenrecht
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ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Stellungnahmen zu OTC-Vertrieb
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Verbraucherzentrale Bundesverband: Selbstmedikation und Arzneimittelsicherheit
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Apotheken Umschau / Deutsches Ärzteblatt: Entwicklungen im OTC- und Gesundheitsmarkt
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Statista: Marktanalysen Drogerie, OTC- und Apothekenmarkt Deutschland
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