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New Work ist en vogue

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März 26, 2018 veröffentlicht von

Reportage

Gute Nacht, alte Arbeitswelt! Die Roboter kommen. Aber wer wird profitieren und wer nicht? Warum Sie nicht gleich den Kopf in den Sand stecken sollten.

Den Begriff „New Work“ haben wir Frithjof Bergmann seit den 80ern zu verdanken, der auch als Begründer der „New Work“-Bewegung gilt. Mit seinem New-Work-Konzept antwortet er auf die exponentiell ansteigende Arbeitslosigkeit der Zukunft und auf die „vier Tsunamis“: die „Schlachtspaltung“ zwi­schen unglaublichem Reichtum und mörderischer Armut, die Verschwendung unserer natürlichen Ressourcen, die Zerstörung unseres Klimas und die Vernichtung unserer Kultur.

Im Zentrum der „Neuen Arbeit“, betont Bergmann immer wieder, steht die Arbeit, die ein Mensch „wirklich, wirklich will“! Ihm geht es darum, unsere Arbeit in Zukunft menschlicher und sinnvoller zu gestalten. Dabei könnte er recht haben, was die Zukunft der Arbeit betrifft. Eventuell haben wir bald alle so viel Zeit, um zu machen was wir wirklich, wirklich wollen.

Studien besagen, dass uns die neuen Automatisierungstechnologien im Arbeitsalltag in Zukunft viel Zeit einsparen werden. Stupide und täglich wiederkehrende Aufgaben sind dann endgültig passé.

Während Software-Roboter die repetitiven Aufgaben komplett fehlerfrei im Hintergrund erledigen, haben Mitarbeiter mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben. So kommen sie überwiegend dort zum Einsatz, wo sie den größten Mehrwert haben und Robotern deutlich überlegen sind.

„Das betrifft vorwiegend Aufgaben, die Kreativität, Beratungserfahrung oder Empathie erfordern“, betonte Hans Martens, Gründer von Another Monday im Gespräch mit der Redaktion. „Diese in­telligente Arbeitsaufteilung zwischen Mensch und Maschine gibt Mitarbeitern Freiräume für kreative Tätigkeiten, was sich auch positiv auch auf die Arbeitsmotivation auswirkt“, so Hans Martens.

Die Automatisierung oder auch „Robotic Process Automation“ (RPA) und die Künstliche Intelligenz helfen uns schon heute, das Arbeitsleben leichter zu gestalten. Aber auch die Angst, in Zukunft komplett ersetzt zu werden, steht bei vielen Bürgerinnen und Bürgern im Raum.

Sicher ist dabei schon jetzt, dass sich die Arbeitswelt im Kontext der Digitalisierung recht schnell verändert und noch schneller verändern wird. Aktuelle Begriffe wie Arbeiten 4.0 der Bundesregierung sind neue Versuche, das Thema zu verstehen und die Auswirkungen zu erfassen.

Auch wenn das Kürzel „4.0“ erst einmal suggeriert, die Veränderungen in der Arbeitswelt würden vor allem durch die Digitalisierung vorangetrieben, verbirgt sich viel mehr dahinter: Es sind auch die gesellschaftlichen Trends Globalisierung, demografischer Wandel, Bildung und Migration, die schon heute unsere Arbeit beeinflussen und erst recht unsere zukünftige beeinflussen werden.

So verwundert es nicht, dass beispielsweise schon 2015 in einer von der Telekom und der Universität St. Gallen veröffentlichen Studie nicht ohne Hintergedanken von Revolution gesprochen wurde – damals noch fokussiert auf Industrie 4.0: Nach der Einführung mechanischer Produktionsanlagen mithilfe von Wasser- und Dampfkraft, der arbeitsteiligen Massenproduktion mithilfe von elektrischer Energie und dem Einsatz von Robotik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion nun also die vierte industrielle Revolution mit dem Einsatz von cyberphysischen Systemen.

Die ehemalige Bundesministerin Andrea Nahles schreibt im Vorwort des im November 2016 herausgegebenen Weißbuchs „Arbeiten 4.0“, dass die Hauptfigur des Wandels zwar die Digitalisierung sein mag, Arbeiten 4.0 ist aber „vielmehr ein Kürzel für die Veränderungen in der gesamten Arbeitswelt und ihrer Folgen für die Gesellschaft“. Schwer fällt es allerdings, den Begriff Arbeiten 4.0 aus der Schwammigkeit zu holen.


Agilität im Unternehmen

Ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Arbeitswelt verändert, stellt das Thema „Agilität“ dar. Das Konzept der Agilität gibt es bereits seit den 1950er-Jahren in der Systemtheorie von Organisationen. Agile Methoden sind en vogue und beschäftigen zurzeit viele Unternehmer. Man könnte sagen, Agilität ist auch verantwortlich für die Disruption und wirkt sich damit disruptiv auf unsere Arbeitswelt aus.

Es sind vor allem die Fortschritte beim Machine-Learning, Data-Mining und bei der Machine-Vision, die unsere Arbeitswelt in Zukunft beeinflussen werden. Aber Agilität wirkt sich auch auf das Management und den Führungsstil aus, betonte Malte Foegen von den Wibas Management Consultants im Gespräch mit unserer Redaktion: „Agilität bedeutet schnell und reaktionsfähig zu sein. Eine agile Organisation ist eine, die ‚Rechts Überholen‘ für das normalste aller Manöver hält. Weil Dis­ruption Geschwindigkeit und Wendigkeit braucht, braucht Disruption Agilität. Hinzu kommt, dass agile Führung ein disruptives Führungsmodell ist. Ich kenne keinen, der in einer echten agilen Organisation gearbeitet hat, der sich danach wieder eine klassische Organisation vorstellen kann.“

Mit den ersten agilen Teams im Unternehmen fängt der Prozess meist an, doch ein paar Inseln reichen nicht aus, um sich in ein agiles Unternehmen zu transformieren. Auf unsere Frage hin, wie agile Teams in die restliche Organisation integriert werden, beschrieb Malte Foegen, dass zur Koordination der Teams untereinander ebenfalls agile Techniken bzw. Frameworks eingesetzt werden sollten. Für Agilität gibt es eine große Auswahl an Methoden wie zum Beispiel Kanban, Large-Scale-Scrum, oder das Scaled Agile Framework.

Foegen fährt fort: „Außerdem muss die Führungsebene ebenfalls agile Methoden nutzen und selbst den agilen Werten und Prinzipien folgen. Das ist eigentlich logisch, weil ja gerade die Führung häufig Koordinationsaufgaben zwischen den Teams zur Aufgabe hat. Agilität im Großen und agile Führung gehen also Hand in Hand.“


Sinn und Zweck der Arbeit

Anschauliche und nachvollziehbare Beispiele zum Thema New Work liefert ganz aktuell der Bene „The Future of Work Report 2018“. Er bietet einen Überblick über die Zukunft der Arbeit und wie diese aussehen könnte. „Wir haben mit über 40 internationalen Experten Einzelinterviews sowie Round-Table-Diskussionen geführt“, berichtet Florian Löhle, Geschäftsführer von Bene Deutschland.
In den vier Kapiteln werden die Themen Digitale Transformation, Führungskultur, Zusammenarbeit sowie der Sinn und Zweck der Arbeit untersucht.

Wichtige Erkenntnisse aus dem Kapitel zum Thema „Sinn und Zweck der Arbeit“ hat uns Florian Löhle im Hintergrundgespräch erläutert. Löhle betonte dabei: „Die Experten sind sich alle einig, dass die Bedeutung der Arbeit tendenziell zugenommen hat. Speziell die Generation Y hat hohe Ansprüche an ihre Arbeitgeber. Arbeit soll nicht nur Spaß machen, sondern einem höheren Zweck dienen.

Sowohl bei Kunden, als auch bei Mitarbeitern werden die soziale und die ökologische Nachhaltigkeit von Produkten und Services zu einem wesentlichen Auswahlkriterium. Unternehmenskultur und individuelle Entwicklungs-möglichkeiten sind ebenfalls wichtige Entscheidungskriterien. Essenziell ist darüber hinaus die Erkenntnis, dass man heute eigentlich nicht mehr von Work-Life-Balance, sondern viel mehr von Work-Life-Integration spricht.“

Florian Löhle erklärte dies so: „Das heißt, dass das Konzept von ‚nine to five‘ ein wenig überholt ist und die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem immer mehr verschwimmen. ‚Workshifting‘ beschreibt ein Modell, das darauf basiert, Arbeit unabhängiger von Ort und Zeit zu gestalten. Was die Führung von Mitarbeitern und die Kommunikation innerhalb und außerhalb der Organisation betrifft, bringt das Modell Veränderungen mit sich.“


Arbeit ist kein Ort mehr

Ermöglicht wird der Wandel unter anderem durch die rasante technologische Entwicklung durch die Cloud. Der persönliche Arbeitsplatz lässt sich bereits bis ins Detail in Cloudumgebungen abbilden und über das Internet und den Browser zugänglich machen. Damit löst sich die persönliche Arbeitsumgebung aus der angestammten Büroumgebung und wird orts-, zeit- und geräteunabhängig.

Nutzen Sie selbst schon agile Methoden?

Das „Haufe Agilitätsbarometer 2017“ befragte 1 800 Mitarbeiter und 1 000 Führungskräfte zum Einsatz agiler Methoden.

Egal, wo wir uns befinden, welches Gerät wir nutzen und wann wir arbeiten möchten – über die Cloud besteht jederzeit Zugang zur persönlichen Arbeitsumgebung, bestehend aus Identitäten, Apps, Dokumenten, und Services. Arbeit ist damit kein bestimmter Ort mehr, zu dem man täglich geht, sondern wird zu einem Zustand, der jederzeit bewusst aktiviert oder deaktiviert werden kann.

Oliver Bendig bietet in diesem Kontext Technologien für den digitalen Arbeitsplatz mit künstlicher Intelligenz (AI) an. Der CEO der Matrix 42 AG erklärte dazu: „Generell wird Arbeiten durch AI einfacher werden. Apps, Daten und Dokumente werden automatisch auf dem gerade genutzten Arbeitsgerät zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung gestellt. Der digitale Arbeitsplatz wird somit Fragen zum Status eines Projekts oder dem nächsten Meeting beantworten, bevor wir diese überhaupt gestellt haben.

Darüber hinaus wird die Arbeitsumgebung stärker automatisiert und einfacher werden. Denken Sie beispielsweise an die Konferenzraum-Steuerung mittels Smart-Office-Szenarien: So wird beim Eintritt in einen Besprechungsraum beispielsweise automatisch eine Telefonkonferenz gestartet und die entsprechenden Teilnehmer werden schon angewählt.“

Gerade Videokonferenzsysteme unterstützen unsere Arbeit sinnvoll und nachhaltig. „Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes ist der Weg zu gesteigerter Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit – und letztendlich zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit“, ergänzt Dr. Fritjof Lemân: „Sie erfordert den Spagat zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was in Bezug auf Prozesse und Mitarbeiter sinnvoll ist.“ Dies gilt auch für den Einsatz professioneller Videokonferenzsysteme“, betonte Lemân im Gespräch mit unserer Redaktion. Dr. Fritjof Lemân und Dr. Dirk Fischer von Vistafon sind sich einig: „Ein gutes Videokonferenzsystem muss intuitiv bedienbar sein und neben hervorragender Verbindungsqualität auch Datenschutz gewährleisten.“


Virtual Reality

Weitere digitale Technologien wie das 3-D-Druckverfahren oder Virtual und Augmented Reality ändern gerade unsere Arbeitsprozesse und zum Teil auch die Wertschöpfungsketten von Unternehmen. So können beispielsweise AR-Brillen die Arbeit erheblich erleichtern. Ingenieure und Maschinenbauer haben jetzt die Hände frei und können sich voll auf die Arbeit konzentrieren, da man alle wichtigen Daten zu einer Maschine direkt vor Augen hat.

Eine im Jahr 2016 veröffentlichte Studie von PWC zeigt, dass einer von drei Herstellern erwartet, dass Virtual Reality und AR-Technologien bis 2018 im Einsatz sind. Mit der Unterstützung von neuen Technologien können neue Wege betreten werden, was insbesondere auch für den 3-D-Druck im Bereich der Produktion gilt. Jetzt kann passgenau auf die Bedürfnisse des Kunden eingegangen werden.

Trotz aller Technologie müssen auch die Mitarbeiter hinter dem Unternehmen stehen und sollen für ihre Aufgaben täglich gewonnen werden. Die Selbstorganisation kann dabei helfen und motivieren. Durch immer komplexere Arbeitsabläufe und Aufgaben sollte sich auch das Führungsverhalten ändern.

In diesem Kontext wünschen sich viele Mitarbeiter mehr Eigenverantwortung. Alle Experten sind sich einig darüber, dass Vertrauen und Verantwortung die Schlüsselfaktoren dabei sind, dies auch im Hinblick auf Motivation und Stabilität im Unternehmen sowie in der Kultur.

Was Vertrauen und Verantwortungsübernahme betrifft, zeigt sich zum Beispiel eindrucksvoll beim Thema Projektmanagement. Gerade hier sind Menschen am Werk. Um das Thema Nachhaltigkeit und Vertrauen ging es auch auf den diesjährigen Projektmanagement-Tagen der Tiba Managementberatung in München.

Hochkarätige Key-Notes von Dr. Antonia Rados und José Reyes zum Thema Sustain.ability im Projektmanagement standen auf dem Veranstaltungs-programm. Tim H. Balser betonte dabei in seinem Vortrag: „Mir geht es beim Sustainability-Gedanken darum, dass Projektleiter auch eine Verantwortung über das Projektende hinaus behalten. Ich befasse mich deshalb mit der Frage, wie man diese Verantwortung stärken und formal regeln kann.“ Ein spannendes Thema, das Balser hier anschneidet, weil Skandale die durch falsche Projektierung entstehen nur sehr schwer juristisch aufklärbar sind. Außerdem rief Tim H. Balser Projektleiter auf, in Zukunft mehr Verantwortung zu übernehmen.

Mehr Verantwortung auch für Teams, die mit agilen Methoden schneller und kreativer arbeiten und so gemeinsam ans Ziel kommen. Die Aufgaben müssen motivieren und der Sinn der Arbeit gegeben sein. „Tue Gutes und rede darüber“ reicht nicht mehr, um Mitarbeitenden nachhaltige Ziele zu geben.

Das Motto: „Tue Gutes und verdiene Geld“ damit, könnte in Zukunft greifen, um der Unternehmung einen tieferen Sinn zu geben. Hier schließt sich dann der Kreis im Kontext der Einleitung des Zitats von Frithjof Bergmann: „Im Zentrum der Neuen Arbeit“, betont Bergmann immer wieder, „steht die Arbeit, die ein Mensch ‚wirklich, wirklich will‘!“ Bergmann geht es darum, unsere Arbeit in Zukunft menschlicher und sinnvoller zu gestalten.

 

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