Blockchain und Banken: Raus aus der Komfortzone

Gastbeitrag von Gerd Müller, Leiter Architektur und Innovation bei der Fiducia & GAD IT AG

Oberflächlich betrachtet stellt die Blockchain für Finanzinstitute eine Bedrohung dar. Denn das Wesen der Technologie besteht vermeintlich darin, Intermediäre und Dritte bei Transaktionen jeglicher Art obsolet zu machen. Diese Betrachtungsweise greift jedoch zu kurz.

Und vergibt die Chance auf neue Potenziale. Denn die Blockchain-Technologie bietet Finanzdienstleistern vielfältige Möglichkeiten, sich neu zu erfinden. Sie können ihre Position in der Wertschöpfungskette verlagern und in eine neue Rolle schlüpfen: nämlich als vertrauenswürdiger Service-Provider für die Vernetzung der Akteure. Damit wandelt sich die Banken-IT zum Wegbereiter in die Welt der Blockchain-Netzwerke: zur Digitalisierung und effizienteren Gestaltung von Finanzprozessen sowie zur branchenübergreifenden Vernetzung mit den Beteiligten einer Wertschöpfungskette, wie Herstellern, Lieferanten, Händlern – und den Banken selbst.

Das größte Versprechen der Blockchain-Technologie ist die digitale Echtheit durch ihre hohe Transparenz. Oftmals werden diese Attribute fälschlicherweise mit Vertrauen gleichgesetzt. Das ist jedoch nicht richtig. Denn Vertrauen wird nicht alleine durch Zertifikate und Technologien begründet. Es benötigt auch ein hohes Maß an persönlicher Interaktion. Diese Lücke zwischen der digitalen und der echten Welt zu schließen, bleibt auch in einem Blockchain-Ökosystem Aufgabe der Banken.

Wie ein Finanzinstitut seine Kunden im Blockchain-Kontext unter­stützen und relevant bleiben kann, beantwortet Gerd Müller.

Die Technologie ihrerseits ebnet den Weg zur Entwicklung von – in dieser immer stärker digitalisierten und enger vernetzten Welt dringend benötigten – neuartigen Geschäftsmodellen und Produkten. Ziel muss sein, Antworten auf die folgende zentrale Frage zu finden: Wie kann ein Finanzinstitut seine Kunden mit der Technologie bei deren Bedürfnissen sinnvoll unterstützen und relevant für sie bleiben?

Wie sich Finanzakteure die Stärken von Blockchain zu eigen machen können, erprobt auch die Fiducia & GAD derzeit in verschiedenen Prototypen. Im Grundsatz fokussieren die Erprobungen darauf, digitale Dienstleistungen in einem vertrauenswürdigen, sicheren und transparenten Ökosystem zur Verfügung zu stellen – technologisch und organisatorisch.

Einen hohen Anteil an der Entwicklung solcher Modelle stellen nach wie vor gesetzgeberische, regulatorische Fragestellungen bezüglich Datenschutz oder Bankgeheimnis dar. Denn die Transparenz der Blockchain bedeutet auch eine höhere Sichtbarkeit von Informationen jeglicher Art.

Wie bei vielen anderen digitalen Innovationen gilt es also auch hier, nicht nur technologische und regulatorische Herausforderungen zu lösen, sondern die höchste aller Hürden zu nehmen: die über Jahrzehnte gewohnte Komfortzone zu verlassen und sich auf völlig neue Art und Weise zu öffnen. Aber gerade die Blockchain kann der Impuls sein, die Chancen dieser Veränderungen zu ergreifen.

 

www.fiduciagad.de

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  1. […] Eine andere Perspektive in Bezug auf den Vertrauensbegriff hat Gerd Müller von der Fiducia & GA… […]

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