Wir bringen Deutschland ins KI-Zeitalter

Dr. Andreas Liebl, Leiter der appliedAI-Initiative von UnternehmerTUM sprach mit der Redak­tion über die Chancen von künstlicher Intelligenz für die Industrie und seine neue Datenbank, in der erstmals Deutsch­lands beste KI-Start-ups gelistet sind.

 

Herr Dr. Liebl, wofür steht ihr Haus und wie unterstützen Sie die deutsche Wirtschaft?

UnternehmerTUM steht seit 15 Jahren für die erfolgreiche Schulung, Finanzierung, Förderung und Beratung von Studenten, Gründern und Unternehmen im Bereich Entrepreneurship. Wir sind heute Europas führendes Zentrum für Innovation und Gründung, mit einem jährlichen Durchlauf von durchschnittlich 100 Start-ups, 1500 Workshop-Teilnehmern und 100 Firmen. Bekannte Start-ups wie die KI-Sensorik-Firma Konux oder Lilium mit seinem Lufttaxi sind mit unserer Hilfe am Markt durchgestartet. Daneben investieren wir mit unserem Fonds auch in Start-ups wie Flixbus.

 

Was ist das Ziel ihrer appliedAI-Initiative?

Wir wollen Deutschland ins KI-Zeitalter bringen, indem wir Anwendungen von künstlicher Intelligenz für die Industrie beschleunigen.

 

Wieso haben Sie die Initiative gegründet?

Wir sehen leider noch große Defizite. Mit der TU München haben wir vor etwa zwei Jahren eine Studie unter deutschen Firmen zum Thema KI durchgeführt. Das Ergebnis war verheerend. Kaum einer nutzte KI und wenn, dann wenig effizient. Selbst große Konzerne experimentierten meist nur mit Pilotprojekten oder hatten maximal eine KI-Anwendung im Einsatz. Meist fehlten Fachkräfte.

 

Welche Erfolge können Sie schon mit appliedAI verbuchen?

Wir haben bereits 28 Partner aus Politik, Wirtschaft und Forschung gewinnen können. Mit dabei sind internationale Konzerne wie Google oder Nvidia, aber auch deutsche Unternehmen wie Linde, Allianz oder BayWa. Wir haben über 100 Personen in Workshops ausgebildet, über 20.000 Personen erreicht und erste Prototypen gebaut. Der enorme Zulauf in so kurzer Zeit hat uns überwältigt und sehr gefreut – unsere Initiative gibt es ja erst seit fünf Monaten.

 

Wie können Unternehmen von appliedAI profitieren?

Als gemeinnützige Initiative ermöglichen wir den offenen Austausch an einem neutralen Ort zwischen Forschung, Wirtschaft und Gründern. Wir bringen etwa Firmen mit KI-Start-ups oder renommierten KI-Forschern zusammen, schulen Mitarbeiter und Manager in unserem eigenen KI-Lab und beraten Firmen, welche KI-Software für sie Sinn macht und wie sie diese praktisch einsetzen können. Wir verringern Eintrittshürden und dienen als Wegweiser.

 

Welche Hilfe für die praktische Anwendung von KI bieten Sie noch?

Wir bauen gerade eine Datenbank auf, in der alle relevanten deutschen KI-Start-ups verzeichnet sind. Aus insgesamt 468 haben wir 237 als vielversprechend gelistet, 132 haben es in unsere Hauptliste geschafft, die wir als etabliert erachten. Damit sollen Firmen leichter passende Partner für die Implementierung von KI finden. Zusätzlich erstellen wir aktuell eine „Landkarte“ wichtiger KI-Tools. Hier existiert eine Menge sehr guter, einfach zu bedienender, aber kaum bekannter Werkzeuge.

 

Was sind die größten Herausforderungen, Künstliche Intelligenz effizient im Unternehmen einzusetzen?

Interessanterweise sind ca. 80 Prozent des Aufwands in einem KI-Projekt organisatorische und operative Fragestellungen und nicht technologische. Unternehmen brauchen eine Antwort auf die Frage, wie sie Zugriff auf Daten auch innerhalb des eigenen Unternehmens erhalten, wie die Daten aufbereitet werden können und insbesondere wie man sein Unternehmen auf die Anwendung der entwickelten KI-Systeme vorbereitet. KI benötigt Vertrauen – und das muss wie bei Menschen aufgebaut werden.

 

Welchen Stellenwert hat Künstliche Intelligenz für Deutschland?

KI wird unser Leben beeinflussen – ob wir das wollen oder nicht. Gerade als eine führende Exportnation sollten wir uns damit intensiv auseinandersetzen. Deutsche Exportschlager wie Autos, Fabrik- und Agrarmaschinen oder Medizintechnik müssen wir mit Hilfe von künstlicher Intelligenz besser machen, um langfristig marktfähig zu bleiben.

 

Wie soll das genau funktionieren, wenn China und die USA gerade in punkto KI den Ton angeben?

Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen. Und das sind unsere fantastisch ausgebildeten Fachkräfte. Etwa gilt das Wissen von deutschen Ingenieuren oder Medizinern weltweit mit als führend. Mit diesem Wissen müssen wir eine KI-Software füttern und lernfähig machen. Zum Beispiel kann man das gut im Diagnostik-Bereich umsetzen. Dort werden schon mit dem Wissen von Ärzten KI-Anwendungen angelernt, die dann Krankheitsbilder oder Symptome automatisch erkennen und deuten – und das besser und schneller als ein erfahrener Mediziner jemals könnte.

 

 

https://appliedai.de

 

 

 

Aufmacherbild / Personenfoto / Quelle / Lizenz
Foto: UnternehmerTUM/P. Ranz

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