„Wer zu seiner Hausbank geht, verliert in jedem Fall Geld.“

Die TREND-REPORT Redaktion sprach mit Alexander Artopé über das Kräfteverhältnis zwischen Banken und Kunden und wie er dieses ändern möchte.

Herr Artopé, Banken haben seit jeher eine mächtige Position. Ist das nicht zum Nachteil der Konsumenten?

Das Kräfteverhältnis zwischen Konsumenten und Banken ist im Wesentlichen durch zwei große Ungleichheiten gekennzeichnet: Für die Banken ist der Kunde häufig bloß Bittsteller. Er verfügt nicht über das Finanzwissen des Bankberaters, der diese Ungleichheit häufig ausnutzt. Die Zinskosten des Kunden könnten daher oft deutlich niedriger sein und auch eine Restschuldversicherung hätte deutlich günstiger ausfallen können. Zusätzlich erhält der Kunde bei einer einzelnen Bank stets unvollständige Informationen, da ihm nur die Angebote dieser einzelnen Bank zur Verfügung stehen. Ein Vergleich über verschiedene Banken hinweg offenbart die Möglichkeit einer deutlichen Ersparnis, er verliert also Geld, wenn er nur eine Bank aufsucht.

Lässt sich dieses Kräfteverhältnis ändern?

Auf unserer Plattform sind über 60 verschiedene Kreditprodukte vorhanden, darunter normale Raten- und Auto-, aber auch Wohnkredite. Der Kunde erhält durch einen einfachen und schnellen Vergleich ein individualisiertes Angebot und kann so sicher sein, dass er eben nicht zu viel zahlt. Die Zinskosten sind dabei der entscheidende Faktor. Selbst bei der gleichen Bank spart er durch einen Abschluss online im Schnitt zwei Prozent gegenüber dem Offline-Angebot. Die Möglichkeit des Vergleichs mit anderen Kreditinstituten sorgt für eine zusätzliche Ersparnis. Bei Bedarf erhält er außerdem eine unabhängige, vollständige Beratung durch einen unserer Spezialisten. Dieser beantwortet ihm alle Fragen rund um seinen Antrag und überbrückt damit die Wissenslücke, hebt also das angesprochene Ungleichgewicht auf.

Wie lange wird es noch dauern, bis Onlineplattformen für ein neues Kräfteverhältnis in der Beziehung zwischen Banken und Kunden sorgen?

Wir glauben, dass die Banken noch lange vom Ungleichgewicht der Kräfte profitieren, sofern eben nicht ein unabhängiger Dritter wie Smava in der Mitte ist. Wir arbeiten sehr stark daran, mehr Transparenz in den Markt zu bringen, damit die Konsumenten ihre Ersparnisse realisieren können. Je mehr Kunden verstehen, dass sie mit unserer Hilfe wirklich eine unabhängige Beratung erhalten, desto mehr wird sich das Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten verschieben. Entscheidend ist dabei eine kontinuierliche Aufklärung. Bei den Leuten, die bisher bei ihrer Hausbank einen Kredit aufgenommen haben, muss das Wissen ankommen, dass sie eben online erheblich sparen können. Wer zu seiner Hausbank geht, verliert in jedem Fall Geld – das kann man so plakativ sagen. Leider ist das den meisten Kunden noch nicht bewusst, zur Freude der Banken.

Sie haben 2007 als erstes FinTech begonnen, den Finanzmarkt zu verändern. Was hat sich seitdem

getan?

Zunächst wollten wir mit unserem Marktplatz und unserer Philosophie der verbesserten Transparenz vor allem die Kunden erreichen, die es schwer hatten einen Bankkredit zu erhalten, die Selbstständigen. Mit der Zeit verzeichnete der gesamte Online-Kreditmarkt allerdings ein rasantes Wachstum und immer häufiger sahen sich auch diejenigen nach Online-Lösungen um, die bei ihrer Hausbank kreditwürdig waren. Das eingangs besprochene Ungleichgewicht löste sich damit jedoch nicht auf. Wir entschlossen uns, auch hier tätig zu werden und nicht mehr nur den Selbstständigen die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen. 2011 haben wir daher unseren Marktplatz in Richtung Kreditbanken erweitert und sind mittlerweile zu einem führenden Anbieter in Deutschland geworden.

Welchen Einfluss hat die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung auf die Kreditvergabe?

Grundsätzlich ist die Digitalisierung ein wesentlicher Treiber. Noch vor Kurzem war es so, dass ein Kredit zwar online beantragt, aber offline abgeschlossen werden musste. Video-Ident-Verfahren und E-Signature erlauben mittlerweile einen Vertragsabschluss online in nur wenigen Minuten von überall. Der früher notwendige Gang zur Bank oder Post entfällt. Bei unserem Produkt „Kredit-To-Go“, welches wir seit Oktober 2016 anbieten, nutzen wir außerdem den sogenannten „Kontoblick“. Damit analysieren wir die Haushaltsrechnung des Kunden und entscheiden sofort auf Basis von Algorithmen, ob der Kunde seinen Kredit ausgezahlt bekommt. Als erster Anbieter in Deutschland haben wir damit eine voll automatisierte Kreditvergabe ermöglicht. Während der Kunde bei einer Bank üblicherweise erst tagelang auf eine Entscheidung warten muss und keinerlei Sicherheit hat, ermöglichen wir nicht nur die sofortige Entscheidung, sondern zahlen den Kredit auch noch taggleich aus. Gerade Kredite werden oft schnell und kurzfristig benötigt, sodass dies ein echter Mehrwert für den Kunden ist.

Wie wird sich die FinTech–Branche in Zukunft entwickeln?

Sehr positiv. Hier stehen wir gerade erst am Anfang einer Entwicklung. Entscheidend dabei sind gar nicht so sehr die technischen Innovationen. Sondern das FinTechs  viel besser als Banken verstehen, was Kunden wirklich wollen. Die meisten Firmengründungen beruhen hier tatsächlich auf dem Bedürfnis den Kunde glücklich zu machen. Die vorherrschende Tendenz, dass sich FinTechs einzelne Teile der Wertschöpfungskette von Banken heraussuchen und mit einem größeren Fokus auf Kundenzufriedenheit umsetzen, wird sich daher noch steigern.  Wenn man sich in zehn Jahren an das Jahr 2017 erinnert, dann wird man sich wundern, wie rudimentär noch alles war. Ein Blick auf die positive Entwicklung im Bereich der Seed-Finanzierung zeigt, dass wirklich viele neue Ideen angeschoben werden. Gerade im Bereich der Online-Kreditvergabe blicken wir mit Spannung auf die nächsten zehn Jahre – die besten Zeiten liegen da noch vor der Branche.

Und wie entwickelt sich das Verhältnis von FinTechs zu Banken?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Ein Teil wird sicherlich in direkter Konkurrenz zu Banken stehen, ein anderer Teil – und dazu würde ich auch Smava zählen – ist in einer Kooperation mit Banken. Wobei wir insofern ein Sonderfall sind, als das wir uns eher als Dienstleister für den Verbraucher ansehen.  Andere FinTechs, beispielsweise aus dem technischen Umfeld, arbeiten direkt mit Banken zusammen und entwickeln Lösungen, die moderner und kundenfreundlicher als die der Banken sind. Natürlich wird es auch weiterhin Akquisitionen geben, wobei FinTechs und Banken sich wechselseitig begünstigen: Banken bringen eine hohe Anzahl an Kunden mit, FinTechs hingegen Nutzerverständnis abgestimmt auf ihre Produkte. Festhalten lässt sich sicherlich, dass Letztere den Wettbewerb kräftig anheizen. Profiteur ist dabei der Kunde, der weiter in den Mittelpunkt rückt. Etwas, was lange Zeit in der Finanzbranche vergessen wurde.

 

Über Alexander Artopé

Alexander Artopé (Dipl.-Kfm., M.A.) ist Gründer und Geschäftsführer von smava, einem der meist genutzten Kreditportale Deutschlands: Pro Jahr werden über das 2007 gestartete Vergleichsportal Kredite von über 1 Milliarde Euro abgeschlossen. Zuvor war Artopé Vorstandsvorsitzender des Software-Unternehmens datango, das er mit gegründet hat und das an SAP verkauft wurde.

 

Weiterführende Informationen:

Internet: https://www.smava.de/
Facebook: https://www.facebook.com/smava.de
Twitter: https://twitter.com/smava

Bildlizenzen: smava

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