Pioniere einer Mobilität der Zukunft

Unsere Redaktion sprach mit Claus Grunow, Leiter Markt-, Geschäfts- und Produktentwicklung Deutsche Bahn Connect, über die Sharing Eco­nomy, neue Mobilitätskonzepte und sich radikal ändernde Kundenbedürfnisse.

Herr Grunow, in welchem Verhältnis stehen für Sie die Begriffe „vernetzte Gesellschaft“ und „Mobilitätswandel“?
Mobilitätswandel und vernetzte Gesellschaft bedingen einander. Beide Entwicklungen sind untrennbar mit der Digitalisierung verbunden, die eine umfassende Transformation all unserer Arbeits- und Lebenszusammenhänge zur Folge hat. Nicht ohne Grund wird dieser Prozess der Transformation nach Mechanisierung, Massenproduktion und Automatisierung gerne auch als vierte industrielle Revolution bezeichnet. Unser Mobilitätsverhalten im Kontext einer vernetzten Gesellschaft folgt daher neuen Regeln, bei denen die bislang getrennten Bereiche von privatem und öffentlichem Verkehr zurücktreten beziehungsweise zunehmend aufgehoben werden. Damit rückt der privat besessene Pkw immer mehr in den Hintergrund, gewünscht wird dagegen ein digital verfügbares breites Mobilitätsangebot, das sich einfach und bequem über einen Zugang auswählen, vergleichen und buchen lässt.

Seit wann haben Sie das Potenzial der Sharing Economy verstanden und eigene Angebote etabliert?
Nutzen statt besitzen: Dass dies zum Kern einer Mobilität der Zukunft wird, haben wir frühzeitig erkannt und mit Call a Bike und Flinkster auch als einer der Ersten 2001 im Markt realisiert. Heute gehören wir mit rund 1,5 Millionen Kunden zu den führenden Sharing-Anbietern und bieten mit mehr als 15 000 Rädern und rund 4 000 Fahrzeugen unseren Kunden ein dichtes und flächendeckendes Sharing-Angebot. Die Dynamik im Markt hat sich im letzten Jahr nochmals deutlich gesteigert; sichtbar zuletzt im massiven Eintritt asiatischer Anbieter ins Bike­sharing. Aber auch die Kundenbedürfnisse haben sich radikal verändert. Als Pionier wollen wir auch in Zukunft im Markt vorangehen. In einem auf Effizienz ausgelegten Alltag wollen wir den Kun­den mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben bieten, indem wir sie mit nur einem Klick an ihre Ziele bringen.

Wie und an was muss heute im Sinne eines verbraucherorientierten Mobilitätsverständnisses gedacht werden?
Sharing hat sich heute in vielen Zusam­menhängen in unserem Alltag etabliert und wird gerade im Bereich der Mobilität von vielen Verbrauchern als gute und nachhaltige Lösung empfunden, mit deren Integration in den Mobilitätsmix sich die Lebensqualität in den Ballungszentren verbessern lässt. Dabei geht der Wunsch der Verbraucher ganz klar dahin, Mobilität als Ganzes zu erleben. Der Kunde der Zukunft ist digital unterwegs und erwartet ein clever vernetztes, integriertes Mobilitätsangebot aus verschiedenen Verkehrsträgern. Mobilität ist für ihn ein einfaches und bequemes Produkt, das sich im Handling wie jeder andere Online-Kauf anfühlen soll. Kurz gesagt: Der Kunde will Mobilität unabhängig von Zeit, Ort und Anlass erwerben können, um entsprechend seinem individuellen Bedürfnis von A nach B zu gelangen. Das haben wir zum Fokus unserer Arbeit gemacht.

Wie wird sich der Trend in Zukunft fortsetzen?
Der Mobilitätsmarkt unterliegt nach wie vor einem starken Wandel. Denken Sie nur an autonome Fahrzeuge oder On-Demand-Verkehre: Was vor ein paar Jah­ren noch Zukunftsmusik war, ist heute bereits im Testbetrieb auf der Straße. Noch bedeutsamer ist aber, dass zukünftig der Mensch und sein Mobilitätsbedürfnis im Mittelpunkt stehen wird. Als Folge dieser Entwicklung wird die Trennung zwischen privater und beruflicher Mobilität ebenso wie zwischen öffentlichem und Individualverkehr obsolet werden. Besonders sichtbar wird dies in der Unternehmensmobilität, bei der wir einen Nachfrageboom nach Corporate-Sharing-Lösungen erleben, weil diese den Mitarbeitern privat wie beruflich offenstehen. Umgekehrt wird es im privaten Umfeld immer wichtiger, Fixkosten zu vermeiden und für Mobilität nur dann zu zahlen, wenn diese genutzt wird.

Welche Vorteile ergeben sich für Ihre Partner?
Unser Ziel ist es, unseren Kunden mit einem Klick ein für sie passendes Mobilitätsangebot zu liefern. Es braucht ein dichtes Angebot – gerade auch in kleineren Städten und in ländlichen Regionen -, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Mit dem Flinkster-Netzwerk haben wir das flächengrößte Carsharing-Angebot in Deutschland aufgebaut. Von Beginn an haben wir auf die Anbindung einer Vielzahl von Partnern gesetzt, weil es für alle Beteiligten eine Win-win-Situation ist. Denn nach einmaliger Registrierung und unabhängig davon, bei welchem Partner sie sich angemeldet haben, können Kunden alle Fahrzeuge zu einem einheitlichen Preis nutzen. Auch im Bikesharing setzen wir mit Sponsoring vermehrt auf starke Partner – wie mit Lidl und Ford -, um das Angebot für die Kunden signifikant zu erweitern.

Weitere Informationen unter:
www.deutschebahnconnect.com
www.flinkster.de
www.callabike.de

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