Museum 2.0 – Kunst und Digitalisierung

Prof. Simon, Pausanio

Prof. Simon, Pausanio

Die TREND-REPORT-Redaktion im Gespräch mit Prof. Simon über die Digitalisierung in der Kunstwelt.

Was müssen Kultureinrichtungen anstreben, um im digitalen Zeitalter junge Zielgruppen zu erreichen?
In der Frage schwingt die verbreitete Annahme mit, dass das Digitale etwas sei, was insbesondere ein Phänomen unter jungen Menschen ist. Wenn wir uns aber umschauen, stellen wir fest, wie selbstverständlich digitale Kommunikation in fast allen Altersstufen bis ca. 50 Jahre geworden ist (Stichwort: Emails, Skype, Smartphones). Daher stellt sich vielmehr die Frage, wie man als Kultureinrichtung seine Besucher, die fast alle digital unterwegs sind, durch ein entsprechendes Angebot einbinden und dadurch an sich binden kann. Der Schlüssel liegt in einer ganzheitlichen Strategie, die vor allem auch Social Media umfassen muss. Social Media wird oft fälschlicherweise als Werbeplattform verstanden. Aber es sind Netzwerke und Kommunikationsräume, die nur derjenige erfolgreich nutzen kann, derdort Interaktion, Dialog und Partizipation bietet, wie bei einer Gartenparty. Kultureinrichtungen, die ja in besonderem Maße auf öffentliches Interesse angewiesen sind, sollten auch solche Kanäle aktiv und sinnvoll nutzen.

Kann Crowdfunding eigentlich zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage im Kultursektor beitragen?
Crowdfunding ist eine große Chance für Kultureinrichtungen. Wenn es ihnen z.B. gelingt, auch ihre Besucher als Stakeholder zu gewinnen, dann schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe, denn sie stellen Liquidität sicher, indem sie ihre Besucher enger an sich binden. Aber auch hier ist eine digitale Strategie und ein aktives Netzwerk enorm wichtig. Denn wenn die Kultureinrichtungen jetzt auch noch Geld von ihren Besuchern möchten, dann müssen sie sich eine echte Kundenbindung überlegen. Und diese funktioniertbesonders gut mit Kultur! Aber dazu ist in vielen Einrichtungen ein Umdenken notwendig. Denn dann haben nicht mehr Kataloge für die Wissenschaft oder andere Prestigevorhabenoberste Priorität, sondern die Interessen der Besucher und die Kommunikation mit ihnen, auch schon während der Planungsarbeiten. Das Beste ist natürlich, wenn beides zusammenkommt.

Gibt es schon Beispiele?
Der Film Stromberg ist eines der populären Beispiele für gelungenes Crowdfunding. Die Möglichkeiten sind da: Neben Startnext oder Wemakeit gibt es ab Mai nun auch Kickstarter in Deutschland. Es sind zwar vor allem Künstler, die sich diese Plattformen zunutze machen, aber auch Museen haben schon einige Crowdfunding-Projekte erfolgreich durchführen können. Die ganz großen waren natürlich in den USA, wo durchaus Millionenbeträge zur Gründung von Museen über Crowdfunding gewonnen werden konnten. Aber auch in Deutschland hat z.B. dasHistorische Museum Frankfurtauf diesem Wegeine Ausstellung zu den Frankfurter Wallanlagen verwirklichen können, und das Forum für kritische Rechtsextremismusforschung konnte mit Crowdfundingeine Ausstellung über den Verfassungsschutzkofinanzieren. Ein aktuelles Beispiel istauch die Website des No Show Museum in Zürich, das Ende Mai eröffnet wird. Die Idee hinter der Website ist, alle Werke des Museums samt Hintergrundinformationen der Öffentlichkeitzu zeigen, wofür über 16.000 CHF akquiriert werden konnten.

Weitere Informationen unter:
www.pausanio.com

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