Falsches Signal für den Standort Deutschland
Zwischen 2025 und 2029 planen Hersteller und Zulieferer der deutschen Automobilindustrie weltweit rund 320 Mrd. € für Forschung & Entwicklung und zusätzlich etwa 220 Mrd. € für Sachinvestitionen – zusammen also über eine halbe Billion Euro. Erstaunlich: Der Hauptteil dieser Investitionen wird nicht in Deutschland getätigt – ein klares Warnsignal für den Industriestandort.
Die Zahlen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) sind beeindruckend: In den kommenden fünf Jahren sollen 320 Mrd. € in Forschung & Entwicklung (F&E) und 220 Mrd. € in Sachinvestitionen – etwa Neubauten und Umbauten von Werken – fließen. Doch der Teufel steckt im Detail: Mehr als die Hälfte dieser Mittel wird bereits heute oder künftig nicht in Deutschland – sondern im Ausland investiert.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Im Jahr 2023 lag der Anteil der Investitionen deutscher Autohersteller an Auslandsstandorten bei etwa 62 %, während das Inland mit etwa 38 % abgespeist wurde. Für die Zulieferindustrie zeichnet sich ein ähnliches Bild: Viele verschieben Investitionsentscheidungen, stellen Standorte in Deutschland infrage und verlagern ins Ausland.
Warum ist das für Deutschland das falsche Signal?
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Standortattraktivität bröckelt: Der Standort Deutschland verliert an Anziehungskraft für neue Investitionen. Wenn die globalen Kapitale zu großen Teilen ins Ausland gehen, schwächt das langfristig Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Innovationskraft.
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Verzahnung mit Zulieferern rückläufig: Deutsche Hersteller und Zulieferer sind global stark aufgestellt – mit Tausenden Auslandstandorten. Wenn Investitionen eher im Ausland stattfinden, verkleinert sich die heimische Wertschöpfungskette.
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Politische und regulatorische Probleme: Hohe Energie- und Produktionskosten, bürokratische Hürden und steuerliche Belastungen werden als Gründe genannt, warum Investitionen ins Ausland attraktiver erscheinen.
Welche Hersteller und Standorte sind bereits aktiv im Ausland?
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BMW plant ein neues Werk in Debrecen (Ungarn) mit rund 2 Mrd. € Investition.
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Volkswagen investiert massiv in Nordamerika und China, um dort den Ausbau der Elektromobilität voranzutreiben.
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Mercedes-Benz stärkt seine Präsenz in Ungarn, Polen und den USA, während Zulieferer wie Bosch oder ZF neue Werke in Osteuropa und Asien eröffnen.
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Zulieferer verlagern zunehmend Produktion und Entwicklung, um global näher an Märkten und Herstellern zu sein.
Was erhält die Industrie vom Staat?
Die Automobilindustrie gehört zu den am stärksten geförderten Branchen in Deutschland. Milliardenhilfen fließen in Elektromobilität, Batterieforschung, Wasserstoff und Digitalisierung. Dennoch scheint die finanzielle Unterstützung nicht auszureichen, wenn sie nicht mit besseren Standortbedingungen einhergeht. Die Bundesregierung arbeitet zwar an Steuererleichterungen, Transformationshilfen und neuen Energiepreismodellen – doch bislang ist der Effekt auf die Investitionsbereitschaft gering.
Fazit:
Die enorme Investitionssumme von über einer halben Billion Euro zeigt die wirtschaftliche Stärke der deutschen Automobilindustrie. Doch der Großteil der Gelder wird nicht im Inland eingesetzt – was dem Industriestandort Deutschland ein falsches Signal sendet. Entscheidend wird sein, ob Politik und Wirtschaft gemeinsam die Rahmenbedingungen verbessern – damit Investitionen wieder stärker in Deutschland stattfinden, Wertschöpfung gesichert und Arbeitsplätze erhalten werden.
Quellenlinks:












