EU-Parlament will Kreative besser vor KI-Training schützen
Die rasante Entwicklung generativer Künstlicher Intelligenz stellt das Urheberrecht in Europa vor neue Herausforderungen. Systeme für Text-, Bild- oder Musikgenerierung werden mit enormen Datenmengen aus dem Internet trainiert – darunter häufig Inhalte von Journalisten, Fotografen, Künstlern oder Autoren.
Das Europäische Parlament hat deshalb im März 2026 Empfehlungen verabschiedet, die den Schutz kreativer Werke im Zeitalter der KI deutlich stärken sollen. Ziel ist es, Transparenz über Trainingsdaten zu schaffen und sicherzustellen, dass Urheber fair vergütet werden.
EU will mehr Transparenz beim KI-Training
Ein zentrales Anliegen des Parlaments ist die Transparenz darüber, welche Inhalte für das Training von KI-Systemen genutzt werden.
KI-Unternehmen sollen künftig detailliert offenlegen müssen, welche urheberrechtlich geschützten Werke in Trainingsdatensätzen verwendet wurden. Dazu gehört nach den Empfehlungen auch eine vollständige Liste der verwendeten Inhalte sowie eine Dokumentation darüber, welche Webseiten von KI-Systemen automatisiert ausgelesen wurden.
Diese Transparenz soll es Rechteinhabern ermöglichen zu überprüfen, ob ihre Werke für KI-Training verwendet wurden.
Europäisches Register für KI-Trainingsdaten
Ein besonders weitreichender Vorschlag ist die Einrichtung eines europäischen Registers für Trainingsdaten beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO).
Dieses Register soll künftig erfassen:
- welche urheberrechtlich geschützten Werke für KI-Training genutzt wurden
- welche Künstler der Nutzung widersprochen haben
- mögliche Lizenzvereinbarungen zwischen Rechteinhabern und KI-Unternehmen
Damit würde erstmals eine zentrale Infrastruktur entstehen, die nachvollziehbar macht, welche Daten in KI-Modelle eingeflossen sind.
Verstöße könnten als Urheberrechtsverletzung gelten
Nach Auffassung des Europäischen Parlaments dürfen KI-Systeme nicht außerhalb bestehender Rechtsregeln operieren. Wenn KI-Unternehmen ihre Trainingsdaten nicht transparent machen oder Widersprüche von Rechteinhabern ignorieren, könnten solche Fälle künftig als Urheberrechtsverletzung bewertet werden.
Damit würde der Druck auf KI-Entwickler steigen, ihre Datensätze genauer zu dokumentieren und stärker auf lizenzierte Inhalte zurückzugreifen.
Fairere Vergütung für die Kreativwirtschaft
Neben Transparenz fordert das Parlament auch eine faire Vergütung für die Nutzung kreativer Werke im KI-Training.
Die Abgeordneten betonen, dass die europäische Kreativwirtschaft – von Musik über Film bis Journalismus – rund 6,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU erwirtschaftet. Der Schutz dieser Branche sei deshalb auch wirtschaftspolitisch relevant.
In Zukunft könnten daher neue Lizenzmodelle entstehen, über die Künstler und Medienunternehmen Einnahmen aus KI-Trainingsdaten erhalten.
EU-Urheberrecht soll für alle KI-Systeme gelten
Ein weiterer wichtiger Punkt der Resolution betrifft den Geltungsbereich des europäischen Urheberrechts.
Nach Ansicht des Parlaments sollen die Regeln für alle generativen KI-Systeme gelten, die in der EU angeboten werden – unabhängig davon, wo sie trainiert wurden.
Damit könnte die europäische Regulierung globale Auswirkungen haben, da auch internationale KI-Anbieter ihre Systeme an EU-Regeln anpassen müssten, wenn sie Produkte auf dem europäischen Markt anbieten.
Ausblick
Die Resolution des Europäischen Parlaments ist zwar noch kein Gesetz, sendet jedoch ein starkes politisches Signal.
Die EU arbeitet bereits mit dem AI Act an einem umfassenden Regelwerk für Künstliche Intelligenz. Die neuen Empfehlungen zeigen, dass der Schutz kreativer Inhalte ein zentraler Bestandteil dieser Regulierung werden könnte.
Sollten die Vorschläge umgesetzt werden, könnte Europa erstmals ein System schaffen, das Innovation im KI-Bereich mit einem klaren Schutz von Urheberrechten verbindet.
Quellen
EU-Parlament – Protecting copyrighted creative work in the age of AI
https://www.europarl.europa.eu/news/en/agenda/plenary-news/2026-03-09/9/protecting-copyrighted-creative-work-in-the-age-of-ai
EU-Parlament – Report on copyright and generative artificial intelligence
https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-10-2026-0019_EN.html
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