Digitale Spaltung bleibt Realität
Laut Bitkom nutzen inzwischen fast alle Menschen unter 65 Jahren das Internet. Doch bei den 65- bis 74-Jährigen liegt die Nutzungsquote nur noch bei 88 Prozent, bei den über 75-Jährigen sogar bei lediglich 54 Prozent. Diese Lücke zieht sich auch durch andere Lebensbereiche: Während jüngere Menschen selbstverständlich Smartphones verwenden, greifen ältere Nutzer:innen häufiger auf klassische Handys oder stationäre Computer zurück.
Trotz dieser Unterschiede bewerten 88 Prozent der Befragten die Digitalisierung als Chance, und 79 Prozent geben an, dass digitale Anwendungen ihren Alltag erleichtern. Dennoch empfinden 67 Prozent eine digitale Spaltung in der Gesellschaft – eine Wahrnehmung, die besonders bei älteren und weniger technikaffinen Gruppen stark ausgeprägt ist.
Ungleichheit in der digitalen Welt
Die Studie zeigt deutlich, dass digitale Teilhabe nicht nur vom Alter abhängt. Auch Einkommen, Bildungsstand und körperliche Beeinträchtigungen beeinflussen den Zugang zu Technologien, das Vertrauen in digitale Dienste und das Sicherheitsgefühl im Umgang mit ihnen. Menschen mit geringeren Ressourcen oder gesundheitlichen Einschränkungen haben häufiger Schwierigkeiten, digitale Angebote zu nutzen.
Damit wird digitale Gerechtigkeit zunehmend zu einer sozialen Frage – vergleichbar mit früheren Herausforderungen wie Bildung oder Mobilität. Bitkom fordert daher, digitale Kompetenzen in allen Alters- und Gesellschaftsgruppen zu fördern.
Neue Technologien: Offenheit trifft auf Zurückhaltung
Die Bereitschaft, neue digitale Technologien auszuprobieren, ist stark altersabhängig. Unter den 16- bis 29-Jährigen geben 54 Prozent an, neue Anwendungen sofort testen zu wollen. Bei den über 75-Jährigen sind es nur 25 Prozent. Gründe für Zurückhaltung sind vor allem Datenschutzbedenken, Komplexität und fehlendes technisches Wissen.
Die Vermittlung digitaler Kompetenzen erfolgt meist im sozialen Umfeld (75 Prozent), durch eigenständiges Ausprobieren (67 Prozent) oder über Lernvideos (53 Prozent). Dabei kann künstliche Intelligenz (KI) laut Bitkom künftig helfen, den Zugang zur digitalen Welt zu erleichtern – etwa durch Sprachsteuerung, intelligente Assistenzsysteme oder barrierefreie Benutzeroberflächen. Gleichzeitig äußern viele Befragte Sorgen über Kontrollverlust und mögliche Diskriminierung durch KI-Systeme.
Medienkompetenz und demokratische Teilhabe
Besorgniserregend sind die Ergebnisse zur Medienkompetenz: Nur 26 Prozent der Befragten trauen sich zu, Falschinformationen im Internet sicher zu erkennen – bei den über 75-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei nur 7 Prozent. Mehr als die Hälfte hat schon einmal Werbung für redaktionelle Inhalte gehalten oder ist auf Deepfakes hereingefallen.
Zugleich sehen viele Bürger:innen die Digitalisierung als Chance für Demokratie und politische Information. Digitale Plattformen erleichtern den Zugang zu Wissen, Meinungsbildung und Beteiligung. Doch die Studie zeigt auch die Kehrseite: Fake News, Verschwörungstheorien und Extremismus werden als ernsthafte Bedrohungen für die digitale Öffentlichkeit wahrgenommen.
Fazit: Digitale Teilhabe als Zukunftsaufgabe
Deutschland steht 2025 an einem Wendepunkt: Digitale Technologien sind allgegenwärtig, aber die Chancengleichheit im Zugang bleibt eine Herausforderung. Besonders ältere Menschen und sozial benachteiligte Gruppen benötigen gezielte Unterstützung, um digitale Angebote sicher und selbstbewusst nutzen zu können.
Die Studie zeigt: Die Menschen wollen Teil der digitalen Welt sein – 72 Prozent wünschen sich mehr digitale Angebote –, doch es braucht Bildung, Vertrauen und technische Zugänglichkeit, um dieses Potenzial gesellschaftlich zu entfalten. Digitale Teilhabe ist damit weit mehr als Technik: Sie ist eine Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit und demokratische Stabilität.
Quelle und Download:
Bitkom e. V. (2025): Digitale Teilhabe 2025 – Eine Studie zur digitalen Lebensrealität der Bevölkerung ab 16 Jahren
https://www.bitkom.org/Studienberichte/2025/Digitale-Teilhabe













