Chinesische Wärmepumpenhersteller drängen nach Deutschland
Der deutsche Wärmepumpenmarkt steht vor einer neuen Phase des Wettbewerbs. Nachdem sich in den vergangenen Jahren vor allem europäische und japanische Hersteller etabliert haben, rücken nun verstärkt Unternehmen aus China in den Fokus. Ein aktuelles Beispiel ist die Kooperation zwischen dem Kölner Wärmepumpenspezialisten Vamo und dem chinesischen Hersteller Fox ESS. Das Unternehmen will seine Wärmepumpen künftig gezielt über den deutschen Fachmarkt vertreiben, während Vamo Beratung, Installation, Monitoring und Service übernimmt. Damit soll der Einstieg in den deutschen Markt erleichtert und zugleich eine preislich attraktive Alternative für Hausbesitzer geschaffen werden.
Die Zusammenarbeit steht beispielhaft für eine Entwicklung, die weit über ein einzelnes Unternehmen hinausgeht. China hat sich in den vergangenen Jahren bereits bei Photovoltaikmodulen, Batteriespeichern und Elektroautos zu einem der wichtigsten Anbieter weltweit entwickelt. Nun rückt mit der Wärmepumpe eine weitere Schlüsseltechnologie der Energiewende in den Mittelpunkt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob chinesische Hersteller nach Deutschland kommen, sondern welchen Einfluss sie auf Preise, Wettbewerb und die europäische Heizungsindustrie haben werden.
Ein Milliardenmarkt gerät in Bewegung
Nach einer Phase großer Unsicherheit hat der deutsche Wärmepumpenmarkt 2025 deutlich an Dynamik gewonnen. Mit rund 299.000 verkauften Heizungswärmepumpen stieg der Absatz gegenüber dem Vorjahr um 55 Prozent. Erstmals entfiel damit nahezu jede zweite neu verkaufte Heizungsanlage in Deutschland auf eine Wärmepumpe. Auch europaweit zog die Nachfrage wieder an und erreichte rund 2,9 Millionen verkaufte Anlagen.
Dieser wachsende Markt bleibt international nicht unbemerkt. Deutschland gilt trotz schwankender Förderbedingungen als einer der wichtigsten Absatzmärkte Europas. Entsprechend positionieren sich immer mehr asiatische Hersteller, um an diesem Wachstum teilzuhaben. Neben Fox ESS beobachten Branchenkenner bereits Unternehmen wie Midea, Haier, Gree oder Hisense, die ihre Erfahrung aus der Klima-, Batterie- und Energietechnik zunehmend auf den Wärmepumpenmarkt übertragen.
Noch dominieren allerdings europäische Hersteller das Marktgeschehen. Nach Angaben der European Heat Pump Association werden 80 bis 90 Prozent der in Europa verkauften Luft-Wasser-Wärmepumpen auch in Europa gefertigt beziehungsweise montiert. Der Anteil chinesischer Produktion liegt derzeit lediglich bei fünf bis zehn Prozent. Das zeigt: Von einer Marktübernahme kann bislang keine Rede sein. Dennoch erinnern viele Entwicklungen an den Beginn der Solarindustrie vor rund 15 Jahren. Auch dort starteten chinesische Hersteller zunächst mit kleinen Marktanteilen, bevor sie sich durch hohe Produktionskapazitäten, sinkende Preise und eine schnelle technologische Entwicklung weltweit an die Spitze setzten.
Warum chinesische Hersteller den Wettbewerb verändern könnten
Wer bei chinesischen Wärmepumpen ausschließlich an niedrige Preise denkt, greift zu kurz. Tatsächlich profitieren viele Unternehmen von einer Entwicklung, die bereits vor Jahren begonnen hat. China hat seine Industrie für erneuerbare Energien konsequent ausgebaut und vereint heute große Teile der Wertschöpfungskette im eigenen Land. Hersteller produzieren nicht nur Wärmepumpen, sondern häufig auch Klimaanlagen, Batteriespeicher, Wechselrichter und Leistungselektronik. Dieses breite Technologieportfolio ermöglicht hohe Stückzahlen, eingespielte Lieferketten und vergleichsweise niedrige Produktionskosten.
Hinzu kommt, dass viele chinesische Unternehmen inzwischen erheblich in Forschung und Entwicklung investieren. Moderne Wärmepumpen bestehen längst nicht mehr nur aus Verdichter und Wärmetauscher. Software übernimmt zunehmend die intelligente Steuerung des Heizbetriebs, optimiert den Stromverbrauch und kann die Anlage mit Photovoltaik, Batteriespeichern oder dynamischen Stromtarifen vernetzen. Gerade in diesen Bereichen verfügen zahlreiche chinesische Hersteller bereits über umfangreiche Erfahrungen aus anderen Geschäftsfeldern.
Doch der deutsche Markt stellt andere Anforderungen als viele internationale Absatzmärkte. Hausbesitzer erwarten eine Heizungsanlage, die über viele Jahre zuverlässig arbeitet. Ebenso wichtig sind ein flächendeckendes Servicenetz, schnelle Ersatzteillieferungen und qualifizierte Fachbetriebe für Installation und Wartung. Genau hier entscheidet sich häufig der Markterfolg.
Aus diesem Grund setzen chinesische Hersteller zunehmend auf Kooperationen mit etablierten deutschen Unternehmen. Die Zusammenarbeit zwischen Vamo und Fox ESS folgt genau diesem Ansatz. Während Fox ESS die Wärmepumpentechnik liefert, übernimmt Vamo die komplette Kundenbetreuung von der Beratung über die Installation bis zum laufenden Service. Nach Angaben des Unternehmens spielte dabei nicht allein der Gerätepreis eine Rolle. Ausschlaggebend waren vielmehr die Praxistauglichkeit der Anlage, eine möglichst einfache Installation sowie die gemeinsame Weiterentwicklung für die Anforderungen des deutschen Marktes.
Ob dieses Modell langfristig aufgeht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch bereits heute: Der Wettbewerb im deutschen Wärmepumpenmarkt wird intensiver. Für Verbraucher könnte das eine größere Produktauswahl und sinkende Preise bedeuten. Gleichzeitig geraten europäische Hersteller unter Druck, ihre Produkte weiterzuentwickeln, Produktionskosten zu senken und den Service konsequent auszubauen. Damit dürfte der Wettbewerb künftig nicht allein über den Anschaffungspreis entschieden werden, sondern über das Gesamtpaket aus Technik, digitaler Vernetzung, Service und langfristiger Zuverlässigkeit.











