Breitbandausbau: Deutschland, (k)ein Digitalisierungsmärchen

von Gordon Herenz

Digital-Index, 5G, Industrie 4.0 – 84 % der Deutschen sind online, doch wie sieht es in Deutschland generell mit dem Vorankommen der Digitalisierung aus?

Breitbandausbau: Deutschland, (k)ein Digitalisierungsmärchen

Am 22. Januar fand der Fachkongress Digitale Gesellschaft 2019 statt, in dessen Rahmen auch die D21-Digital-Studie vorgestellt wurde, die den digitalen Zustand der Bundesrepublik evaluiert. Deutschland wird zwar immer digitaler, jedoch zeichnet sich eindeutig ein Stadt-Land-Gefälle ab. Außerdem wird der kommende 5G-Standard ein Standortentscheider für viele Industrie-4.0-Unternehmen – der mangelhafte Breitbandausbau könnte zu einem enormen Nachteil für Deutschland werden.
Laut D21-Digital-Index sind 84 Prozent der Deutschen online. Das ist ein Wachstum von 3 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018. Gründe dafür sind zum einen die stärkere Nutzung des Internets von älteren Menschen – 79 Prozent der 60- bis 69-Jährigen sind online und 45 Prozent der über 70-Jährigen – und zum anderen der Vormarsch des mobilen Internets, das von 68 Prozent der Deutschen genutzt wird – 4 Prozent mehr als noch 2017. Dass das mobile Internet die Zukunft bestimmen wird und bereits bestimmt, zeigt auch die Indexierungsumstellung bei Google. Seit 2018 wird nicht mehr die Desktop-Version einer Website zuerst von Google bewertet, sondern die mobile Version, weswegen es für Betreiber unendlich wichtig ist, die mobile Version ihrer Website nutzerfreundlich, responsive und suchmaschinenoptimiert aufzubereiten.

Gefälle zwischen Stadt und Land hinsichtlich der Digital-Teilhabe

Deutschland legt mit 55 Punkten beim Digital-Index um 2 Punkte zu, jedoch gibt es deutliche Unterschiede im lokalen Bereich zwischen urbanem und ländlichem Raum. Während in städtischen Regionen ein Index von 58 Punkten erreicht wird, liegt er auf dem Land bei 53 Punkten. Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass Stadtbewohner länger, vielfältiger und häufiger digital unterwegs sind. Ebenfalls sind sie kompetenter und offener im Umgang mit der Digitalsphäre. Das liegt zum einen an der jüngeren Bevölkerungsstruktur in der Stadt sowie an höheren Bildungsabschlüssen, zum anderen aber auch an einer höheren Anzahl an Beschäftigten – besonders in der Internetwirtschaft.

Breitbandausbau in Deutschland hinkt im europäischen Vergleich hinterher

„Buffer‘ ich in Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Stream gebracht“ – eine überspitzte Adaption eines Heine-Zitats, jedoch ist sie treffend in Bezug auf den Breitbandausbau in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern. Kontext: Auf dem eingangs angesprochenen Kongress erläuterte Studienpartner Ericsson dem Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier die Vorteile der aktuellsten 5G- und LTE-Technologien für den Einsatz in der Industrie 4.0 – einer industriellen Umgebung, deren Prozesse vordergründig digital und automatisiert ablaufen. Diese Prozesse gehören zum Teil im internationalen Bereich schon zum Standard vieler Industrien, während dieses Thema in Deutschland erst noch auf einer Digital-Konferenz dem Wirtschaftsminister vorgestellt wird.
Deutschland befindet sich im europäischen Vergleich des Breitbandausbaus lediglich im Mittelfeld. Eine flächendeckende Versorgung aller deutschen Haushalte mit 50 Mbit/s wurde bis Ende 2018 versprochen. Der jetzige Stand sieht so aus, dass eventuell bis 2020 alle Haushalte mit 30 Mbit/s beliefert werden können. Die fehlerhafte Ausbaustrategie führt über kurz oder lang zu echten Wettbewerbsproblemen, da der Standort Deutschland damit an Attraktivität verliert. Besonders, wenn 5G für viele industrielle Prozesse zu einer Grundvoraussetzung wird, wird es die Bundesrepublik schwer haben, gegen die besser aufgestellte Konkurrenz aus dem europäischen Ausland zu bestehen.

Inwieweit der deutsche Mittelstand bereit für die Industrie 4.0 ist, zeigt diese Infografik.

Textlizenz: CC BY-ND 3.0 DE

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