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Smart Services

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November 4, 2017 veröffentlicht von

Smart Services

 

Smart Services bezeichnen eine Kombination physischer und digitaler Mehrwertdienstleistungen, die auf Smart Products aufsetzen.[1] Wesentlich geprägt, jedoch nicht abschließend definiert, wurde der Begriff durch den Arbeitskreis Smart Service Welt.[2]

Smart Services sind unternehmensübergreifende und branchenkonvergente Dienstleistungsmodelle, die sich durch ihre Nutzerzentriertheit auszeichnen.

Grundlage von Smart Services stellen große Mengen aggregierter Daten dar, die durch intelligente Produkte (Smart Products) bereitgestellt werden[3]. Sofern die allgemeinen Bandbreiten- und Latenzzeiten-Voraussetzungen erfüllt sind, sind datenbasierte Dienstleistungen extrem agil und können in Echtzeit erbracht werden.

Die zur Erbringung der Smart Services verwendeten technischen Infrastrukturen sind in der Regel sogenannte Cyber-Physische Systeme (CPS)[4]. Gehandelt werden Smart Services auf Serviceplattformen, wie Online-Marktplätzen und App-Stores, auf denen sich Anbieter zu digitalen Ökosystemen vernetzen.[5]

Bezeichnung

Die wissenschaftliche Basis für Smart Services stellt das Zukunftsprojekt „Smart Service Welt – Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Internetbasierte Dienstleistungen für die Wirtschaft“ dar. Die Zielsetzung des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten Projekts schließt sich der Vision des Zukunftsprojekts Industrie 4.0 an.

Smart Services bilden die oberste Ebene digitaler Infrastrukturen, die durch ein Schichtenmodell beschrieben werden können. Ausgangspunkt hierfür ist eine technische Infrastruktur in Form von Smart Spaces als digitale Umgebung, in der sich die sogenannten Smart Products vernetzen können.

Smart Products

Bei Smart Products handelt es sich um intelligente und über das Internet vernetzte Geräte, die mit Sensorik ausgestattet sind und durch Software gesteuert werden. Beispiele hierfür sind sowohl Produktionsmaschinen, als auch Endverbraucherprodukte mit gleichen Eigenschaften, wie etwa Smartphones, Smart Watches, Fernseher, Küchengeräte oder Autos.
Eine zentrale Eigenschaft dieser Produkte ist die Fähigkeit, Daten zu generieren, zu sammeln und zu einer vernetzten physischen Plattform zu übertragen.

Smart Data

Die im Verlauf der Sammel- und Austauschprozesse entstehenden Daten werden als Big Data bezeichnet. Durch software-definierte Analyse, Interpretation und Verknüpfung werden diese Daten zu „Smart Data“ aufbereitet.

Aus diesen veredelten Daten können Smart-Service-Anbieter spezielle Informationen ableiten. Smart Data bildet so die Grundlage für die Entwicklung von Smart Services, die durch neue, innovative Geschäftsmodelle auf der Serviceplattform monetisiert werden können. Die Serviceplattform ist als betriebswirtschaftliche Integrationsschicht zu verstehen, auf der sich Anbieter in digitalen Ökosystemen vernetzen, Kollaborationen und Handel stattfinden und Wertschöpfung organisiert wird.[5][2]

Design architecture of cyber-physical systems-enabled manufacturing system, Behrad3d – IMSCenter.net, CC BY 3.0

Bedeutung

Die heutige Wirtschaft wird immer stärker durch die Digitalisierung sämtlicher Produkte und Prozesse geprägt. Die Verbreitung neuer anschlussfähiger und mit dem Internet verbundener Produkte resultiert in der Entstehung großer Datenmengen. Auf Grundlage dieser Daten werden branchenübergreifend zunehmend internetbasierte Dienstleistungen entwickelt und eingeführt,[6] wodurch die Verbreitung digitaler Wertschöpfungsaktivitäten an Dynamik gewinnt.[7]

Die Digitalisierung mit den Phänomenen Industrie 4.0 und Smart Services wird daher für deutsche Leitbranchen sowohl als Chance als auch als Bedrohung gesehen. Potentiale bestehen insbesondere in der Kostenersparnis durch Technologieeinsatz, der Informationsgewinnung durch umfangreiche Datenanalysen sowie einer deutlichen Aufwandsreduktion als Folge standardisierter Serviceprozesse.

Gleichzeitig wirken sich digitale Plattformen branchenübergreifend disruptiv auf etablierte Geschäftsmodelle aus.[8]

Ein gut beobachtbares Beispiel bietet die Musikindustrie: Etablierte Unternehmen sahen sich gezwungen, ihre Geschäftsmodelle anzupassen, oder sind sogar gänzlich vom Markt verschwunden. Nach dem Aufkommen der mp3, Ende der 1990er Jahre, erlebte die Musikbranche bereits den zweiten tiefgreifenden Umbruch innerhalb von 15 Jahren.

Digitale Ökosystemen

Digitale Plattformen wie spotify, die jedes beliebige Musikstück kostenfrei überall zugänglich machen, haben die CD als klassischen Tonträger weitestgehend abgelöst. In Deutschland stehen 6 Milliarden Streams von Plattformen im Jahr 2013 gegenüber 1,8 Millionen verkaufter Single-CDs.[9][5]

Weitere Beispiele, bei denen neue digitale Plattformen die bestehenden Wertschöpfungsstrukturen und Geschäftsmodelle revolutioniert haben, sind die Film- und Fernsehindustrie wie z. B. Netflix oder dem Einzelhandel mit Amazon oder Zalando.[10]

 

 

Zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit werden der Aufbau und die Gestaltung von Smart Services somit für Unternehmen relevanter.[8] Unternehmen können auf verschiedene Weise an „Digitalen Ökosystemen“ partizipieren. Kompetenzabhängig lassen sich die Rollen dabei in Data-Collector, Data-Broker, Value-Generator und Value-Integrator gliedern.[2]

Siehe auch
Literatur
  • Christian Fabry: Smart Services – Potenziale und Herausforderungen internetbasierter Dienste für die Wirtschaft. Doktorvortrag, FIR e. V. an der RWTH Aachen, 22. August 2014 (verfügbar in FIR-Bibliothek).
  • Marco Husmann, Christian Fabry, Gerhard Gudergan: Smart Services – Neue Chance für Services ‚Made in Europe‘. Fakten und Trends im Service. KVD-Service-Studie 2014. Hrsg.: Günther Schuh; Gerhard Gudergan; Marcus Schröder; Volker Stich. FIR an der RWTH Aachen 2014.
  • Henning Kagermann, Frank Riemensperger (Hrsg.): Smart Service Welt. Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt ‚Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft‘. Berlin, März 2014. http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/de/Projekte/Laufende_Projekte/Smart_Service_Welt/Smart_Service_Welt_2015/BerichtSmartService2015_D_lang_bf.pdf (letzter Zugriff: 15. April 2016)
  • Ralf Kreutzer, Karl-Heinz Land: Digitaler Darwinismus. Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke. Springer Gabler, Wiesbaden 2013.
  • Günther Schuh, Christian Fabry: Digitalisierung von Dienstleistungen – Potenziale und Herausforderungen. In: Dienstleistung in der digitalen Gesellschaft. Beiträge zur Dienstleistungstagung des BMBF im Wissenschaftsjahr 2014. Hrsg.: A. Boes. Campus, Frankfurt/Main 2014, S. 50–59.
  • Günther Schuh: Smart Services Neue Geschäftsmodelle für den Mittelstand. Vortrag beim 18. Aachener Dienstleistungsforum im Cluster Logistik auf dem RWTH Aachen Campus, 25. – 26. März 2015 (verfügbar in FIR-Bibliothek).
  • Volker Stich: „Digitalisierung des Services. Massive Veränderungen im beruflichen Umfeld.“ [Leitartikel von Volker Stich, Geschäftsführer des FIR e. V. an der RWTH Aachen, zum Thema ‚Service goes digital – Prozesse ändern sich‘] Service Today 29(2014)1, S. 9f.
Dokumente

Einzelnachweise

 

  • Christian Fabry: Smart Services – Potenziale und Herausforderungen internetbasierter Dienste für die Wirtschaft. Doktorvortrag, FIR e. V. an der RWTH Aachen, 22. August 2014 (verfügbar in FIR-Bibliothek).
  • Günther Schuh: Smart Services Neue Geschäftsmodelle für den Mittelstand. Vortrag beim 18. Aachener Dienstleistungsforum im Cluster Logistik auf dem RWTH Aachen Campus, 25. – 26. März 2015 (verfügbar in FIR-Bibliothek)
  • Glen Allmendinger, Ralph Lombreglia: Four strategies for the age of smart services. In: Harvard Business Review. Band 83, Nr. 10, 1. Oktober 2005, ISSN 0017-8012, S. 131–134, 136, 138 passim, PMID 16250631.
  • Smart Service — Enzyklopaedie der Wirtschaftsinformatik. In: www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de. Abgerufen am 12. Januar 2017.
  • Henning Kagermann, Frank Riemensperger (Hrsg.): Smart Service Welt. Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt ‚Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft‘. Berlin, März 2015. Acatech Abschlussbericht (PDF; 6,78 MB), letzter Zugriff: 15. April 2016
  • Günther Schuh, Christian Fabry: Digitalisierung von Dienstleistungen – Potenziale und Herausforderungen. In: Dienstleistung in der digitalen Gesellschaft. Beiträge zur Dienstleistungstagung des BMBF im Wissenschaftsjahr 2014. Hrsg.: A. Boes. Campus, Frankfurt/Main 2014, S. 50–59
  • Volker Stich: „Digitalisierung des Services. Massive Veränderungen im beruflichen Umfeld.“ [Leitartikel von Volker Stich, Geschäftsführer des FIR e. V. an der RWTH Aachen, zum Thema ‚Service goes digital – Prozesse ändern sich‘] Service Today 29(2014)1, S. 9f
  • Marco Husmann, Christian Fabry, Gerhard Gudergan: Smart Services – Neue Chance für Services ′Made in Europe′ . Fakten und Trends im Service. KVD-Service-Studie 2014. Hrsg.: Günther Schuh; Gerhard Gudergan; Marcus Schröder; Volker Stich. FIR an der RWTH Aachen 2014
  • Bundesverband der Musikindustrie: Jahrbuch Absatz 2013
  • Ralf Kreutzer, Karl-Heinz Land: Digitaler Darwinismus. Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke. Springer Gabler, Wiesbaden 2013

Quelle:
Wikipedia / Smart Services / CC-BY-SA (Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported)

 

Lizenz für Textinhalte

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