Smart Energy

Die Zukunft der Energie ist dezentral: Eigenstrom und kluge Steuerung – immer spielt auch die Effizienz eine Rolle.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist nirgendwo in der Energiewirtschaft so groß, wie beim Thema Effizienz. Und das betrifft alle Konsumentengruppen, auch die Haushalte: Im vergangenen Jahr verbrauchte jeder Bundesbürger im Haushalt im Mittel 1.688 kWh (Kilowattstunden) Strom, 20 Jahre zuvor kam er noch mit 130 kWh weniger aus. Betrachtet man den gesamten Stromverbrauch in Deutsch­land, so laufen heute alleine sieben Atomkraftwerke, um den Verbrauchsanstieg der letzten 20 Jahre aufzufangen. Lange gab es in Deutschland nicht einmal einen Verband, der sich um die Energieeffizienz bemühte. Erst mit der Gründung der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) im Jahr 2010 wurde das anders; der Industrieverband tritt seither in enger Kooperation mit bestehenden Fachverbänden und der Zivilgesellschaft für eine bessere Nutzung der Energie ein. Mitglieder sind Firmen, die zum Beispiel Gebäudetech­nik oder Dämmstoffe produzieren oder einschlägige Inge­nieurdienst­leis­tungen anbieten.

Denn Energieeffizienz bringt große wirtschaftliche Vorteile; die De­neff hat ausgerechnet, dass in der Effizienzbranche in Deutschland bis 2020 mindestens 250.000 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden könnten. Carsten Müller, Vorstandsvorsitzender der Deneff, sagt daher: „Eine Politik, die die Effizienz vergisst, führt fahrlässig in eine immer weiter wachsende Abhängigkeit von teuren und wirtschafts- und klimaschädlichen Ener­gie­importen.“ Auch die EU beschäftigt sich mit dem Thema: Die Energieeffizienz-Richtlinie mit dem Kürzel 2012/27/EU verlangt von den Ländern, dass sie nationale Energieeffizienzziele für 2020 festlegen. Zudem fordert sie von den Staaten jährliche Energieeinsparungen in Höhe von 1,5 Prozent. Das hört sich zwar im Moment noch ambitionierter an, als es tatsächlich ist, weil die Staaten sich punktuelle Einsparungen auch dann noch zugutehalten können, wenn diese an anderer Stelle wieder durch Mehrverbräuche zunichte gemacht werden. Aber es ist immerhin ein Anfang. Vor allem im Gebäudesektor setzt sich die Erkenntnis durch, dass sich viel Energie sparen lässt. Bei Altbauten hat der deutsche Gesetzgeber zwar oft kaum eine Handhabe, bei Neubauten hingegen ist sein Gestaltungsspielraum groß. Entsprechend nutzt er diesen: Mit der Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV), die Anfang Mai in Kraft trat, wurden die Effizienzstandards weiter verschärft. Damit ist der Weg zum Passivhaus vorgezeichnet: Ab dem Jahr 2021 müssen alle Neubauten im „Niedrigstenergiegebäudestandard“ errichtet werden. Für Gebäude von Behörden gilt das bereits ab 2019.


 

Energie gratis?

Eike Wenzel gilt als renommierter Zukunftsforscher. In einem aufschlussreichen Gastbeitrag für „Wiwo Green“ blickt er über das Jahr 2030 hinaus.

Der Energiemarkt wird zwischen 2030 und 2040 ähnlich funktionieren wie der Telekommunikationsmarkt. Auf diesem produzieren die Menschen zwei Drittel ihrer Inhalte selbst. Analog dazu werden wir in diesem Zeitraum einen Großteil unseres Verbrauchs selbst produzieren. Warum? Der Megatrend Digitalisierung: Es entsteht ein „Internet der Energie“. Wir „tauschen“ den Strom über Kilometer hinweg. Rifkin nennt das „Zero Marginal Cost Society“ – die Null-Margen-Ökonomie. Sie ist in vielen Bereichen längst Realität: Medien, Sharing-Systeme, Apps…


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