DEKRA Arbeit Suzana Bernhard

Mit Weitblick agieren

Gastbeitrag von Suzana Bernhard, Geschäftsführerin Dekra Arbeit GmbH

Der Wirtschaftsstandort Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt und genießt vollkommen zu Recht ein hohes internationales Ansehen. „Made in Germany“ ist und bleibt ein Qualitätsmerkmal – und vor allem die Muster­disziplinen Innovation, For­schung und Entwicklung tragen unverändert zu einem allgemein positiven Gesamtbild bei.

Doch die Bestandsaufnahme ist trügerisch, da wir uns zu sehr auf die vorhandenen Stärken fokussieren und entscheidende Zukunftsfragen gerne im Glanz der Erfolgssonne beantworten. Dies gilt nicht zuletzt auch für das Thema Arbeitsmarkt und die von der aktuellen Regierung beschlossenen sozialpolitischen Anpassungen wie den Mindestlohn.

Historisch gute Beschäftigungszahlen sind zweifelsohne erfreulich. In Zeiten des demografischen Wandels und des längst vorhandenen Fachkräftemangels fällt es Unternehmen jedoch immer schwerer, sich personell optimal aufzustellen und dem globalen Wettbewerb zu stellen. Einerseits, weil in vielen Regionen schlichtweg die passenden Bewerber fehlen. Andererseits, weil wir der Wirtschaft ohne Not – und teilweise aus rein parteipolitischen Motiven heraus – immer mehr Spielraum bei der Arbeitsplatzgestaltung nehmen. Auch wir als Personaldienst­leistungs­unternehmen stehen erneut vor geplanten Regulierungsmaßnahmen der Bundesregierung, die sogar von Seiten der Arbeitnehmer in Frage gestellt werden. Bei einer anonymen Mitarbeiterumfrage im Frühjahr 2015 bewertete nur jeder fünfte Zeitarbeitnehmer die geplante Höchst­überlassungsdauer von maximal 18 Monaten als sinnvoll. Kein Wunder, da vielen unserer Mitarbeiter im Zwei­fel per Gesetz ein Einsatzwechsel auferlegt wird und zuvor erlangte Tarifzuschläge oder weitere Vorteile damit unmittelbar wegfallen.

Klare Grenzen und eine vernünftige Stärkung von Arbeitnehmerrechten sind die eine Seite der Medaille. Zu viel Bürokratie und praxisfremde Pau­schalregelungen führen hingegen zu einer Verunsicherung und einem klaren Wettbewerbsnachteil der deutschen Wirtschaft. Die Folge ist nicht nur logisch, sondern laut einer aktuellen Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags be­reits in Zahlen erkennbar: Deutsche Unternehmen investieren stärker denn je ins Ausland. Dabei wäre es gerade jetzt von zentraler Bedeutung, inländische  Investitionslücken zu schließen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland nachhaltig zu stärken.

Ob aber der Arbeitsmarktwandel in Deutsch­land mit den globalen Herausforderungen mithalten kann, hängt stärker denn je von einer dringend erforderlichen Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, einem nachhaltigen Bürokratieabbau sowie der gezielten Förderung des Aus- und Weiterbildungssektors ab. Denn der internationale Wettbewerb holt weiter auf. Und unsere wirtschaftlichen Erfolgsgaranten sind unmittelbar abhängig von qualifizierten Mitarbeitern und einer praxisnahen Arbeitsmarktpolitik mit Weitblick.

Weitere Informationen unter:
www.dekra-arbeit.de

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