Bernhard Simon, CEO Dachser SE

Logistik: „Die Komplexität reduzieren“

Die TREND REPORT-Redaktion im Gespräch mit Bernhard Simon, CEO Dachser SE, zu den Herausforderungen und Trends auf dem Logistik-Markt.

Welche Trends machen Sie derzeit in Ihrer Branche aus?
Outsourcing-Projekte in der Logistik zielen heute vermehrt darauf, die Wertschöpfung entlang der kompletten Lieferkette zu erhöhen, anstatt sich auf einzelne funktionale Elemente wie Distributionslogistik oder Warehousing zu beschränken. Als Konsequenz verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Logistikdienstleistern: Es geht heute viel mehr als früher darum, gemeinsam die gesamte Supply Chain zu durchleuchten, Ineffizienzen zu identifizieren, Prozesse zu verschlanken oder überhaupt erst messbar zu machen. Kurz zusammengefasst: Die Komplexität des ganzen Systems zu reduzieren. Dafür unabdingbar und in der Bedeutung weiter zunehmend sind hoch entwickelte IT-Systeme, die auf Kunden- und Dienstleisterseite miteinander verzahnt sind.

Welche Vorschläge und Forderungen haben Sie an die Politik im Kontext des Standorts Deutschland und der Logistik-Branche?
Ich erwarte von der Politik eigentlich nur, dass sie das wirtschaftliche Umfeld so gestaltet, dass die Unternehmen planbare, wachstumsorientierte Geschäfte machen können. Das ist zuletzt nicht immer gelungen.
Zum Beispiel sind die Kontrollvorschriften des deutschen Mindestlohngesetzes geradezu aberwitzig und praxisfern, hier sollte es Korrekturen geben. Das gilt insbesondere für die papierbezogenen Meldungen an die Behörden im grenzüberschreitenden Verkehr. Hier wieder auf das Fax angewiesen zu sein, ist ein großer Rückschritt für ein Unternehmen mit modernen IT-Strukturen. Darüber hinaus können wir bei grenzüberschreitenden Verkehren nicht deutsches Recht über europäisches Recht stellen. Hier brauchen wir Rechtssicherheit.

Welchen Stellenwert hat der deutsche Binnenmarkt für Dachser?
Dachser ist traditionell stark im deutschen Markt: Wir sind Marktführer in der Stückgutlogistik und belegen auch bei anderen Teilmärkten vordere Plätze. Rund die Hälfte unseres Umsatzes erwirtschaften wir hierzulande. Die signifikanten Wachstumsraten liegen allerdings seit einigen Jahren woanders; bei den grenzüberschreitenden, internationalen Verkehren in unserem europäischen Landverkehrsnetz, in der Kontraktlogistik sowie in der Luft- und Seefracht, zum Beispiel bei den intra-asiatischen Verkehren.

Wie unterstützen Sie die Entwicklung der Digitalisierung in der der Logistik? Welchen Stellenwert nimmt das Thema aktuell für Sie ein?
Wenn wir die Waren unserer Kunden auf die Reise schicken, dann eilen ihnen die Sendungsinformationen in digitaler Form stets voraus, nur so kann transparentes Tracking & Tracing funktionieren. Dachser ist mit seinen tief integrierten, eigenen IT-Systemen ein Vorreiter auf diesem Gebiet und treibt die Entwicklung aktiv voran: Aktuell wickeln wir bereits 80 Prozent aller Aufträge elektronisch ab, mehr als 16.000 nutzen die eLogistics Online-Tools, unter anderem für die Sendungsverfolgung.

Wann kommen die ersten autonomen Trucks von Dachser an?
Dachser fördert den Einsatz moderner Technologien wie zum Beispiel Fahrerassistenzsysteme, in der kleinen eigenen Flotte sowie bei den vielen Transportunternehmern, die unsere Ladegefäße bewegen. Dafür arbeiten wir eng mit verschiedenen Nutzfahrzeugherstellern zusammen. Speziell im Fall des autonomen Fahrens geht es allerdings nicht primär darum, ob die Technologie reif und einsatzbereit ist, sondern ob diese Innovation auch gesellschaftlich akzeptiert wird.
Mehr Sinn macht es da heute, sich in der Ausbildung und Förderung der Berufskraftfahrer zu engagieren. Wir haben aktuell eine Initiative gestartet, in der wir gemeinsam mit unseren Transportunternehmen in den kommenden drei Jahren 200 Fahrer zusätzlich ausbilden und sie auch nach dem Ende der Ausbildung weiter begleiten. Damit bringen wir unsere große Wertschätzung für diesen für die Logistik immens wichtigen Berufsstand zum Ausdruck.

Weitere Informationen unter:
www.dachser.com

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