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Impulse, Ideen, Innovation

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Juni 3, 2015 veröffentlicht von

Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorstand der Bundesvereinigung Logistik (BVL) stellt die zunehmende Digitalisierung und die logistische Weiterentwicklung des Standort Deutschland in den Mittelpunkt seines Gesprächs mit der TREND-REPORT-Redaktion.

Herr Klinkner, haben auch kleinere innovative Unternehmen Chancen den Deutschen Logistikpreis zu gewinnen?
Ja, natürlich haben auch diese Unternehmen eine Chance. In unserer Ausschreibung geht es ja gerade um innovative Logistikkonzepte und es heißt ausdrücklich: „Für die Bewerbung zum Deutschen Logistik-Preis sind Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung zugelassen. Die Größe des oder der beteiligten Unternehmen spielt keine Rolle.“ Es ist aber klar, dass die Verantwortlichen in kleineren Unternehmen und erst Recht in Startups häufig nicht die Ressourcen zur Verfügung haben, um eine Einreichung für diesen oder andere Preise zu erarbeiten. Die BVL hat deshalb ein neues Instrument entwickelt, um Gründern und Innovatoren eine Plattform zu bieten: die Startups‘ Corner auf www.bvl.de. Zur Auswahl der Unternehmen für die Startups‘ Corner setzt die BVL auf eine hochkarätige Jury. Zu den Mitgliedern zählen etablierte Unternehmensgründer, erfahrene Logistikmanager, Finanzierungsexperten und Vertreter der Wissenschaft. Ob innovative Verpackungen, hervorragende Tools für Big Data im Supply Chain- oder Kapazitätsmanagement, ob Crowdsourcing von Kurieren für die letzte Meile, ob web-basiert oder reine Hardware – die BVL ist auf alle innovativen Startups mit Logistikbezug hochgespannt. Ab Juni 2015 wählt die Jury jeden Monat ein vorbildliches Unternehmen aus, das dann auf der BVL-Webseite vorgestellt und durch das Netzwerk der BVL gefördert wird.

Prof. Dr. Raimund Klinkner

Prof. Raimund Klinkner: „Die Mitglieder der Bundesvereinigung Logistik nannten im Januar 2015 die Digitalisierung mehrheitlich als wichtigstes strategisches Thema.“

Welchen Stellenwert hat der deutsche Binnenmarkt für Logistik-Unternehmen?
Die Logistik ist in Deutschland der drittgrößte Wirtschaftsbereich nach der Automobil-Wirtschaft und dem Handel. Die Steuerung der Waren- und Informationsflüsse aber auch der Transport der Güter und ihre Lagerung sind wichtige Wirtschaftsfunktionen, die hohe Werte schaffen. In Deutschland wurden 2014 branchenübergreifend rund 235 Milliarden Euro an Logistikumsätzen erwirtschaftet. 2,9 Millionen Menschen sind in den vielfältigen Logistikberufen in Industrie, Handel und Dienstleistung beschäftigt. Nur knapp die Hälfte der logistischen Leistungen, die in Deutschland erbracht werden, besteht in der gemeinhin sichtbaren Bewegung von Gütern durch Dienstleister. Die andere Hälfte findet in der Planung, Steuerung und Umsetzung innerhalb von Industrie- und Handelsunternehmen statt.
Der europäische Logistikmarkt wird auf 930 Milliarden Euro geschätzt (Zahl für 2013). Daran hat Deutschland mit knapp 25 Prozent einen maßgeblichen Anteil. Das liegt nicht nur an der geografischen Lage im Herzen Europas, sondern auch an der nach wie vor mit mehr als 20 Prozent überdurchschnittlich hohen industriellen Wertschöpfung. Sie impliziert entsprechende logistische Leistungen. Deutsche Unternehmen halten hinsichtlich ihrer Logistiktechnologie eine internationale Spitzenposition. Ein starker und anspruchsvoller Binnenmarkt für logistische Leistungen, ausgefeilte Lösungen und technologische Exzellenz spielen also höchst positiv zusammen.

Welche Vorschläge und Forderungen haben Sie an die Politik im Kontext des Standorts Deutschland mit Blick auf den Wirtschaftsbereich Logistik?
Die BVL hat 2014 ein Thesenpapier mit Handlungsempfehlungen für die Politik vorgelegt. Unter dem Titel „Logistik verbindet nachhaltig: Impulse, Ideen, Innovationen“ setzen wir uns nachdrücklich dafür ein, dass die Logistikkompetenz in der deutschen Wirtschaft öffentlich als eine der Stärken des Landes wahrgenommen und mit politischen Gestaltungsmitteln weiter ausgebaut wird. Die wichtigste Forderung lautet: Die Infrastruktur als wichtige Grundlage des Wohlstands und der herausragenden Wirtschaftsleistung in Deutschland zu erhalten und zeitgemäß auszubauen. Dabei haben wir sowohl die Verkehrsinfrastruktur im Blick als auch die Kommunikations- und die Energienetze. Um den Rückstand zu beseitigen und Erhaltung plus Wachstum meistern zu können, so formulierten wir damals, müssen die Ausgaben für Infrastruktur verdoppelt werden. Diese Forderung, der sich mittlerweile andere wirtschaftliche Vereinigungen angeschlossen habe, gilt nach wie vor. Viel geschehen ist leider nicht. Eine neue Initiative hat jetzt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ergriffen. Wir freuen uns auf seinen Vortrag beim 32. Deutschen Logistik-Kongress am 28. Oktober in Berlin. Die Herausforderungen sind nämlich nicht allein im Verkehrsressort zu lösen, so wie es in der Vergangenheit der politische Ansatz war. Eine weitere Forderung der BVL: Schaffung eines innovationsfreundlichen Gesamtklimas und Berufung von Experten aus der Logistik in politische Beratungsgremien. Der wichtige Wirtschaftsbereich Logistik ist dort deutlich unterrepräsentiert.

Wie unterstützen Sie die Entwicklung der Digitalisierung in der der Logistik? Welchen Stellenwert nimmt das Thema aktuell für Sie ein?
Mit der Bedeutung der Digitalisierung der Logistik hat sich die BVL intensiv beschäftigt und Ende letzten Jahres das Positionspapier „Logistik und IT als Innovationstreiber für den Wirtschaftsstandort Deutschland“ vorgelegt. Federführend bei diesem Projekt war BVL-Vorstandsmitglied Prof. Michael ten Hompel, der von einer Arbeitsgruppe mit Logistikern aus Industrie, Handel und Dienstleistung unterstützt wurde. Konkret fordert die BVL in ihrem Papier unter anderem mehr Rechtssicherheit im internationalen Kontext, die Schaffung einer „German Cloud“, mehr Investitionen in den Ausbau von Datennetzen, die Standardisierung und Normung voranzutreiben oder 100 neue Logistiklehrstühle mit IT-Bezug zu schaffen. Beim Deutschen Logistik-Kongress 2014 nahm das Thema Digitalisierung einen breiten Raum ein – und dies wird auch 2015 wieder der Fall sein. Die Mitglieder der BVL nannten im Januar 2015 die Digitalisierung mehrheitlich als wichtigstes strategisches Thema des Wirtschaftsbereichs Logistik. Wir unterstützen die weitere Entwicklung, indem wir informieren und in unserem Netzwerk vielfältige Möglichkeiten zum fachlichen Austausch bieten. Übrigens setzt das BVL Magazin, das im Juli 2015 erscheint, genau diesen Schwerpunkt.

Weitere Informationen unter:
www.bvl.de

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