Experte: 2026/2027 sind Jahre der Entscheidung für Digitaldeutschland
Köln, 20. Februar 2026 – „2026/27 sind Schlüsseljahre für die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung in Deutschland“, sagt Heinz-Peter Steiner, Leiter des Öffentlichen Sektors bei der IT-Dienstleistungsgruppe Timetoact Group. Er begründet: „In diesem Jahr übernimmt die Bundesregierung erstmals die strategische Führung im IT-Planungsrat, der die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen bei Digitalprojekten koordiniert. Diese zentrale Steuerung wird maßgeblich helfen, die Blockaden des Föderalismus bei IT-Projekten zu überwinden, Standards zu vereinheitlichen und die technische Umsetzung zu beschleunigen. Nach Jahren der Ankündigungen nimmt die Digitalisierung Deutschlands endlich Fahrt auf.“
Einen Schlüssel dazu sieht der Behördenchef der Timetoact Group in der Etablierung einer digitalen Identität (eID) mit bidirektionalem Nutzerkonto zur Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung. Hierzu soll das bereits 2019 von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet eingeführte Nutzerkonto BundID 2026 zur DeutschlandID weiterentwickelt werden und bis 2027 in das EU Digital Identity Wallet integriert werden. Dieser Weg hin zu einem bundesweit standardisierten und funktional erweiterten „digitalen Bürgerkonto“ ist im reformierten Onlinezugangsgesetzes (OZG 2.0) vorgesehen. Der zentrale „Deutschland-Account“ bildet die Grundlage für das sogenannte Once-Only-Prinzip: Bürgerinnen und Bürger müssen bestimmte Daten oder Nachweise künftig nur noch einmal angeben, weil Behörden diese Informationen untereinander digital austauschen können, statt sie wiederholt abzufragen.
Online-Notarverfahren als Best Practice
„Nach jahrelangem Innovationsstau kommt die Digitalisierung Deutschlands nun zügiger voran als viele erwartet haben“, sagt Heinz-Peter Steiner. Dies gelte sowohl bei digitalen Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen und Bürger als auch für die Wirtschaft. Als Vorzeigebeispiel nennt er die Fortschritte beim Online-Notarverfahren mit Beglaubigungen per Videokonferenz. Er erläutert: „Notarielle Beurkundungen und Beglaubigungen sind für viele unternehmerische und gesellschaftsrechtliche Vorgänge unverzichtbar, um Rechtssicherheit zu erlangen – ein hohes Gut für unseren Wirtschaftsstandort.“ Diese Verfahren per Videokonferenz rechtssicher durchführen zu können, bezeichnet der Behördenchef der Timetoact Group als „Meilenstein“ für Digitaldeutschland. Besonders bei Unternehmensgründungen und bei Einträgen in öffentliche Register stelle dies einen wichtigen Fortschritt für die Wirtschaft dar und sei eine „zeitgemäße Form der Startup-Förderung“.
So erlaubt das notarielle Online-Verfahren die Gründung einer GmbH oder UG, ohne ein Notariat aufsuchen zu müssen. Dazu gehören auch die Erteilung eventuell notwendiger Vollmachten, Gesellschafterbeschlüsse und Satzungsänderungen einschließlich Kapitalmaßnahmen (Herabsetzung bzw. Erhöhung). Ebenso lassen sich online die Anmeldungen zum Handels-, Vereins-, Genossenschafts-, Gesellschafts- (für Gesellschaften bürgerlichen Rechts) und Partnerschaftsregister (für Personengesellschaften) durchführen. Voraussetzung sind ein eID-fähiger Personalausweis und die Notar-App bzw. der Zugang zum Portal der Bundesnotarkammer sowie Standardhardware (Smartphone oder PC mit Kamera).
Machen statt meckern: Digitaldeutschland braucht Tempo
„Natürlich ist Deutschland damit im internationalen Vergleich nicht an vorderster Stelle“, ordnet Heinz-Peter Steiner ein. Er verweist auf Estland als Vorreiter der Digitalisierung, wo derartige Verwaltungsvorgänge schon seit Jahren online erledigt werden können. „Aber in Estland leben nur 1,3 Millionen Einwohner, und das Land besitzt eine zentrale Verwaltungsinfrastruktur statt eines föderalen Systems wie Deutschland“, sagt er. Zudem verweist er auf die historische Entwicklung: „Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat Estland 1991 den Staatsapparat praktisch neu aufgesetzt. Es gab keine gewachsenen Papier-, Register- oder IT-Strukturen wie in Deutschland.“ Diese Chance habe Estland vorbildlich genutzt. Ein Schlüssel dazu sei die verpflichtende digitale Identität (eID) als Authentifizierungsinstrument. Genau hier mache nun auch Deutschland Fortschritte.
Als weiteren wichtigen Schritt lobt er die anstehende Digitalisierung des Führungszeugnisses, das häufig benötigt wird, wenn man eine neue Arbeitsstelle antritt. Mit rund fünf Millionen ausgestellten Zeugnissen pro Jahr gehört es zu den am häufigsten nachgefragten Verwaltungsleistungen in Deutschland.
Doch wie steht es zum Beispiel um den Personalausweis, der seit 2010 mit eID-Funktionalität angeboten wird? „Das hätte man schon vor über 15 Jahren nutzen sollen, um Digitaldeutschland zügig aufzubauen“, gibt Heinz-Peter Steiner zu. „Aber bei allem Ärger über Versäumnisse der Vorgängerregierungen ist das Tempo der amtierenden Bundesregierung – und hier vor allem von Digitalminister Karsten Wildberger – einen Applaus wert.“













