Banken heißen Bitcoin willkommen
Gastbeitrag von Andy Flury, Gründer und CEO von Wyden
Bitcoin wird im globalen Bankensektor zunehmend institutionalisiert – nicht zuletzt dank klarer Regulatorik. In der EU setzt die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) seit Ende 2024 den einheitlichen Standard, in der Türkei wurde ebenso eine Krypto-Regulierung erlassen, während Großbritannien und einzelne US-Bundesstaaten aktiv daran arbeiten, Bitcoin als offiziellen Bestandteil ihrer Finanzarchitektur zu integrieren.
London ebnet den Weg für Bitcoin in den regulierten Bankensektor
In Großbritannien ist die Finanzbranche von herausragender Bedeutung für die Wirtschaft. Der Financial‑Services‑Sektor generierte zuletzt einen Brutto‑Wertschöpfungsbeitrag von 174 Milliarden Pfund und damit rund 8,3 % des gesamten UK‑BIP. London fungiert als Weltdrehscheibe des Devisenhandels und verarbeitet etwa 38 % des täglichen globalen Währungstransaktionsvolumens von durchschnittlich 7,5 Billionen US-Dollar. Über die London Stock Exchange sind Firmen mit einem Marktwert von über 3,4 Billionen Dollar gelistet. Allein durch Steuern trägt der Finanzmarkt mit ca. 110 Milliarden Pfund zur Staatskasse des Vereinigten Königreiches bei. Diese Zahlen unterstreichen, warum Großbritannien im Rahmen seiner neuen Crypto‑Roadmap ab 2026 Crypto-Asset-Service-Providern (CASPs) denselben Regulierungsrahmen wie Banken auferlegen will – inklusive Kapitalanforderungen, Governance‑Standards, Marktintegrität, Insider‑Vorgaben und Verwahrpflichten. Das Signal ist unübersehbar: Digital Assets haben mittlerweile eine Größe und Wichtigkeit für die gesamte Finanzwelt erreicht, sodass sie regulatorisch Teil des etablierten Finanzsystems werden.

Andy Flury erklärt: „Bitcoin wird im globalen Bankensektor zunehmend institutionalisiert – nicht zuletzt dank klarer Regulatorik.“
Blaupause Türkei
Neben Europa verdient die Türkei besondere Aufmerksamkeit. Die Türkei gehört weltweit zu den Ländern, in denen Bitcoin unter Anlegern am verbreitetsten ist. Die türkische Lira verlor seit 2020 rund 82 % ihrer Kaufkraft. Kein Wunder also, dass das Land am Bosporus auf der weltweiten Adoption-Rangliste auf Platz 11 rangiert – Deutschland ist hingegen auf Platz 22. Bedingt durch die kontinuierlich hohe Inflation, gehören Bitcoin und Co zu den beliebtesten Wertspeichern zusammen mit Gold und Immobilien. Indem türkische Sparer ihr Vermögen in BTC transferieren, versuchen sie, Vermögensverluste durch Lira-Entwertung zu umgehen. Parallel dazu hat sich ein regulatorischer Rahmen etabliert, der das faktische Kryptoverbot von 2021 ablöste. Im Sommer 2024 verabschiedete das türkische Parlament ein entsprechendes Gesetz, das Kryptoassets reguliert und für Finanzdienstleister als auch für Anleger Rechtssicherheit erzeugt. Anders als in der EU reagierte der Staat auf realwirtschaftliche Notwendigkeiten und eine interessante Wechselwirkung entsteht: Bitcoin-Nutzung aufgrund von Inflation befördert regulatorische Aktivitäten – und diese wiederum fördern breitere Adoption durch mehr Sicherheit.
USA: Bitcoin wird in Staatsreserven integriert
Parallel dazu treiben US-Bundesstaaten Bitcoin-Aktivitäten voran, obwohl die nationale Bankenregulatorik noch keinen verlässlichen Rahmen gesetzt hat. New Hampshire hat als erster US-Bundesstaat bereits ein Gesetz verabschiedet, das dem Finanzministerium erlaubt, bis zu fünf Prozent seiner öffentlichen Mittel in BTC zu investieren.
Texas zog nach: Seit Ende Mai 2025 ermöglicht ein in Kraft getretenes Gesetz den Aufbau eines strategischen Bitcoin‑Rücklagenfonds mit langfristigen Haltabsichten und Cold‑Storage-Pflichten, welcher Bitcoin aus dem Handelssystem herauszieht und zum reinen Wertspeicher nach dem Vorbild von Gold macht. Pennsylvania plant, bis zu zehn Prozent seiner öffentlichen Mittel – rund eine Milliarde Dollar – in Bitcoin zu stecken. Ohio, North Carolina, Wyoming, Kentucky und Massachusetts verfolgen ähnliche Pläne mit Anteilen zwischen drei und zehn Prozent. Während auf Bundesebene erst Senatorin Cynthia Lummis einen nationalen „Bitcoin‑Reserves‑Plan“ vorgeschlagen hat, übernehmen die Bundesstaaten die Vorreiterrolle und schaffen so Fakten.
Neues Kryptozentrum Vereinigte Arabische Emirate?
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate positionieren sich als Krypto-Hub mit klarem regulatorischem Rahmen. Seit 2020 verlangt die bundesweite Finanzaufsicht SCA für alle Kryptoaktivitäten – Handel, Verwahrung, Emission, Beratung – eine Lizenz, ergänzt durch strikte Know-your-Customer-Pflichten. In Dubai wurde 2022 die Virtual Assets Regulatory Authority (VARA) gegründet, die seither als zentrale Instanz für Krypto-Lizenzen im Emirat fungiert. Seit einem Abkommen von 2024 genügt eine einzige VARA-Lizenz auch auf Bundesebene, was den Zugang für internationale Kryptounternehmen deutlich vereinfacht. Zusätzlich regelt seit 2025 die Zentralbank Krypto-Zahlungstoken wie Stablecoins, ebenfalls über das duale Lizenzmodell. Die VAE bieten damit ein kohärentes, mehrschichtiges Regulierungssystem, das Innovation fördert und zugleich klare Compliance-Vorgaben setzt – ein Modell, das zunehmend internationale Anbieter anzieht und für ein Wachstum an Bankendienstleistungen rund um Bitcoin führen wird.
Diese vielschichtigen Beispiele aus UK, der Türkei, den Emiraten und den US-Bundesstaaten zeichnen ein Bild der globalen Lage: Wenn etablierte Finanzmärkte, eine stabile Regulierung und makroökonomische Faktoren wie Inflation zusammentreffen, entwickelt sich Bitcoin vom spekulativen Asset zur strategischen Infrastruktur. Regulatorische Klarheit ist der Schlüssel zur Integration von Bitcoin in das Herz des Bankensystems. Die EU hat im Vergleich zu anderen Staaten und Regionen sehr frühzeitig gezeigt, wie Wandel durch Gesetz entsteht – und Banken so auf einer soliden rechtlichen Grundlage den Schritt zur digitalen Zukunft wagen können. MiCA ist so zu einer regulatorischen Blaupause für viele Staaten geworden, die sich nun an dem europäischen Modell ausrichten.
Wenn nun in Großbritannien mit seiner wirtschaftlichen Bedeutung ähnliche regulatorische Strukturen wie in der EU etabliert werden, erhält Bitcoin weiteren institutionellen Rückhalt. Und während US‑Bundesstaaten beginnen, BTC offiziell in ihre Staatskasse einzubetten, zeigt sich: Bitcoin wird immer mehr zum Baustein moderner Finanzarchitektur – dort, wo Politik, Regulierungsrahmen und ökonomische Notwendigkeit zusammentreffen, entfalten Kryptoassets die höchste Wirkung.
Machen Banken zunehmend Bitcoin-Angebote zu einem „normalen“ Bankprodukt, erweckt das Vertrauen bei Investoren, institutionellen Kunden und Endverbrauchern. Verwahrungslösungen, Trading-Plattformen, tokenisierte Wertpapiere und digitale Bezahlinstrumente verschmelzen zu einer neuen Infrastruktur, flankiert von rechtlich stabilen Rahmenwerken – und ergänzt durch das Momentum aus Ländern wie der Türkei mit praxiserprobten Use Cases. Bitcoin und Co. wandeln sich so von spekulativem Asset zu einer etablierten Anlageklasse.
—
Über Wyden
Wyden ist der weltweit führende Technologieanbieter für den institutionellen Handel mit digitalen Vermögenswerten. Die Wyden-Plattform deckt den gesamten Handelszyklus ab und unterstützt die nahtlose Integration von Verwahrungs-, Kernbanken- und Portfoliomanagement-Systemen sowie die vollständige Automatisierung und optimiert somit den Handel mit digitalen Vermögenswerten. Wyden wurde von einem Team aus Handelssystem-Veteranen und Krypto-Asset-Experten entwickelt und bietet erstklassige Infrastrukturlösungen, die den höchsten institutionellen Anforderungen gerecht werden. Wyden hat seinen Hauptsitz in Zürich, betreibt mehrere Produktzentren in Polen und hat Niederlassungen in Singapur und New York.
Mehr Informationen finden Sie unter www.wyden.io.
Über Andy Flury
Andy Flury ist Gründer und CEO von Wyden. Im Jahr 2014 gründete er AlgoTrader, eine umfassende algorithmische Handelsplattform, die es kauf- und verkaufsseitigen Handelsunternehmen ermöglicht, automatisierte quantitative Handelsstrategien auf einer einzigen Plattform schnell zu entwickeln, zu simulieren, zu testen und einzusetzen. Ursprünglich für globale Aktien, Futures, Forex und Optionen konzipiert, unterstützt AlgoTrader seit 2017 vollständig den automatisierten Handel mit Kryptowährungen. Im Jahr 2020 benannte sich das Unternehmen offiziell in Wyden um. Andy Flury hat einen Master in Industrial Management und Manufacturing Engineering der ETH Zürich und einen Executive MBA der Universität St. Gallen. Zu seiner beruflichen Laufbahn zählen Stationen bei der Siemens Schweiz AG, bei der er als Senior Projektmanager und Softwarearchitekt Projekte u.a. beim Schweizer Nachrichtendienst leitete und Linard Capital AG, wo er als Partner und Head of Algorithmic Trading quantitative Handelsstrategien entwickelte, implementierte und überwachte.













