Zweistelliges Wachstum durch KI, Neuorganisation und Robotik?
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht unter erheblichem Transformationsdruck. Steigende Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, Fachkräftemangel und eine verhaltene globale Investitionsdynamik belasten die Branche. Gleichzeitig zeigt sich jedoch: Wer jetzt konsequent umsteuert, könnte mittelfristig deutlich profitieren. Darauf deutet der aktuelle KPMG CEO Outlook hin, der auch für industrielle Kernbranchen wie den Maschinenbau wichtige Signale sendet.
Im Zentrum der Studie steht eine klare Botschaft: Wachstum entsteht künftig weniger durch klassische Expansion, sondern durch radikale Neuorganisation, den Einsatz Künstlicher Intelligenz, datengetriebene Prozesse und Automatisierung. Viele Unternehmenslenker sehen darin einen realistischen Hebel für spürbare Produktivitäts- und Ergebnissteigerungen – im besten Fall sogar im zweistelligen Prozentbereich.
Strategiewechsel als Wachstumsvoraussetzung
Laut KPMG haben 82 Prozent der deutschen CEOs ihre Wachstumsstrategie angepasst. Anstelle kurzfristiger Kostensenkungen rücken strukturelle Veränderungen in den Fokus. Dazu zählen neue Organisationsmodelle, schlankere Entscheidungswege sowie eine stärkere Verzahnung von IT, Produktion und Wertschöpfung. Gerade im Maschinenbau, der traditionell stark ingenieurgetrieben ist, gewinnt die Verbindung von Software-, Daten- und Prozesskompetenz massiv an Bedeutung.
KI als Produktivitätsmotor
Ein zentrales Element dieser Neuausrichtung ist Künstliche Intelligenz. 68 Prozent der deutschen CEOs nennen KI als wichtigstes Investitionsfeld, rund 80 Prozent planen, mindestens zehn Prozent ihres Budgets kurzfristig in KI-Projekte zu investieren. Für den Maschinenbau bedeutet das unter anderem: vorausschauende Wartung, automatisierte Qualitätskontrolle, intelligente Produktionsplanung und datenbasierte Optimierung komplexer Lieferketten.
KI wird dabei weniger als isolierte Technologie verstanden, sondern als integraler Bestandteil der gesamten Organisation. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, Ausschuss zu reduzieren und Ressourcen effizienter einzusetzen – Faktoren, die direkt auf Marge und Wettbewerbsfähigkeit einzahlen.
Kollaborative Robotik und Automatisierung
Parallel dazu gewinnt die kollaborative Robotik an Bedeutung. Moderne Cobots arbeiten flexibel mit Menschen zusammen, lassen sich schneller programmieren und eignen sich besonders für mittelständische Produktionsumgebungen. In Verbindung mit KI-gestützten Steuerungssystemen entstehen adaptive Produktionslinien, die auf schwankende Nachfrage, kleinere Losgrößen und individualisierte Produkte reagieren können.
Für den Maschinenbau eröffnet das nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch neue Geschäftsmodelle – etwa durch digitale Services, datenbasierte Wartungsverträge oder softwaregetriebene Erweiterungen klassischer Maschinenlösungen.
Wachstum trotz Unsicherheit
Bemerkenswert ist: Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage planen viele Unternehmen kein Schrumpfen, sondern gezieltes Wachstum. 86 Prozent der deutschen CEOs rechnen laut KPMG mit stabilen oder steigenden Beschäftigtenzahlen, allerdings bei veränderten Kompetenzprofilen. Gesucht werden verstärkt Daten-, Software- und Automatisierungsexperten, die industrielle Prozesse neu denken können.
Der KPMG CEO Outlook macht deutlich: Ein zweistelliges Plus ist kein Selbstläufer, aber erreichbar – für Unternehmen, die bereit sind, ihre Strukturen grundlegend zu hinterfragen und Technologie strategisch einzusetzen. Der Maschinenbau könnte damit vom Sorgenkind wieder zum Wachstumstreiber werden.
Quellen
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KPMG: CEO Outlook 2025 – Wirtschaftliche und geopolitische Belastungen: 82 % der deutschen CEOs ändern ihre Wachstumsstrategie
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KPMG: CEO Outlook – Industrial Manufacturing & Automotive Insights
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KPMG: Global CEO Outlook 2025
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