Warum 2026 zum Wendepunkt für nachhaltige Unternehmensmobilität wird

Die Dekarbonisierung der Unternehmensmobilität tritt 2026 in eine neue Phase ein. Was lange Zeit vor allem eine Frage von Analyse, Strategiepapieren und Pilotprojekten war, entwickelt sich zunehmend zur konkreten Managementaufgabe – mit messbaren Zielen, Investitionsentscheidungen und struktureller Umsetzung. Zu diesem Ergebnis kommt das Fuhrpark- und Mobilitätsbarometer 2025 des Arval Mobility Observatory. Basis sind die Daten einer internationalen Befragungsstudie: 8.061 Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortliche in 28 Ländern wurden im Zeitraum August bis November 2024 interviewt.

Im Kern zeigt die Untersuchung: Unternehmen stehen nicht mehr vor der Frage ob sie ihre Mobilität dekarbonisieren müssen, sondern wie schnell sie in die Umsetzung kommen – und ob sie daraus einen strategischen Vorteil ableiten.

Dekarbonisierung gewinnt an Dynamik – Deutschland im Mittelfeld

In Deutschland verfolgen laut Arval-Befragung derzeit 16 Prozent der Unternehmen konkrete Dekarbonisierungsziele im Mobilitätsbereich. Damit liegt Deutschland leicht über dem europäischen Durchschnitt von 13 Prozent. Noch spannender ist jedoch die Entwicklungsperspektive: 28 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, entsprechende Zielsetzungen derzeit zu evaluieren (Europa: 27 Prozent). Das deutet auf einen Übergang von der Analyse in die strategische Planung hin – und auf eine Phase, in der Dekarbonisierung in vielen Organisationen aus der Nachhaltigkeitsabteilung in die operative Steuerung wandert.

Im internationalen Vergleich bewegt sich Deutschland im soliden Mittelfeld. Länder wie Griechenland (22 Prozent) oder Italien (17 Prozent) sind bereits heute stärker in konkrete Zielumsetzungen eingestiegen – was zeigt, dass sich die Dynamik in Europa sehr unterschiedlich verteilt und stark von politischen Rahmenbedingungen sowie Unternehmensstrukturen abhängt.

Katharina Schmidt, Head of Consulting, Energy Transition beim Arval Mobility Observatory, ordnet die Zahlen in der Pressemitteilung als Trendwende ein: Das hohe Evaluierungsinteresse sei ein Signal, dass nachhaltige Mobilität zunehmend als Wettbewerbs- und Innovationsfaktor verstanden werde – und 2026 in vielen Unternehmen das Jahr werde, in dem Strategien konkretisiert und umgesetzt werden.

Der Fuhrpark als Klimahebel – mit sofortigem Wirkungspotenzial

Besonders zentral ist in der Studie die Rolle des Fuhrparks. Denn unternehmensseitige Emissionen entstehen nicht nur in Produktion und Gebäuden – sondern auch im Alltag der Mobilität: Außendienstfahrzeuge, Dienstwagen, Lieferflotten, Pendlerbewegungen.

In Unternehmen, die bereits Dekarbonisierungsziele formuliert haben, bewerten 28 Prozent die Mitarbeitermobilität als signifikanten Einflussfaktor, weitere 31 Prozent als moderaten Faktor. Mit anderen Worten: Der Fuhrpark entwickelt sich zum schnell wirksamen Hebel, der eine Transformation messbar beschleunigen kann – schneller als manche langfristige CO₂-Maßnahme im Gebäudebereich.

Das macht die Unternehmensmobilität zu einer Schnittstelle aus Technologie, Kostenmanagement und ESG-Reporting. Denn Fuhrparks lassen sich strukturiert umstellen – mit klaren Kennzahlen: Verbrauch, Emissionen, Kilometerleistung, Auslastung, Ladequote, TCO (Total Cost of Ownership) und Restwertentwicklung.

Was Unternehmen 2025 tatsächlich beschäftigte

Die Befragung zeigt auch, dass Unternehmen im Jahr 2025 sehr pragmatisch auf den Transformationsdruck reagierten. Für Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortliche standen vor allem drei Handlungsfelder im Vordergrund:

  • Förderung verantwortungsvollen Fahrverhaltens (42 Prozent)

  • Integration alternativer Energietechnologien (38 Prozent)

  • Anpassung an neue Rahmenbedingungen für Verbrennungsmotoren (35 Prozent)

Auffällig ist dabei die Stabilität der Prioritäten: Es handelt sich nicht um einen sprunghaften Umbruch, sondern um eine Transformation, die Unternehmen planvoll und in Stufen vorantreiben. Dabei entsteht eine neue Managementrealität: Mobilität wird nicht mehr nur verwaltet – sie wird gesteuert.


Ausblick 2026: Drei Trends verändern die Unternehmensmobilität

Arval identifiziert für 2026 drei zentrale Entwicklungen, die den strategischen Kurswechsel beschleunigen.

1) Klare Zielbilder werden zum Erfolgsfaktor

Ein zentraler Treiber sind europäische Initiativen wie Clean Corporate Fleets sowie wachsende Anforderungen an Transparenz und Berichterstattung – etwa über die CSRD. Diese Regularien wirken nicht nur als Pflichtprogramm, sondern schaffen auch Orientierung: Unternehmen benötigen Planungssicherheit, um Investitionen in Ladeinfrastruktur, Fahrzeugflotten und digitale Steuerung zu rechtfertigen.

Damit wird Dekarbonisierung mehr als ein Nachhaltigkeitsthema – sie wird Bestandteil von Investitionslogik, Risikomanagement und Governance.

2) Fuhrparkverantwortliche werden zu Mobilitätsarchitekten

Ein weiterer Trend betrifft Rollen und Kompetenzen: Fuhrparkmanagement verändert sich vom operativen Fuhrparkbetrieb hin zur Steuerung komplexer Energie- und Nachhaltigkeitssysteme. Wer künftig Flotten verantwortet, benötigt nicht nur Fahrzeugkenntnis, sondern Know-how in:

  • Datenanalyse und KPI-Management

  • Lade- und Energieintegration

  • Beratung von HR, Nachhaltigkeit, Einkauf, Finance

  • Schnittstellenkompetenz zur Unternehmensstrategie

Die Studie deutet damit auf einen Professionalisierungsschub hin: Mobilität wird als Plattform organisiert – vergleichbar mit IT oder Supply Chain.

3) Multimodale Mobilität wird Standard

Elektromobilität bleibt zentral, doch Unternehmen denken breiter. Neben dem Firmenwagen gewinnen ganzheitliche Mobilitätsmodelle an Bedeutung, etwa:

  • Mobilitätsbudgets statt Dienstwagenfixierung

  • Corporate Sharing-Angebote

  • stärkere ÖPNV-Integration

  • hybride Mobilitätslösungen (Auto + Bahn + Sharing)

Der Firmenwagen bleibt – aber seine Rolle verändert sich. Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität werden zu gemeinsamen Zielen: Wer eine flexible Mobilität anbietet, stärkt nicht nur Klimabilanz, sondern auch Recruiting und Employee Experience.


Fazit: 2026 wird das Jahr der Umsetzung

Die Daten aus der Arval-Befragung zeigen, dass nachhaltige Mobilität 2026 in vielen Unternehmen einen neuen Status erreicht: weg von Absichtserklärungen – hin zur operativen Transformation. Besonders der Fuhrpark bietet unmittelbare Hebel, weil Technologie verfügbar ist und Effekte schnell messbar werden.

2026 könnte damit zum Wendepunkt werden: Nicht mehr Planung als Selbstzweck, sondern Umsetzung als Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die jetzt konkrete Zielbilder formulieren, Lade- und Dateninfrastruktur aufbauen und Mobilität als strategische Plattform begreifen, schaffen die Grundlage dafür, Mobilität nachhaltig, wirtschaftlich und attraktiv zu gestalten.


Quellen / Hinweise (nur am Schluss)

  • Arval Mobility Observatory: Pressemitteilung „Fuhrpark- und Mobilitätsbarometer 2025 – Warum 2026 zum Wendepunkt für nachhaltige Mobilität wird“, Oberhaching/München, 14. Januar 2026 (Datenbasis: Befragung von 8.061 Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortlichen in 28 Ländern; Feldzeit: 26.08.2024–06.11.2024; Durchführung: Ipsos).

 

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Trend Report Redaktion 15.01.2026