Gelungene Transformation: TREND-REPORT-Redakteur Bernhard Haselbauer (re.) sprach mit Kai Derda, Country General Manager der Chep Deutschland GmbH, über die Digitalisierung des stationären Handels und die Zukunft von Display-Promotions.

Mehr Absatz durch Promotion-Tracking

TREND-REPORT-Redakteur Bernhard Haselbauer (re.) sprach mit Kai Derda, Country General Manager der Chep Deutschland GmbH, über die Digitalisierung des stationären Handels und die Zukunft von Display-Promotions.

Herr Derda, wie hat sich Ihr Unternehmen und damit auch Ihre Lösungen für Ihre Kunden durch die Digitalisierung in den letzten Jahren verändert?

Ein maßgeblicher Schritt war sicherlich, dass wir unser Unternehmen neu definiert haben: weg von der Firma, die Paletten vermietet, hin zu einem lösungsorientierten Serviceanbieter. Dabei spielt das Thema Digitalisierung eine große Rolle. Mit unserer Viertelpalette, die wir mit Beacons ausgestattet haben, transformieren wir die Palette vom reinen Ladungsträger zum interaktiven Informationsträger. Dadurch generieren wir auch neue Einsatzmöglichkeiten.

Wenn Sie die Beacon-Technologie auf Basis Ihrer Viertelpalette anbieten, gibt es dazu auch ein Computersystem, das unterstützt, Ware auch entsprechend zu verfolgen im Kontext der Supply Chain? Muss ich mir das selbst installieren oder bieten Sie diese Mehrwert-Services an?

Unser Mutterkonzern Brambles hat dieses Jahr mit BXB Digital eine neue Firma gegründet, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt: Wie können wir aus den Daten für unsere Kunden einen echten Mehrwert generieren? Klare Aussage unserer Kunden ist: „Wir haben sehr viele Daten, aber wir benötigen Informationen. “BXB Digital unterstützt CHEP dabei, seinen Kunden die in der Supply Chain generierten Daten in entsprechenden Dashboards zur Verfügung zu stellen. Daraus können sie dann die für sie relevanten Daten und Informationen extrahieren.

Welche Lösungen und Möglichkeiten können Ihre Kunden umsetzen, die jetzt z.B. die neue Technologie zum Einsatz bringen? Können Sie Kosten einsparen, sind sie eher in der Lage Ihre Ware zu tracken, vor allem in Lagerhäusern – wie kann ich mir das vorstellen?

Bisher war die Supply Chain wenig transparent, was sich durch den Einsatz von Beacons schlagartig ändert: durch Echtzeitdaten erhalten unsere Kunden – also sowohl der Handel als auch die Industrie – eine deutlich verbesserte Transparenz, was beim Lager anfängt und auf der Verkaufsfläche endet. Für gewöhnlich driften tatsächliche Nachfrage und Bestellmengen im Verlauf von Absatz- und Beschaffungsmarkt immer weiter auseinander. Die Folgen sind entweder unnötig hohe oder zu niedrige Lagerbestände, was letztendlich kostet. Mit Promotion Tracking³ können Informationen über Liefer- und Abverkaufsstatus in Echtzeit abgerufen und geteilt werden. Dadurch werden zusätzliche Lieferungen genauer planbar, Bestellmengen für Folgeaktionen besser kalkulierbar und im Endeffekt die Transport- und Lagerkosten gesenkt.

Sie tauschen aber auch die Paletten wieder aus, nach dem Pooling-Prinzip?

Genau. Beim Pooling läuft die Palette im Rundlauf von CHEP zum Service Center zur Industrie in den Handel und dann wieder zurück. Das gibt uns die Möglichkeit, die Technik, die wir in der Palette verbaut haben, entsprechend zu warten.

Und was für weitere Möglichkeiten ergeben sich daraus für unsere Kunden? Den Promotion-Bereich kenne ich sehr gut aus meiner eigenen Erfahrung als Vertriebsverantwortlicher im Handel bei Aldi-Süd und Real. Industrie und Handel hatten wie gesagt bisher relativ wenig Transparenz über den Erfolg von Display-Promotions.
Mit unserer Lösung Promotion Tracking³ gehen wir jetzt dieses Problem an und erhöhen nicht nur die Transparenz, sondern auch die Effizienz von Promotions. Vom Co-Packing, also wenn die Palette gepackt wird, bis zum Abverkaufam POS erlangen wir mithilfe der neuen Technologie Transparenz darüber, wie der Abverkauf und die Performance der Promotion verlaufen.

Das heißt, Sie würden dann auch ganz genau sehen, wie lange die Ware auf der Palette im Verkaufsraum steht, wann die Ware weggeht, wann nachgeholt werden muss, und so sorgen Sie für einen optimalen Abverkauf, auf jeden Fall was den Nachschub betrifft?

Genau. Es gibt hier zwei Ansatzpunkte. Der erste ist die Transparenz. Mit unserer Technologie können wir darstellen, wenn eine Palette – z. B. am Montagmorgen zu Promotion-Beginn – nicht rechtzeitig auf der Verkaufsfläche ist. In einem solchen Fall wird ein entsprechender Alarm ausgelöst, der dem Filialleiter sagt: „Du hast eine Palette im Backstore, bring sie in den Frontstore. “Untersuchungen der Metro-Group haben gezeigt, dass 18 % der Display-Promotions am Montagmorgen nicht rechtzeitig auf der Verkaufsfläche sind. 7% landen erst gar nicht in der Filiale und 11% befinden sich im Backstore aber nicht im Frontstore. Das deckt sich auch mit meiner eigenen Erfahrung als Geschäftsleiter bei Real: Da gehen Sie am Montagmorgen mit dem Handzettel durch die Filiale und schauen ob alle Promotions da sind. Sie haben dann nur einen Snapshot des Tages, aber keine Informationen darüber, wie der Abverkauf über die Woche verläuft, was eine sehr wichtige Kenngröße ist: Hieraus ziehe ich wichtige Informationen für die nächste Promotion, die drei Monate später stattfindet. Ich muss also wissen, wie erfolgreich die letzte Promotion war, wie die Durchführung verlaufen ist, wie viel verkauft wurde, und ob ich nächstes Mal mehr oder weniger Ware bestellen muss.

Gelungene Transformation: TREND-REPORT-Redakteur Bernhard Haselbauer (re.) sprach mit Kai Derda, Country General Manager der Chep Deutschland GmbH, über die Digitalisierung des stationären Handels und die Zukunft von Display-Promotions.

Ich bin Kunde und setze Ihre Lösung ein. Logge ich mich im Internet ein um Daten einzusehen, die von der Palette geliefert werden? Wie funktioniert das?

Wir haben eine webbasierte Benutzeroberfläche, auf der sich unsere Kunden einloggen und auf der sie dann genau die Durchführung der Promotion nachverfolgen können. Auf diese Weise ist nachvollziehbar, wieviele Paletten zu welchem Zeitpunkt an welcher Stelle der Supply Chain sind. Auch der Abverkauf lässt sich sogenau nachverfolgen.

Sehen die Nutzer einen Plan vom Laden wo die Palette steht? Ich nehme an hier spielen auch Geodaten eine Rolle?

In der ersten Testphase haben wir von Real das Store-Layout bekommen. Wir wissen dadurch ganz genau, wie der Store aufgebaut ist und können durch die Lokalisierung der Palette auch exakt sagen, an welcher Stelle sich die Paletteim Store befindet.

Als komplette Indoor-Location?

Genau, was wieder zwei Vorteile bringt. Zum einen können Sie mit der Platzierung der Palette experimentieren, um eine Korrelation zwischen Platzierung und Abverkauf zu erkennen.  Wenn sie die Palette hinter dem Drehkreuz oder dem Eingang des Stores platziert haben, erreichen Sie einen anderen Abverkauf, als wenn sie sie anderswo im Store platzieren.

Also wo die wichtigsten und besten Verkaufsflächen sind?

Ja, das stimmt. Sie können natürlich über die Abverkaufs-Daten noch weitere Informationen generieren. Eine zweite Möglichkeit ist natürlich, dass Absprachen zwischen Handel und Industrie festlegen, wo sich die Industrie beim Handel einbucht. Es werden also bestimmte Platzierungen vordefiniert und dann wird geprüft, ob sie am Ende auch entsprechend umgesetzt wurden.

Wie agil kann die Supply Chain gestaltet werden? Wenn ich Daten sofort sehe, kann ich sofort reagieren, wenn etwas nicht stimmt?

Das ist das Problem dem Handel und Industrie gegenüberstehen. Derzeit sind noch keine Echtzeit-Daten verfügbar. Wenn Sie morgen einen Alert von uns bekommen, dass die Palette nicht auf der Verkaufsfläche ist, dann können Sie sofort reagieren. Sie können sicherstellen, dass der Umsatz, so wie er generiert werden soll, auch generiert werden kann. Wenn die Palette im Lager steht, können Sie keinen Umsatz machen.

Der zweite Aspekt betrifft die Systematik. Bei Display-Promotions ist die Supply Chain in der Regel so aufgebaut, dass Sie eigentlich während der Promotion-Woche keine Chance haben, Ware nachzubestellen. Denn die Displays mit Werbeware werden normalerweise komplett an die Filialen ausgeliefert, so dass kein zusätzlicher Bestand im Zentrallager vorhanden ist.
Sind die Abverkäufe zu stark, droht eine Out-of-Stock-Situation. Lassen Sie mich dies so erklären: Wenn die Ware auf dem Display ausgeht, macht der Kunde den Schritt zum Regal. Doch auch die Menge im Regal ist begrenzt, was dazu führt, dass es schnell zu Out-of-Stock-Situationen kommt, die dann zu Umsatzverlusten führen.
Mit unserem System Promotion Tracking³ und den damit erzeugten Echtzeit-Daten verläuft dieses Szenario anders: Das Handelsunternehmen schickt nicht alle verfügbaren Displays in die Filialen, sondern behält einen Restbestand von etwa 20 % im Zentrallager vor. Über die Daten aus Promotion Tracking³ weiß das Handelsunternehmen, wie die Abverkäufe verlaufen. Ist das Display leer, kann man sofort reagieren und Nachschub in die Filialen bringen. Das war bisher nicht möglich.

Gibt es eine digitale, managbare Plattform, um gewohnte Daten an bestehende IT-Landschaften zu übergeben und zu analysieren? Sie sagten eben, es gibt eine Weboberfläche, wo sich alles timen lässt. Wie sieht es aus, wenn der Kunde aus Ihrer Anwendung heraus für sein CRM-System Daten herausziehen möchte?

Grundsätzlich werden wir die Daten natürlich so aufbereiten, dass sie den gängigen Standards entsprechen. Dies bedeutet, dass unsere Kunden die Daten mit Schnittstellenfunktionen auchentsprechend weiter nutzen können.
Unser vorrangiges Ziel ist aber, nicht nur Daten zur Verfügung zu stellen, sondern ausgewertete Informationen. Wir hören von vielen unserer Kunden, dass sie Daten im Überfluss haben, mit diesen aber nicht arbeiten können, da konkrete Informationen fehlen. Das ist ganz klar der Anspruch unserer Kunden.

Wie ich eben gesehen habe, gibt es auch eine Interaktion am POS. Wollen Sie dazu ein paar Worte sagen?

Das ist eine sehr spannende Geschichte, die sich eigentlich erst im weiteren Verlauf der Entwicklung ergeben hat. Im Rahmen der Vorstellung unserer Idee sind wir mit der Firma Payback in Kontakt gekommen. Es war sehr interessant, dass Payback hier für sich die Chance erkannt hat, mit seinen Coupons näher an den Kunden heranzutreten und so den direkten Schritt an den POS zu machen. Das wird durch Promotion Tracking³ gewährleistet. Unsere Palette ist direkt mit der Ware verbunden –Sie kommen also nie so nah an die Ware wie mit unserer Palette. Das war die Idee, die damals entwickelt wurde: den Beacon auch dafür zu nutzen, um eine Interaktion zwischen Payback und den Kunden zu generieren. Wie funktioniert das? Payback schickt heute elektronische Coupons an das Smartphone der Payback-Kunden. In der Woche vor der Aktionerhalten diese den Coupon direkt auf das Handy gesendet und gehen dann z. B. am Wochenende einkaufen. Wenn die Payback-App auf dem Smartphone dann Kontakt mit dem Beacon aufnimmt, überprüft das Payback-System nochmal, ob ein Coupon an den Kunden verschickt wurde. Hat dieser den Coupon erhalten, wird er sobald er sich der Ware nähert durch eine Push-Nachricht an die Promotion erinnert. Das funktioniert in einem Umkreis von 5 bis 8 Meter um das Display.

Die Ergebnisse, die wir damit erzielt haben, waren gigantisch.Die Interaktion ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Payback verzeichnete eine wesentlich höhere Einlöse-Quote von Coupons. Der Handel und die Industrie generierten insgesamt mehr Umsatz. Zuletzt können wir bei CHEP eine Palette schneller wiedervermieten, wenn diese zügig abverkauft ist.

Datenschutztechnisch ist ja eigentlich alles geregelt. Können Sie bei Ihren Kunden Umsatzsteigerungen durch die neue Technologie generieren?

Ja. Wir haben festgestellt, dass sich die Käuferquote insbesondere durch die Direktansprache der Kunden im Markt nahezu verdoppelt hat. Im Vergleich zur herkömmlichen Bewerbung der Promotion mit Coupons haben wir eine 88-prozentige Steigerung erzielt. Mit dieser enormen Steigerung hatte keiner gerechnet. Dies zeigt, wieviel Potenzial in dieser Lösung steckt.

Ein zweites Ergebnis der Interaktion ist, dass diejenigen Kunden, die Ware von der Promotion kauften, im Durchschnitt auch mehr Artikel erworben und damit mehr Geld ausgegeben haben. Auch hier wurde mit einer Steigerung um über 100 % der Umsatz mehr als verdoppelt. Wir haben mit unseren Partnern in der Gruppe diskutiert, woran diese enorme Steigerung liegen kann.

Vielleicht haben die Verbraucher auch Spaß an der funktionierenden Technik.

Unsere Theorie ist, dass je näher eine Information über eine Verkaufsaktion an den Kaufakt tritt und je kürzer die zeitliche und räumliche Distanz ist, desto besser wirkt die Promotion.

Wir wird sich Ihrer Meinung nach das Einkaufsverhalten im Kontext der Automatisierung in Zukunft für Kunden und Händler entwickeln? Sie sind ja jetzt schon in einem recht innovativen Bereich, wird es noch innovativer, gibt es noch Steigerungen in dem Kontext oder wartet man erst ab, bis sich überhaupt erstmal diese Technologie durchgesetzt hat?

Das Smartphone ist heute nicht mehr wegzudenken. Auf dem ECR-Tag, auf dem wir vor Kurzem den ECR Award gewonnen haben, hat jemand behauptet, die Deutschen haben mehr Smartphones als Zahnbürsten. Das ist die Welt, in der wir leben. Das Smartphone ist zu einem ganz normalen Alltagsinstrument geworden. Funktionen, wie zum Beispiel die Payback App, werden dafür sorgen, dass das Smartphone im Lebensmittel-Einzelhandel zum täglichen Begleiter wird. Wir sprechen ja auch über Themen wie freies WLAN für Kunden. Wenn diese Entwicklungen noch voranschreiten, wird sich das Einkaufsverhalten weiter verändern. Ein Stück weit sind dem Ganzen natürlich auch Grenzen gesetzt. Sie können Kunden am POS z. B. nicht 15 verschiedene Push-Notes zuschicken.

Aber man hat ja jetzt mit Payback auch die genauen Vorlieben, man weiß wo die Coupons eingelöst werden., deshalb ist es ja von da her – vom Produkt, den Kunden genau auf seine Schiene anzusprechen

Das A und O ist, dass diese Informationen für den Kunden relevant sind.

Herr Derda, was halten Sie von der Theorie. Wenn sich in Zukunft die Einkaufsprozesse automatisieren, gerade eben im Einzelhandel, d.h. unsere persönlichen, täglichen Einkäufe, sodass vielleicht irgendwann der Prozess vorkommt, ich geh mit meinem Smartphone los, und lasse einkaufen für mich, da gibt es ja schon diesen Dash-Button. Was meinen Sie, werden die Produkte des Einzelhandels damit verwässert, weil die Marke nicht mehr nach vorne tritt, da die „Technik“ für mich einkauft. Haben Sie da eine Meinung dazu oder?

Ich denke, dass sich dieses Zukunftsszenario eher nicht verwirklichen wird. Ich sehe den Trend, dass immer mehr Markenprodukte bei Discountern gelistet werden. Zum einen wird versucht, Kunden über die Marke in die Discounter zu holen. Zum anderen geschieht das durch neue Technologien. Bisher hatte der Handel die Hoheit am POS. Durch neue Technologien erhält die Industrie in Zukunft die Möglichkeit, wieder mehr in die Kommunikationshoheit am POS einzugreifen und dementsprechend ihre Marken zu positionieren. Vor diesem Hintergrund sehe ich durchaus einen der Verwässerung entgegengesetzten Trend, nämlich dass Marken wieder vermehrt in den Vordergrund rücken.

Sie haben den ECR Award gewonnen. Welche Erfahrungen haben Sie aus dem Referenzprojekt mit Ihren Partnern gewonnen und wie bringen Sie diese in zukünftige Projekt ein?

Unser eindeutiges Erfolgsrezept war, dass wir wirklich auf Augenhöhe agiert haben.  Alle Partner hatten ein gemeinsames  Ziel vor Augen: Promotion Tracking³ bis zur Marktreife zu bringen. Es sollte also nicht nur bei einem Projekt bleiben: wir waren alle überzeugt, dass Promotion Tracking³ auch in der Praxis erfolgreich umzusetzen ist. Wir haben eine gemeinsame Sprache gesprochen, und wussten auch relativ gut wo die Probleme sind und wie wir diese Probleme angreifen müssen.

 

Sehr geehrter Herr Derda, vielen Dank für das Interview!

 

Den exklusiven Beitrag zu dem geführten Interview finden Sie hier:

Weitere Informationen unter:
www.chep.com

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