Pre-Loved-Geschenke: Das ungenutzte Handelspotenzial im Weihnachtsgeschäft
Second Hand ist kein Randphänomen mehr – sondern Teil eines grundlegenden Wandels im Konsumverhalten. Das zeigt der aktuelle eBay Recommerce Report 2025 ebenso deutlich wie eine neue Studie von eBay Deutschland und dem ECC KÖLN. Besonders sichtbar wird dieser Wandel im Weihnachtsgeschäft: Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten verschenken bewusst Pre-Loved-Produkte – also gebrauchte oder professionell wiederaufbereitete Artikel. Nachhaltigkeit und Preisbewusstsein treffen dabei auf einen Markt, der auf diese Nachfrage bislang nur unzureichend reagiert.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut eBay Recommerce Report können sich 73 Prozent der Befragten vorstellen, zu Weihnachten ein Second-Hand-Geschenk zu machen. 37 Prozent geben an, in diesem Jahr sogar mehr Pre-Loved-Geschenke zu kaufen als im Vorjahr. Was früher als Notlösung galt, wird zunehmend als bewusste Kaufentscheidung wahrgenommen – auch bei höherwertigen Produkten.
Pre-Loved bezeichnet dabei allgemein gebrauchte Artikel, während Refurbished Produkte meint, die geprüft, aufbereitet und meist mit Garantie erneut verkauft werden. Beide Segmente stehen exemplarisch für den wachsenden Recommerce-Markt.
Eine parallel veröffentlichte Studie von eBay Deutschland und dem ECC KÖLN bestätigt diesen Trend und zeigt zugleich eine deutliche Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot. 78 Prozent der Konsument*innen halten gebrauchte und wiederaufbereitete Produkte für einen wichtigen Bestandteil des Handels. Gleichzeitig kaufen 37 Prozent Pre-Loved häufiger als noch im Vorjahr. Auf der Angebotsseite jedoch zeigt sich Zurückhaltung: Nur rund ein Drittel der Händler*innen bietet aktuell gebrauchte oder wiederaufbereitete Ware an – und ebenfalls nur 33 Prozent sehen darin überhaupt ein relevantes Wachstumspotenzial.
Genau hier liegt das verschenkte Potenzial des Handels. Während Konsumentinnen Pre-Loved längst als normal empfinden, behandeln viele Händlerinnen das Thema noch als Experiment oder zeitlich begrenzte Aktion. Gerade im Weihnachtsgeschäft, in dem Kaufvolumen, Geschenkbereitschaft und Preissensibilität zusammentreffen, entsteht so eine strukturelle Angebotslücke.
Simone Sievernich, verantwortlich für den Bereich Refurbished bei eBay Deutschland, bringt diesen Wandel auf den Punkt: Pre-Loved sei kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck eines neuen Konsumverständnisses. Händler, die keine zirkulären Angebote machten, riskierten nicht nur Umsatzeinbußen, sondern auch den Verlust der Anschlussfähigkeit an ihre Kundschaft. Plattformen wie eBay ermöglichen es dem Handel, Retouren, Vorführmodelle, geprüfte Gebrauchtware oder refurbished Produkte mit vergleichsweise geringem Aufwand einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Für den stationären und digitalen Handel eröffnet sich damit ein strategisches Wachstumsfeld: Recommerce kann Margen stabilisieren, neue Kundengruppen erschließen und gleichzeitig regulatorische sowie gesellschaftliche Erwartungen an Nachhaltigkeit erfüllen. Pre-Loved ist längst im Mainstream angekommen – die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Konsument*innen diese Produkte kaufen, sondern ob der Handel bereit ist, dieses Potenzial systematisch zu nutzen.
Textlizenz:
Creative Commons CC BY-ND 4.0
https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/
Trend Report Redaktion 16.12.205













