New Web, Same Humans?!

David Mattin über Status, Werte und Kollaboration als Grundbedürfnisse im Web3


„If we want to understand the impact of Web3 on our collective and individual lives, we must see emerging technologies through the lens of fundamental human needs“

David Mattin, Autor des Newsletters “New World Same Humans”

Wer den Einfluss des Web3 auf unser Leben verstehen möchte, der muss neue Technologien aus Sicht der menschlichen Grundbedürfnisse betrachten – mit dieser These startete David Mattin in die erste Session der asynchronen Konferenz „Beautiful Business in Web3.

Damit hatte der Gründer und Autor des bekannten Newsletters New World, Same Humans direkt die Aufmerksamkeit aller Teilnehmenden gewonnen. Denn was hat die Maslowsche Bedürfnispyramide mit dem Metaverse zu tun?

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist: Das Web3 macht sich die Wahrheiten über die menschliche Natur zunutze und eröffnet neue Wege, um unsere grundlegenden Bedürfnisse wie Kollaboration, Werte und Status zu stillen. Auf diese Weise entstehen neue Trends und Verhaltensweisen.

Kollaborationen: Menschliche Grundbedürfnisse im Web3

Als Menschen besitzen wir eine einzigartige Fähigkeit, wie David Mattin erläutert. Wir arbeiten gerne in Gruppen, und wir sind in der Lage, unsere Strategien und Verhaltensweisen entsprechend anzupassen. In der Vergangenheit hat dies zu stark hierarchisch geprägten Strukturen geführt. Traditionelle Unternehmen funktionieren deshalb beispielsweise stark zentralisiert. Der Deal war hier bislang: Wir opfern einen Teil unserer persönlichen Autonomie und erhalten im Gegenzug mehr Sicherheit, Komfort und Wohlstand.

Das Web3 hebelt diese bestehenden Strukturen mit seinem Motto „Power to the People“ auf. Das Ziel: den Einfluss mit Hilfe der Blockhain radikal zu dezentralisieren und dadurch das Internet, die Gesellschaft und den Demokratiegedanken zu transformieren.

Demokratische Führung durch dezentrale Organisationen

Einige Unternehmen machen dies in der realen Welt bereits vor. Sogenannte DAOs (dezentrale, autonome Organisationen) setzen auf die Weisheit eines Kollektivs. Damit sind sie aktuell noch sehr experimentell unterwegs.

Doch lässt sich Führung durch DAOs wirklich demokratisieren? Sind sie wirklich in der Lage, die Art und Weise zu revolutionieren, wie Unternehmen Führung definieren und leben?

Werte: Bitcoin anstatt Euro, Dollar und Franken

Werte, beziehungsweise Wertemittel tauschen wir seit Anbeginn des menschlichen Daseins aus. Heutzutage ist Geld als Zahlungsmittel der prominenteste Vertreter. Im Web3 besteht mit Bitcoin – obwohl die bekannteste Innovation des Web3 – aktuell lediglich ein digitales Äquivalent zum Geld, keine wirkliche Innovation.

Kann Blockchain neue Wege schaffen, wie wir Werte kreieren, aufbewahren und austauschen? Und welche Dinge lassen sich noch mithilfe der Blockchain bauen?

Status: NFTs statt physischer Statussymbole

Statussymbole sind ein weiteres, menschliches Grundbedürfnis, stehen sie doch für ein hohes Ansehen innerhalb der Gesellschaft. Im Web3 werden klassische Statussymbole wie schnelle Autos, edle Kleidung oder teurer Schmuck durch virtuelle Pendants ersetzt. Allen voran aktuell NFTs.

Welche virtuellen Statussymbole werden im Web3, im Metaverse noch geschaffen werden?


Was ist, wenn sich das Versprechen des Web3 – „Power to the People“ – zur dunklen Seite hinwendet und in einer noch stärker geteilten, noch ungerechteren Welt resultiert?

David Mattin

Die schwierige Frage nach Macht und Einfluss im Web3

Wie können wir sicherstellen, dass das Web3 und die damit verbundenen Technologien zum Nutzen aller und nicht zu deren Schaden eingesetzt werden? Diese wichtige Frage stellt David in seinem Talk und verweist auf die die Handvoll Konzerne, die aktuell das Web3 und das Metaverse vorantreiben. Allein die jüngste Kryptokrise hat gezeigt, wie instabil und unbeständig diese Welt noch ist.

Wie aber können wir potenzielle Machtkonflikte zwischen den verschiedenen Parteien vermeiden? Also jenen Menschen, die eine dezentralisierte Zukunft anstreben, und der veränderungsscheuen Menge, die glücklich mit dem aktuellen Status quo ist?

Und was wäre, wenn das Web3 eine neue kulturelle und finanzielle Oberschicht hervorbringt, anstatt uns von diesen Machtstrukturen zu befreien? Und die im Grunde aus der alten besteht?

Zu guter Letzt: Was ist, wenn sich das Versprechen des Web3 – „Power to the People“ – zur dunklen Seite hinwendet und in einer noch stärker geteilten, noch ungerechteren Welt resultiert?

Auch die ersten Internet-Pioniere haben von der Dezentralisierung geträumt. Wie können wir sicherstellen, dass sich die Geschichte des Web 1., des Web 2.0 nicht auch im Web 3.0 wiederholt?

Die Zukunft sind wir

Wir stehen beim Thema Web3 noch ganz am Anfang. Viele Fragen sind offen, vieles muss diskutiert werden. Das macht David in seinem Vortrag klar.

Doch er verdeutlicht auch, was der Schlüssel zum Erfolg ist: Wir müssen Technologien durch die Augen unseres menschlichen Wesens betrachten. Wir müssen Menschen und ihre Lebensumstände einbeziehen. Schließlich liegt es an uns: Wir sind für die Zukunft verantwortlich, in der wir leben wollen. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen Regulierung, Kontrolle, Innovation und demokratisierter Technologie.

Wir sind dafür verantwortlich, jene Zukunft zu gestalten, in der wir leben wollen – einschließlich des Gleichgewichts zwischen Regulierung, Kontrolle, Innovation und demokratisierter Technologie.

Mehr Informationen zur asynchronen Konferenz zum Thema Web3 und Metaverse gibt es unter dem folgenden Link. Alle Vorträge von David Mattin gibt es außerdem zum Nachhören:


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