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Nach der Ebbe kommt die Ebbe – Nachhaltig durchs Zinstief

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Februar 10, 2015 veröffentlicht von

Nach der Ebbe kommt die Ebbe - Nachhaltig durchs Zinstief

Die Erde bebt – in vielerlei Hinsicht: ökonomisch und ökologisch ist die Welt auf einem gefährlichen Pfad. Grund: die großen dummen Jungs und Mädels der Weltpolitik haben ihre Waffenarsenale geöffnet, fuchteln drohend mit Kriegsspielzeugen und setzen diese auch gezielt ein. Hinzu kommt: Das süße Leben auf Pump, an das sich die Menschen zu gewöhnen scheinen, rüttelt an den Strukturen der Demokratie und der Marktwirtschaft. Das globale Geldsystem ist aus den Fugen geraten, weil einst unabhängige Notenbanken von Regierungen als Handlanger missbraucht werden. Nicht die Kraft des Marktes, sondern das Diktat der Politik beherrscht die Weltwirtschaft – leider!

Christine Lagarde, IWF

Christine Lagarde vom IWF mahnt zur Vorsicht, denn „die Schuldenkrise ist noch nicht ausgestanden.“

Notenbanken versuchen die Krise zu lösen, indem sie sehr viel und sehr billiges Geld als Allheilmittel im Kampf gegen das „Übel Deflation“ einsetzen. So soll die ermüdende Konjunktur wieder auf Trab gebracht werden. Nach der US-Notenbank Fed steuert jetzt auch die EZB ihre Geldpolitik mit dem Mittel des Quantitative Easing (QE). Beim QE handelt es sich um den Aufkauf von Staatsanleihen durch Notenbanken, die sich somit direkt als Staatsfinanzierer vereinnahmen lassen. Anleger jubeln, weil sie sich der Illusion hingeben, mit noch mehr und noch billigerem Geld seien die gigantischen Probleme Europas zu lösen. In Berlin jubelt die Bundesregierung, weil sie einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorlegen kann. Das Schuldenproblem ist damit jedoch noch lange nicht gelöst. Und so hebt Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, erneut warnend den Zeigefinger.

Doch es naht Hilfe in Form eines schwachen Ölpreises, der von 100 $ auf unter 50 $ je Barrel gefallen ist. So wird der Konsum durch fallende Energiepreise angetrieben. Wenn Verbraucher weniger Geld für Öl, Benzin, Diesel und andere Energieprodukte ausgeben müssen, bleibt ihnen mehr Liqui­dität für andere Ausgaben. Dies hilft gerade den von Energie-Importen abhängigen modernen Volkswirtschaften wie Japan, Deutschland und anderen europäischen Staaten sowie China und Indien ökonomisch aus dem Schneider. So scheint es jedenfalls. Aber es gibt auch eine Kehr­seite der Medaille: Denn schwächere Ölpreise erhöhen das Deflationsrisiko – und die Deflation wird von Notenbanken als großes Problem gesehen.

In einem solch verwirrenden Umfeld tun sich Anleger schwer, den richtigen und nachhaltigen Weg durch das Zinstief zu finden. Staatsanleihen von Industrieländern – eine in der Vergangenheit wichtige Anlageklasse – sind wegen geringer Renditen unattraktiv. In der Schweiz werden Anleger sogar mit Negativ-Habenzinsen von 0,75 Prozent bestraft. Vieles spricht dafür, dass Negativzinsen auch in anderen Ländern auf breiter Front Einzug halten könnten. Ergo: Geld hat einen nur geringen Wert. Wie kommen Anleger nachhaltig durch das aktuelle Zinstief? Kapitalmarkt-Prognosen sind schwer, weil künftige Trends nicht von den Kräften des Marktes, sondern von fragwürdigen Entscheidungen der Politiker abhängen.
Geld wird bei Suche nach liquiden interessanten Anlage-Alternativen vor allem an Aktien- und Devisenmärkten fün­dig. Sachwerte wie Immobilien, land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen, Kunst oder Rohstoffe könnten von einer möglichen „Flucht in Substanz“ profitieren. Allerdings hat sich z.B. bei Gold gezeigt, dass wenig liquide Märkte für Anleger gefährlich sind. Dies auch, weil Politiker ihren Einfluss (oft auch über Banken) geltend machen. Seit Jah­ren wird das „Krisenmetall“ Gold als eine Anlage-Alternative für unsichere politische Zeiten angepriesen. Aber: Weder Regierungen, noch große Investmentbanken haben Interesse an einem starken Goldpreis. Wird aber nur ein geringer Teil des derzeit global vagabundierenden Geldes in die Edelmetalle gelenkt, könnte es hier zu einem starken Preisanstieg kommen. Dann wird es am Goldmarkt möglicherweise kein Halten mehr geben, so dass Regierungen zur Vermeidung haussierender Goldpreise ähnlich wie in den 30er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts über ein Verbot des privaten Goldbesitzes nachdenken dürften.


Alternativen

Sicher in Aktien investieren

  1. Kaufen Sie DAX & Co.: Deutsche Aktien haben im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte zwischen sieben und acht Prozent Rendite im Jahr vor Steuern gebracht. Wer einen langen Atem hat, braucht nichts zu befürchten. Nach 13 Jahren liegt das Verlustrisiko bei null Prozent.  Dies trotz der Blase am Neuen Markt im Jahr 2001, der Lehman-Pleite und der Euro-Staatsschuldenkrise.
  2. Mit Sektorenfonds / Investmentfonds z. B. lässt sich das Risiko im Vergleich zur Einzelaktie senken und an den Kursgewinnen von boomenden Branchen partizipieren. Wie zum Beispiel Sektorenfonds im Bereich Emerging Markets.
  3. Interessant sind auch dividendenstarke Aktien. Sie schütten regelmäßig wie eine Anleihe aus, derzeit im Schnitt fast drei Prozent und damit mehr als Zinspapiere.
  4. Am meisten Sinn machen solche Aktienanlagen mit Indexfonds (ETF). Sie bilden Aktienindizes wie den Dax nach und entwickeln sich genauso. Mit Gebühren von 0,15 Prozent im Jahr sind sie deutlich günstiger als normale Fonds.

 

Vor allem mit einer Frage müssen sich Kapitalanleger beschäftigen: Wie verschieben sich anlagepolitische Koordinaten, wenn sich die Notenbanken tatsächlich entschließen würden, die Zinsen wieder steigen zu lassen? Derzeit ist ein solches Zins-Szenario allerdings kaum denkbar, weil daraus die reale Gefahr einer Rezession abzuleiten ist. In einem solchen Falle müssen steigende Zinsen anfangs nicht gleichbedeutend mit einem Rückzug der Anleger aus Aktien sein. Im Gegenteil: Im Umfeld steigender Zinsen droht zunächst den Anleihenkursen Unheil. All jene, die auf niedrigem Renditeniveau in Anleihen investiert haben, müssen größere Kursverluste in ihren Bondmarkt-Portfolios befürchten. So könnte Geld von Anleihen in Aktien umgeleitet werden. Ergo: Der Run auf Aktien und andere Anlageklassen könnte sich in einem steigenden Zinsumfeld vorübergehend noch verstärken.

Hinzu kommt: Werden bei der Bewertung von Anlageklassen traditionelle Mess­ziffern zugrunde gelegt, dann sind Aktien attraktiv. Das gilt z. B. bei einem Vergleich des Kurs/Gewinn-Verhältnis­ses (KGV) von Aktien mit dem Kurs/Ertrags-Verhältnis (KEV) von Anleihen. In den USA werden Aktien mit dem rund 19fachen der erwarteten Gewinne bewertet, während das KEV von Staats­anleihen mit 10-jähriger Laufzeit bei rund 55 liegt. Ein klares Plus für Aktien also. Hinzu kommt, dass US-Aktien über Dividenden höhere Renditen (rund drei Prozent) abwerfen als Staatsanleihen (1,81 Prozent).
Aber – Aktien sind nicht risikolos. Nach dem starken Kursanstieg vergangener Jahre droht Dividendenpapieren heute vor allem von geopolitischer Seite Unheil. Wer in Aktien investiert, sollte das durch eine Auswahl dividendenstarker Einzelwerte tun und zudem Sammelvehikel (Fonds, ETF etc.) auf Länder- oder Branchenindizes wählen. Investoren müssen auch Währungsrisiken berücksichtigen. Nach einem starken Kursverlust des Euro gegenüber dem US-Dollar von 1,58 auf 1,16 müssen sich Anleger des Risikos von Dollar-Aktien bewusst sein. Russische Aktien sind dagegen nach dem massiven Verfall des Rubels für Contrarians unter Währungsaspekten mittelfristig spekulativ interessant.

Werden sich Emerging-Markets-Aktien besser entwickeln als die Börsen großer Industrieländer? Grundsätzlich ja. Es sind vor allem die notwendigen Technologie-Sprünge in Schwellenländern, die bei Anlegern für Phantasie sorgen. Sinkende Energiepreise liefern Rückenwind für Verbraucher in China und Indien, während Länder wie Russland und Brasilien als Energieproduzenten zunächst noch größere Probleme bekommen könnten, sagt Fondsmanager Manu Vandenbulck von ING Investment Management. Der Fachmann favorisiert Strom- und Wasserversorger und Infrastruktur-Betreiber, die von der starken Urbanisierung in den Emerging Markets profitieren. Das Thema Energie ist auch unter Nachhaltigkeitsaspekten interessant. Georg Hetz von UDI – einem Anbieter ökologischer Kapitalanlagen – sagt, das Thema Solarenergie sei wieder in Deutschland angekommen. Zudem wird in diesen Tagen ein Solarboom auf dem Schwarzen Kontinent und zum Beispiel auch in Indien ausgerufen. Anleger können sich freuen: Es besteht noch Hoffnung.

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