Mehr Autokratien als Demokratien: Die Weltordnung verschiebt sich

Die globale politische Landschaft verändert sich deutlich. Eine aktuelle Analyse der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass demokratische Systeme weltweit zunehmend unter Druck geraten. Der neue Transformationsindex (BTI) untersucht regelmäßig die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Transformations- und Schwellenländern – und kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Autokratische Systeme haben inzwischen die Mehrheit.

Insgesamt analysiert der Index 137 Staaten. Davon werden mittlerweile rund 56 Prozent autokratisch regiert, während Demokratien nur noch eine Minderheit bilden. Noch vor rund zwanzig Jahren war die Situation umgekehrt: Damals hatten demokratische Systeme mit etwa 55 Prozent die Mehrheit. Der langfristige Trend zeigt somit eine deutliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse.

Die Studie beschreibt diese Entwicklung als fortschreitende „Autokratisierung“ vieler politischer Systeme. Gemeint ist damit nicht nur der Übergang zu klar autoritären Regimen, sondern auch der schleichende Abbau demokratischer Standards innerhalb formal demokratischer Staaten.

Demokratische Institutionen geraten weltweit unter Druck
Besonders kritisch sehen die Autoren der Studie den Zustand zentraler demokratischer Institutionen. In vielen Ländern schwächen politische Eliten gezielt rechtsstaatliche Strukturen, beschneiden die Gewaltenteilung oder untergraben die Unabhängigkeit von Gerichten und Medien.

Der Transformationsindex bewertet demokratische Qualität nicht allein anhand von Wahlen, sondern auch anhand von Faktoren wie Rechtsstaatlichkeit, politischer Beteiligung und der Stabilität demokratischer Institutionen. Wird einer dieser Mindeststandards unterschritten, gilt ein politisches System bereits als autokratisch.

Besonders problematisch ist laut Analyse, dass selbst in Staaten mit formell demokratischen Strukturen zunehmend politische Macht konzentriert wird. Beispiele für solche Entwicklungen sieht der Bericht etwa in Ländern wie Indien, Ungarn oder Mexiko, in denen demokratische Verfahren zwar existieren, gleichzeitig aber politische Freiheiten eingeschränkt werden.

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Demokratie vs. Autokratie – zentrale Zahlen der Bertelsmann-Studie

  • 137 Staaten wurden im aktuellen Bertelsmann Transformation Index untersucht.
  • 76 Länder gelten als Autokratien – das entspricht rund 56 % der untersuchten Staaten.
  • 61 Staaten werden als Demokratien eingestuft – etwa 44 %.
  • Zwei Drittel der Autokratien gelten als sogenannte „harte Autokratien“, in denen politische Rechte und Bürgerfreiheiten stark eingeschränkt sind.
  • Vor rund 20 Jahren war die Situation umgekehrt: Damals hatten Demokratien noch die Mehrheit.
  • In vielen Ländern findet laut Studie eine „schleichende Autokratisierung“ statt – demokratische Institutionen bestehen formal weiter, verlieren aber zunehmend an Wirkung.
  • Besonders kritisch bewerten die Forscher den Abbau von Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit und Gewaltenteilung.

Quelle: Bertelsmann Stiftung – Transformation Index (BTI)
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Harte Autokratien dominieren einen großen Teil der Welt
Innerhalb der autokratischen Systeme unterscheidet der Index zwischen moderaten und sogenannten „harten Autokratien“. Letztere zeichnen sich durch massive Einschränkungen von Grundrechten aus.

Zu diesen Staaten zählen unter anderem Russland, China, Iran oder Nordkorea. In solchen Systemen werden politische Opposition, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit häufig systematisch unterdrückt. Zwei Drittel der weltweit identifizierten Autokratien gehören inzwischen zu dieser Kategorie.

Damit verändert sich auch das geopolitische Gleichgewicht. Autoritäre Staaten treten zunehmend selbstbewusst auf internationaler Bühne auf und versuchen, alternative politische Modelle zur liberalen Demokratie zu etablieren.

Demokratische Rückschritte auch in etablierten Staaten
Die Studie konzentriert sich zwar auf Transformations- und Schwellenländer und schließt etablierte Demokratien wie Deutschland, Großbritannien oder Kanada aus der Untersuchung aus. Dennoch beobachten die Forscher auch dort zunehmend problematische Entwicklungen.

In mehreren westlichen Demokratien werden politische Institutionen stärker polarisiert, Vertrauen in staatliche Strukturen sinkt, und populistische Bewegungen gewinnen an Einfluss. Auch in den USA warnen Beobachter vor einer schrittweisen Erosion demokratischer Normen und politischer Stabilität.

Diese Entwicklungen zeigen, dass Demokratie nicht als dauerhaft gesicherter Zustand betrachtet werden kann, sondern kontinuierlich gepflegt und verteidigt werden muss.

Zivilgesellschaft als Gegenkraft
Trotz der insgesamt pessimistischen Diagnose sieht die Bertelsmann-Studie auch positive Entwicklungen. In vielen Ländern wächst der Widerstand gegen autoritäre Politik. Protestbewegungen, unabhängige Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen spielen eine wichtige Rolle bei der Verteidigung demokratischer Strukturen.

Beispiele für solche gesellschaftlichen Gegenbewegungen finden sich etwa im Iran, in Sri Lanka oder in Madagaskar, wo Bürgerproteste politischen Druck auf autoritäre Regierungen ausüben.

Für die Forscher ist dies ein entscheidender Hinweis darauf, dass die demokratische Idee weiterhin eine starke gesellschaftliche Anziehungskraft besitzt.

Demokratie bleibt ein globales Zukunftsprojekt
Der Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung macht deutlich, dass sich die politische Weltordnung derzeit in einer Phase grundlegender Umbrüche befindet. Während autoritäre Systeme in vielen Regionen an Einfluss gewinnen, geraten demokratische Institutionen unter wachsenden Druck.

Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch auch, dass demokratische Werte in vielen Gesellschaften weiterhin stark verankert sind. Protestbewegungen, politische Reformen und gesellschaftlicher Druck können autoritäre Entwicklungen zumindest teilweise bremsen.

Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet daher nicht nur, ob Demokratien bestehen bleiben – sondern wie sie sich erneuern und an neue gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Herausforderungen anpassen können.

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