Jeder zweite KI-Nutzer shoppt bereits mit ChatGPT statt Google

Die Art und Weise, wie Verbraucher im Internet nach Produkten suchen, verändert sich derzeit grundlegend. Lange Zeit war die klassische Google-Suche der Ausgangspunkt für Onlinekäufe: Nutzer gaben einen Produktnamen ein, klickten sich durch Shops, Vergleichsportale und Bewertungen.

Mit dem Aufstieg generativer KI-Systeme wie Chatbots verschiebt sich dieses Verhalten. Eine aktuelle Studie des Investmentunternehmens Verdane zeigt, dass immer mehr Verbraucher künstliche Intelligenz direkt für Kaufentscheidungen einsetzen. Chatbots werden damit zunehmend zu digitalen Einkaufsberatern – und könnten die Rolle klassischer Suchmaschinen im E-Commerce langfristig verändern.

KI wird zum neuen Einstiegspunkt für Onlinekäufe

Die Verdane-Studie basiert auf einer Befragung von 6.488 Verbrauchern in Europa, darunter auch Teilnehmer aus Deutschland. Das zentrale Ergebnis:

54 Prozent der deutschen KI-Nutzer verwenden bereits Chatbots beim Online-Shopping.

Damit hat sich künstliche Intelligenz innerhalb kurzer Zeit von einem Experimentierwerkzeug zu einem praktischen Einkaufshelfer entwickelt. Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei komplexeren Kaufentscheidungen, bei denen Nutzer Informationen vergleichen oder Empfehlungen suchen.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie gehören:

– 54 % der deutschen KI-Nutzer verwenden Chatbots beim Online-Shopping
– 78 % nutzen KI für Produktvergleiche
– 30 % bereiten größere Käufe über KI vor, etwa Reisen oder Elektronik
– 37 % der bisherigen Nichtnutzer würden KI ausprobieren, wenn sie den Ergebnissen stärker vertrauen könnten

Gerade bei Produkten mit vielen Varianten – etwa Smartphones, Laptops oder Flugreisen – hilft KI dabei, Angebote schnell zu strukturieren, Vor- und Nachteile zu erklären und passende Optionen vorzuschlagen.

Produktvergleich ist die zentrale „Killer-Anwendung“

Besonders deutlich wird der Nutzen generativer KI beim Vergleich von Produkten und Dienstleistungen. Laut Studie nutzen 78 Prozent der KI-Shopping-Nutzer Chatbots genau für diesen Zweck.

Der Grund ist einfach: Während klassische Suchmaschinen meist eine Liste von Links liefern, können KI-Systeme Informationen direkt zusammenfassen und strukturieren. Nutzer erhalten beispielsweise:

– Vergleichstabellen von Produkten
– Empfehlungen nach Preis-Leistungs-Verhältnis
– Hinweise auf Alternativen
– Zusammenfassungen von Kundenbewertungen

Damit verschiebt sich der Informationsprozess: Der Nutzer klickt sich weniger durch einzelne Webseiten, sondern lässt sich von der KI eine kuratierte Auswahl präsentieren.

Reisen und Elektronik besonders häufig über KI recherchiert

Die Studie zeigt außerdem, dass bestimmte Branchen besonders stark vom KI-Shopping profitieren.

Reisen und Elektronik gehören zu den Bereichen mit der höchsten Nutzung. Bereits rund 30 Prozent der Befragten nutzen KI-Tools, um solche Käufe vorzubereiten.

Typische Anwendungen sind:

– Reiseplanung und Hotelvergleiche
– Empfehlungen für Smartphones oder Laptops
– Analyse von Preis-Leistungs-Unterschieden
– Zusammenfassung von Testberichten

Gerade bei komplexen Kaufentscheidungen kann KI den Rechercheaufwand erheblich reduzieren.

Vertrauen bleibt die größte Hürde

Trotz des schnellen Wachstums gibt es weiterhin eine wichtige Bremse: Vertrauen in die Ergebnisse der KI.

Laut Verdane-Studie geben 37 Prozent der Nichtnutzer an, sie würden KI-Shopping ausprobieren, wenn sie den Empfehlungen stärker vertrauen könnten.

Die wichtigsten Bedenken betreffen:

– mögliche Fehler oder falsche Antworten der KI
– mangelnde Transparenz bei Datenquellen
– Sorge vor manipulativen Empfehlungen

Für Anbieter von KI-Tools bedeutet das: Glaubwürdigkeit, nachvollziehbare Quellen und transparente Empfehlungen werden zu zentralen Erfolgsfaktoren.

Was bedeutet das für Unternehmen und Shopbetreiber?

Die Ergebnisse der Studie haben weitreichende Konsequenzen für den digitalen Handel. Wenn Verbraucher zunehmend über KI einkaufen oder Kaufentscheidungen vorbereiten, verändert sich auch die Sichtbarkeit von Produkten im Internet.

Für Unternehmen ergeben sich mehrere strategische Konsequenzen:

Erstens: KI wird zu einem neuen Vertriebskanal. Neben Suchmaschinen, Social Media und Marktplätzen entsteht mit Chatbots ein zusätzlicher Zugang zum Kunden.

Zweitens: Strukturierte Produktdaten werden wichtiger. KI-Systeme arbeiten besonders gut mit klar strukturierten Informationen. Shops sollten daher ihre Produktdaten, Spezifikationen und Bewertungen sauber aufbereiten.

Drittens: Markenvertrauen gewinnt an Bedeutung. Da Nutzer KI-Empfehlungen nicht blind vertrauen, können starke Marken und glaubwürdige Inhalte entscheidend sein.

Viertens: Content wird zur Entscheidungsbasis für KI. Produkttests, Vergleichsinhalte und erklärende Texte werden künftig häufiger von KI-Systemen ausgewertet und zusammengefasst.

Fünftens: Neben klassischem SEO entsteht derzeit ein neues Feld – die Optimierung von Inhalten für KI-Antwortsysteme.

Der Beginn einer neuen Suchökonomie

Der Wandel im Online-Shopping steht erst am Anfang. Doch die Verdane-Studie zeigt bereits deutlich, dass sich das Verhalten der Verbraucher verändert: Statt selbst durch unzählige Webseiten zu navigieren, lassen sich viele Nutzer von KI-Systemen beraten.

Für Händler bedeutet das eine neue Realität: Sichtbarkeit entsteht künftig nicht nur in Suchmaschinen, sondern zunehmend auch in den Antworten von KI-Systemen.

Wer seine Inhalte, Produktdaten und Markenbotschaften darauf vorbereitet, kann von dieser Entwicklung profitieren. Wer den Wandel ignoriert, riskiert hingegen, in der neuen KI-Ökonomie weniger sichtbar zu werden.

Quellen

Verdane – Consumer AI Survey
https://verdane.com/insights

Weitere Marktdaten zum Einsatz von KI im Handel
Statista – Nutzung generativer KI im E-Commerce
McKinsey – Generative AI and the future of consumer search

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Dieser Text steht unter der Lizenz
CC BY-ND 4.0
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