Gender Pay Gap: Sozio-ökonomische Benachteiligung der Frau

von Gordon Herenz

In Deutschland verdienen Frauen 4,5 % weniger als männliche Kollegen in ähnlichen Jobs – Grund dafür sind veraltete sozio-ökonomische Denkweisen.

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist noch immer nicht in allen Lebensbereichen erreicht. Es handelt sich um ein sowohl gesellschaftliches als auch wirtschaftliches Thema, denn Frauen verdienen in vielen Berufen und Industrien auch heute noch weniger als ihre männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen. Und das ist kein kurzfristiges Problem: Laut World Economic Forum soll der Gender Pay Gap erst in 216 (!) Jahren geschlossen sein.

Im Durchschnitt bekommen Frauen 4,5 % weniger Gehalt

Zu diesem Ergebnis kam die Vergütungsdatenbank Compensation Partner in einer Studie aus dem Jahr 2018. Bei dem Unterschied handelt es sich um den bereinigten Wert, d. h. es wurden ähnliche Stellen und Branchen miteinander vergleichen. Der unbereinigte Unterschied liegt in Deutschland bei sage und schreibe 26,5 %: Männer verdienen im Schnitt 47.928 €, Frauen lediglich 35.235 € Brutto. Die Differenz zu Ungunsten der Frau macht sich umso mehr bemerkbar, je größer der Verdienst ist – besonders betroffen sind also Frauen in Top-Level-Jobs. Der Unterschied im Segment 30.000 –35.000 € (z. B. Buchhaltung, Kundendienst und Erziehung) liegt im Durchschnitt bei 1,4 %, während die Lücke im Bereich 55.000–66.000 € (Controlling, IT-Beratung und Unternehmensberatung) mit 7,6 % zu Buche schlägt.

Oracle, Google, ZDF – wissentliche Ungleichzahlungen sind noch immer an der Tagesordnung

Erst kürzlich gerieten Google und der Software-Riese Oracle in die Schlagzeilen – aber nicht etwa, weil ein neues bahnbrechendes Produkt oder Update gelauncht wurde, sondern, weil beide Unternehmen Männer und Frauen ungleich bezahlen. Oracle soll Frauen im Schnitt wissentlich 13.000 US-Dollar weniger pro Jahr gezahlt haben als männlichen Mitarbeitern in vergleichbaren Positionen. Die betroffenen Frauen reichten gegen diese monetäre Diskriminierung eine Sammelklage ein, an der sich über 4.200 aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen beteiligten. Durchschnittlich verdienten Frauen 3,8 % weniger, die Boni waren 13,2 % kleiner und die Aktienbeteiligung um ein Drittel geringer. Auch gegen Google besteht eine offene Klage, an welcher 8.300 weibliche Beschäftigte beteiligt sind. Auch in diesem Fall geht es um geschlechtsbezogene Ungleichzahlungen.
Bei der monetären Ungleichbehandlung von Frauen handelt es sich allerdings um kein rein amerikanisches Problem: Auch in Deutschland wurde Ende Dezember 2018 ein Fall medienwirksam, der das ZDF in keinem guten Licht erscheinen lässt. Die investigative Journalistin Birte Meier („Frontal 21“) verklagt das Zweite Deutsche Fernsehen, weil sie weniger Gehalt bekommt als ihre männlichen Kollegen – in erster Instanz ist sie gescheitert. Das Urteil richtet sich explizit gegen geltendes europäisches Recht, da dieses nur ein Kriterium für die Bezahlung vorsieht – und das ist nicht das Geschlecht, sondern die Tätigkeit. Der Richter im Fall Meier rechtfertigte das geringere Gehalt der kinderlosen Klägerin mit der Möglichkeit, dass Frauen ja schwanger werden könnten.
Und genau das ist auch der soziale und ökonomische Knackpunkt des Gender Pay Gaps. Von Frauen wird in der Gesellschaft erwartet, dass sie sich um die Kinder kümmern und nach der Geburt nicht wieder in Vollzeit arbeiten gehen. Daher wird wirtschaftlich mit einem Arbeitsausfall gerechnet, der bereits vor dem ersten Kind von dem Gehalt der Frau abgezogen wird.
Weitere Informationen zum Gender Pay Gap und der so genannten „Child Penalty“ finden Sie in der Infografik „Frauen in MINT-Berufen – Gender oder Mother Pay Gap?“:

Gender Pay Gap in MINT-Berufen – eine Infografik von RS Components

Text- und Infografiklizenz

CC BY-ND 3.0 DE

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