Apple setzt bei neuer Siri auf Datenschutz und KI-Partnerschaften

Apple arbeitet offenbar an einer grundlegend neuen Version seines Sprachassistenten Siri. Nach mehreren Verzögerungen und wachsendem Druck im KI-Markt soll Siri künftig deutlich stärker wie ein eigenständiger KI-Chatbot funktionieren. Dabei versucht der iPhone-Konzern offenbar einen Weg zu gehen, der sich klar von Konkurrenten wie OpenAI, Google oder Meta unterscheiden soll: Datenschutz wird zum zentralen Verkaufsargument.

Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien arbeitet Apple derzeit an einer eigenen Siri-App, die Gespräche ähnlich wie ChatGPT oder Gemini darstellen kann. Nutzer sollen sowohl per Sprache als auch per Texteingabe mit Siri kommunizieren können. Geplant ist offenbar eine Chat-Oberfläche mit gespeicherten Konversationen, Dateiuploads und einer systemweiten Integration in iPhone, iPad und Mac.

Apple versucht sich von ChatGPT und Gemini abzugrenzen

Besonders interessant ist dabei Apples Umgang mit Nutzerdaten. Während viele KI-Dienste Gespräche dauerhaft speichern und zur Verbesserung ihrer Modelle verwenden, soll Apple laut aktuellen Berichten andere Wege planen. Nutzer könnten künftig selbst festlegen, ob Unterhaltungen automatisch nach 30 Tagen, nach einem Jahr oder gar nicht gelöscht werden. Chats würden damit deutlich stärker unter der Kontrolle der Anwender stehen. Damit setzt Apple seine seit Jahren bekannte Datenschutzstrategie fort. Der Konzern positioniert sich seit langem als Anbieter, der möglichst viele Daten direkt auf den Geräten verarbeitet und Nutzerdaten nicht im gleichen Umfang auswertet wie andere Plattformen. Genau diese Haltung könnte allerdings auch ein Grund dafür sein, warum Siri im KI-Wettbewerb lange zurücklag. Moderne Sprachmodelle benötigen enorme Mengen realer Nutzerdaten zum Training. Apple soll hier deutlich vorsichtiger agieren und stattdessen teilweise auf synthetische Daten setzen. Branchenbeobachter sehen darin einen Nachteil gegenüber OpenAI, Google oder Anthropic.

Google wird plötzlich zum wichtigen Partner

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Apple den technologischen Rückstand offenbar nicht mehr alleine aufholen kann. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass Google mit seiner Gemini-Technologie eine zentrale Rolle bei der neuen Siri-Generation spielen wird. Apple soll dabei nicht nur KI-Modelle nutzen, sondern teilweise auch Infrastruktur von Google einsetzen. Das wirkt auf den ersten Blick paradox. Ausgerechnet Apple, das sich seit Jahren als Datenschutz-Gegengewicht zu datengetriebenen Plattformen präsentiert, greift nun auf Technologie des größten Online-Werbekonzerns der Welt zurück. Für Apple dürfte die Partnerschaft dennoch strategisch notwendig sein. Der Konzern steht unter Druck, endlich konkurrenzfähige KI-Funktionen anzubieten. Besonders seit dem Start von ChatGPT hat sich das Nutzerverhalten verändert. Viele Anwender erwarten heute dialogfähige KI-Systeme, die komplexe Fragen beantworten, Inhalte analysieren oder Aufgaben direkt ausführen können.

Siri soll zum digitalen KI-Agenten werden

Die neue Siri könnte deshalb weit mehr werden als ein klassischer Sprachassistent. Interne Tests und Berichte sprechen davon, dass Apple an einem systemweiten KI-Agenten arbeitet, der tief in Apps und persönliche Daten eingebunden ist. Siri soll künftig Termine organisieren, Inhalte durchsuchen, Dokumente analysieren und Aufgaben über mehrere Anwendungen hinweg erledigen können. Auch die Bedienung soll sich verändern. Statt der bisherigen Siri-Animation könnte künftig ein Chatfenster oder eine neue „Ask Siri“-Funktion im Mittelpunkt stehen. Teilweise wird sogar über eine Integration in die Dynamic Island des iPhones berichtet.

Die WWDC wird für Apple zur Richtungsentscheidung

Spannend dürfte nun vor allem die Entwicklerkonferenz WWDC Anfang Juni werden. Dort wird Apple voraussichtlich erstmals zeigen, wie die nächste Generation von Siri konkret aussehen soll. Für den Konzern geht es dabei um mehr als nur neue Funktionen. Apple muss beweisen, dass man im KI-Wettbewerb nicht dauerhaft den Anschluss verliert. Gleichzeitig versucht das Unternehmen offenbar, sich über Datenschutz und Kontrolle der Nutzerdaten von der Konkurrenz abzuheben. Ob dieser Ansatz ausreicht, um gegen ChatGPT, Gemini oder Claude zu bestehen, dürfte eine der wichtigsten Fragen der kommenden Monate werden.

Quellen: Bloomberg, Reuters, The Verge, TechRadar, Apple-Berichte

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