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Revolution der Geschäftsmodelle

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Juli 5, 2018 veröffentlicht von

Die Digitalisierung der Wirtschaft verändert nicht nur Produktionsprozesse und Kommunikationskanäle, sondern revolutioniert auch Geschäftsmodelle. Alte Unternehmenskonzepte verschwinden, neue Geschäftsideen kommen auf und verändern ganze Branchen. Grundlage vieler neuer Geschäftsmodelle sind Plattformen, über die Smart Services – intelligente Dienstleistungen – angeboten werden. Nun ist es auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) an der Zeit, sich mit plattformbasierten Smart Services zu beschäftigen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Smart Services werden über Apps oder Internetseiten angeboten. Dabei handelt es sich meist um offene Plattformen. Das bedeutet, dass über die Apps und Websites die Angebote mehrerer Unternehmen miteinander kombiniert und ergänzt werden – teilweise sogar branchenübergreifend. Die Auswahl- und Kombinationsmöglichkeiten von Angeboten bieten dem Nutzer dann einen größeren Mehrwert, als es das Angebot eines einzelnen Unternehmens leisten kann. Demzufolge müssen Unternehmen zukünftig plattformbasierte Kooperationen eingehen und enger zusammenarbeiten, um umfassende Smart Services mit einem großen Nutzen für die Kunden kreieren zu können. Dieses Zusammenspiel von unterschiedlichen Unternehmen und Abnehmern über Plattformen wird dabei Plattformökonomie genannt. So können neue Märkte und Zielgruppen erschlossen werden, die ein Unternehmen allein nicht erreicht hätte.

Viele Unternehmen, die eine Plattform zur Verfügung stellen, bieten jedoch keine eigenen Produkte an, sondern arbeiten als Vermittler zwischen verschiedenen Anbietern und den Kunden. Ein Beispiel dafür ist Spotify – der weltweit größte Musikstreaming-Dienst. Spotify bietet eine Plattform, auf der diverse Musik-Labels die Songs ihrer Künstler vorstellen können. Den Spotify-Nutzern stehen dadurch rund 35 Millionen Songs zur Verfügung. Für jedes abgespielte Lied erhält der Künstler eine Vergütung. Damit hat Spotify ein neues Geschäftsmodell entwickelt, das den lokalen Verkauf von analogen Musikdatenträgern wie CDs abgelöst hat.

Offene Plattform mit diversen Möglichkeiten

Ein weiteres Beispiel ist Google Maps – eine Plattform, die mehr als eine digitale Landkarte ist und bereits bei vielen Autofahrern die klassischen Navigationsgeräte ersetzt hat. Google Maps ist eine offene Plattform, die diverse Möglichkeiten für verschiedenste Unternehmen eröffnen: Mittlerweile nutzen Entwickler die Landkarten als Grundlage für Computerspiele. Unternehmen mit einem Fuhrpark können ihre Routenplanung über Google Maps vornehmen. Und selbst lokale Geschäfte greifen auf die offene Plattform zurück, damit sich potenzielle Kunden bei einer virtuellen 360-Grad-Tour von zu Hause aus in den Verkaufsräumen umsehen können.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass erfolgreiche Plattformen keine geschlossenen Systeme sind, sondern offene Räume, die Kooperationen ermöglichen. Über Plattformen können Unternehmen, die vorher als Konkurrenten galten, zusammenarbeiten, Synergieeffekte nutzen und so neue Märkte für Smart Services erschließen. Doch wie können auch mittelständische Unternehmen innovative digitale Dienste entwickelt und anbieten, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben? Das Technologieprogramm „Smart Service Welt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) beschäftigt sich mit genau dieser Frage. In 20 Projekten werden plattformbasierte Smart Services für verschiedene Branchen – darunter industrielle Produktion und Mobilität – entwickelt. Die Projekte sollen zu Best-Practice-Beispielen werden, die mittelständische Unternehmen mit den im Zuge des Technologieprogramms gesammelten Erfahrungen zu eigenen Smart Services inspirieren und motivieren.

Qualität geht über Schnelligkeit

In den Projekten und der Begleitforschung werden die Herausforderungen von Datenschutz und Datensicherheit im Rahmen von intelligenten Dienstleistungen genauso analysiert wie die Erfolgsfaktoren digitaler Plattformen. Zwar gibt es kein universelles Erfolgsrezept für die Umsetzung von plattformbasierten Smart Services, doch können sich KMU an einigen Kriterien orientieren, die für eine dauerhaft erfolgreiche Plattform von Bedeutung sind. Für den B2B-Bereich – den Geschäften zwischen Unternehmen – gilt beispielsweise, dass die angebotenen intelligenten Dienste eine besonders hohe Qualität und Zuverlässigkeit aufweisen müssen.

Laut der Studie „Eigenschaften und Erfolgsfaktoren digitaler Plattformen“ des Instituts für Innovation und Technik in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH im Auftrag des BMWi steht die Qualität der Produkte und Dienste über einem schnellen Wachstum. Daher wird KMU geraten, zu Beginn einen zielgerichteten („schlanken“) aber zuverlässig funktionierenden und qualitativ hochwertigen Smart Service anzubieten, der mittelfristig durch flexible Ergänzungen weiter wachsen wird. Dabei müssen mittelständische Unternehmen ihre aktuellen Geschäftsmodelle nicht gänzlich aufgeben: Bestehende Kompetenzen – insbesondere das vorhandene Domänenwissen – und Netzwerke sind eine wichtige Grundlage für erfolgreiche plattformbasierte Smart Services, die das Unternehmen damit wettbewerbsfähig halten.

Die Studie finden Sie unter https://www.digitale-technologien.de/DT/Redaktion/DE/Downloads/Publikation/autonomik-studie-digitale-plattformen.pdf?__blob=publicationFile&v=10

Über die Autoren
  • Dr. Sebastian v. Engelhardt (Institut für Innovation und Technik, Berlin) ist Volkswirt und bearbeitet Themen an der Schnittstelle von Innovations-, Institutionen- und Industrieökonomik mit einem Fokus auf die Digitalisierung der Wirtschaft.
  • Dr. Leo Wangler (Institut für Innovation und Technik, Berlin) ist Volkswirt mit Arbeitsschwerpunkten im Bereich der Innovationsökonomik und der allgemeinen Wirtschaftspolitik u. a. zu den Themen Gründungsgeschehen und Digitalisierung
  • Dr. Steffen Wischmann (Institut für Innovation und Technik, Berlin) ist Robotik-Experte mit Arbeitsschwerpunkten im Bereich Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Automatisierung und Arbeitsorganisation.

Alle drei Autoren sind Teil der Begleitforschung des Technologieprogramms „Smart Service Welt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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