Das Hinterland of Things als Blaupause für Deutschlands Innovationskraft

Die Redaktion im Gespräch mit Dominik Gross, Geschäftsführer Founders Foundation gGmbH, über die Wirtschaftskraft Deutschlands, welche Rolle Startups und neue Technologien dabei spielen und warum es wichtig ist, Tradition und Disruption zu verbinden.

 

Herr Gross, welche Mission und gemeinnützige Ambitionen hat die Founders Foundation?

Die Founders Foundation bildet die nächste Generation erfolgreicher Gründer:innen aus und baut aus dem Herzen des deutschen Mittelstandes heraus ein nachhaltiges B2B Startup Ökosystem auf. Mitten im deutschen Mittelstand, in Ostwestfalen-Lippe, bringen wir Tech-Denker:innen und Familienunternehmen zusammen. Die alljährliche Hinterland of Things Konferenz ist dabei Plattform für einen Austausch auf Augenhöhe. 2024 wurde die Founders Foundation mit dem Sonderpreis der German Startup Awards für ihr Wirken und ihre Arbeit für das Unternehmertum der Zukunft ausgezeichnet. Die Financial Times zählt die Founders Foundation unter die Top 50  der “Europes Top Leading Start-up Hubs” – in Deutschland unter den Top 10. Die Founders Foundation ist eine gemeinnützige Organisation und stellt die nachhaltige und erfolgreiche Ausbildung der Gründer:innen ins Zentrum ihres Wirkens als Fundament für die Zukunft der Wirtschaft.

 

Dominik Gross erklärt: „Die Hinterland bringt wie jedes Jahr die spannendsten und brennendsten Themen aus Tech-Welt und Industrie auf die Bühne.“ Foto Copyright: JulianHukePhotography-_A9

 

Welche Bedeutung hat in diesem Kontext die Hinterland of Things?

Die Hinterland of Things ist mehr als eine Konferenz, sie ist die Plattform auf der Tech-Startups, Investoren, Familienunternehmen und etablierte Wirtschaft zusammen kommen. Sie ist ein Ort, an dem sich Deutschlands Wirtschaft mit dem digitalen Wandel konfrontiert. Hier treffen Mittelstand und Tech-Welt nicht nur aufeinander, sondern arbeiten gemeinsam und konkret an Lösungen für die allgegenwärtigen Probleme der Wirtschaft. Dabei steht nicht im Fokus, was möglich wäre, sondern was wir jetzt tun müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, damit die Innovationskraft mittelständischer Unternehmen gestärkt wird und neue Geschäftsmöglichkeiten entstehen. Die Hinterland bietet für dieses Ziel die Bühnen, das Netzwerk, die Formate und die Reibung. 

Welche Key-Notes und Highlights sind dieses Jahr besonders spannend?

Die Hinterland bringt wie jedes Jahr die spannendsten und brennendsten Themen aus Tech-Welt und Industrie auf die Bühne. Unter dem Motto “Reclaim” geht es dieses Jahr um mehr als Trends: Es geht um die Rückeroberung unserer wirtschaftlichen Zukunft durch Handeln und nicht Abwarten. Mit dabei sind starke Stimmen aus erfolgreichen Technologie- und Wachstumsunternehmen wie Flixbus, Fernride, Cerrion und aiomatic, namhafte Kapitalgeber wie Revaia, Altor und Project A ebenso wie bekannte Namen aus der etablierten Wirtschaft wie beispielsweise Fiege, Sasse, Otto, Fielmann, SAP oder Haufe. Dabei setzen wir natürlich auch immer Akzenkte für die Themen unserer Zeit. Spannend ist da in diesem Jahr sicher das Thema Verteidigung und die Auswirkungen auf die industrielle Wertschöpfung.

Neben diesem spannenden Programm haben wir mit 100 Ausstellern auf der Startup Exhibition das größte kuratierte Tech-Scouting entlang der industriellen Wertschöpfungskette und richten auch in diesem Jahr wieder das Finale des NRW Startup Awards aus.

Welche und wie viele Startup Programme bieten Sie an?

Bei der Founders Foundation denken wir Ausbildung unternehmerisch und nicht rein akademisch. Unsere Programme messen sich am Reifegrad der Ideen, dem Geschäftsmodell und dem Wissen des Gründerteams. Sie sind modular, praxisnah und kostenlos. Ziel ist es, dass die Programme aufeinander aufbauen und sinnvoll ineinander übergreifen, so dass sie den gesamten Startup-Lifecycle abbilden. Vom ersten Check der Idee bis zum Markteintritt begleiten wir Teams eng. Die Speerspitze unserer Programme ist der Accelerator, der dank der Hilfe unseres Netzwerks einen einzigartigen Go-to-Market für B2B-Geschäftsmodelle ermöglicht.

 

Dominik Gross betont: „Wir brauchen eine Mission Economy. Heißt: Weniger klagen, mehr handeln. Wirtschaft gestalten heißt auch Verantwortung übernehmen und nicht nur verwalten. Sonst verlieren wir den Anschluss.“

 

Welche Möglichkeiten bietet Ihr Pitch Day 2025 für Startups und Investoren?

Der Pitch Day ist ein messbarer Meilenstein in der Gründerausbildung der Founders Foundation. Hier präsentieren die je 50 Talente aus unserer Startup School zweimal im Jahr ihre Ergebnisse nach zehn Wochen intensiver Arbeit und Validierung ihrer technologischen Geschäftsmodelle vor rund 300 Gästen.  An diesem Tagen kommt die regionale Gründerlandschaft zusammen, es ist ein echtes Highlight für die regionale Tech-Szene geworden.

Welche Partner konnten Sie im Kontext Ihrer Hinterland Allianz gewinnen?

Wir arbeiten mit den Rückgraten der deutschen Wirtschaft zusammen. Dazu zählen einige der renommiertesten Familienunternehmen und Industriegrößen: Goldbeck, NTT Data, GEA, Claas, Schüco, Phoenix Contact, Dr. Oetker, WAGO, Dr. Wolff, Miele, Böllhoff oder die Stockmeier Gruppe. Sie alle eint nicht nur die Mitgliedschaft in der Hinterland Allianz, sondern der Wille die Zukunft nicht nur zu kommentieren, sondern aktiv mitzugestalten.

Welche Bedeutung und Chancen haben die neuen Technologien rundum KI & ML für Startups?

Wer glaubt, KI geht ihn oder sie nichts an, der wird vom Markt überholt werden. KI ist kein Trend, denn sie verändert die Wertschöpfung, Produktivität und Entscheidungsprozesse grundlegend. Jetzt. Wer klug ist, nutzt sie. Wer wartet, verliert womöglich den Anschluss. Sie ist ein Schlüssel, der uns als Volkswirtschaft dabei hilft, relevant zu bleiben und trotz des demografischen Wandel unseren Wohlstand zu erhalten. An ihr führt kein Weg vorbei und sie entwickelt sich in Echtzeit weiter.

Wieviel erfolgreiche Gründungen sind schon aus Ihrer Startup School hervorgegangen?

In Deutschland wird viel erfunden und geforscht, doch nur wenige Innovationen werden bis zur Marktreife getrieben. Die Arbeit der Founders Foundation setzt genau dort an. In Zahlen sieht das so aus: Seit 2016 haben mehr als 10.000 Talente Formate und Events der Founders Foundation besucht, mehr als 1.300 davon wurden als Unternehmer:innen aus-/weitergebildet. In der Region Ostwestfalen-Lippe ist die Gründerszene durch diese Arbeit von einer handvoll Startups im Jahr 2015 auf mehr als 320 Startups im Jahr 2025 gewachsen. Allein 150 Startups davon wurden direkt von Alumni der Founders Foundation gegründet und haben mehr als 120 Mio. EUR externes Kapital eingesammelt.

Wie positioniert sich die Founders Foundation mit Ihren Leistungen in diesem Kontext?

Wir sind der Katalysator für die nächste Generation an Spitzentechnologie und Wachstumsunternehmen. Sozusagen die Mittelständler und DAX-Unternehmen von morgen. Wir fördern die Talente und Unternehmerinnen, die aus Forschung Geschäftsmodelle entwickeln. Sonst bleibt alles Theorie und die Wertschöpfung findet woanders statt. Nur mit diesem Ansatz kann Deutschland als Standort überleben.

Was wünschen Sie sich von der neuen Bundesregierung, wenn es um die Finanzierung von Startups geht?

Spitzentechnologie entsteht nicht mit Förderprogrammen im Kleinformat. Wer als Standort bestehen möchte, der muss groß denken und ordentlich investieren. Das müssen wir als Land wollen – und ermöglichen! Sonst gehen Kapital, Talente und Fortschritt dahin, wo man sie ernst nimmt: In die USA oder bald nach Asien.

Welches Mindset brauchen wir dafür?

Wir brauchen eine Mission Economy. Heißt: Weniger klagen, mehr handeln. Wirtschaft gestalten heißt auch Verantwortung übernehmen und nicht nur verwalten. Sonst verlieren wir den Anschluss.

https://hinterlandofthings.com/

 

Über den Interviewpartner

Dominik Gross ist CEO und Co-Founder der Founders Foundation, einer der erfolgreichsten Startup-Schmieden Deutschlands die jährlich die Tech-Konferenz Hinterland of Things ausrichtet. Er glaubt an die Kraft mutiger Ideen und daran, dass Deutschland mehr unternehmerisches Denken und Handeln braucht. Auf LinkedIn teilt er seine Einblicke und Gedanken zur deutschen Wirtschaft und Startup-Landschaft.

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