Future Skills 2026: Was die Arbeitswelt von morgen wirklich braucht
Von Johannes Miller:
Die Arbeitswelt steht vor einem Strukturwandel, der tiefer geht als die meisten Transformationswellen zuvor. Digitalisierung, KI und demografischer Druck verändern Jobrollen, Kompetenzprofile und Lernkulturen gleichermaßen. Um für diese weitreichenden Veränderungen gewappnet zu sein, gewinnen die sogenannten Future Skills immer mehr an Bedeutung. Doch welche Kompetenzen zählen in Zukunft wirklich und wie können Unternehmen diese fördern?
Welche Future Skills sind gefragt?
Wie können Unternehmen überhaupt entscheiden, welche Future Skills gezielt gefördert werden sollten? Die Future Skills Studie 2026 der Haufe Akademie, für die rund 1.000 Fach- und Führungskräfte aus dem DACH-Raum befragt wurden, gibt hier aufschlussreiche Einblicke. Fachkräfte und Führungskräfte sind sich beispielsweise einig, dass Problemlösen, Lernkompetenz und Kommunikation zu den wichtigsten Soft Skills gehören.
Bei den Hard Skills führen digitale Grundkompetenzen und Datenkompetenz das Ranking an. KI-Kompetenzen stufen 40 Prozent der Fachkräfte als dringend notwendig ein – bei Führungskräften sind es bereits 51 Prozent.
Führungskräfte schätzen KI-Kompetenzen als wichtigsten Hard Skill der Zukunft ein (© haufe-akademie.de)
Neben den technologischen Fähigkeiten rücken auch Human Skills zunehmend in den Fokus. Kreativität, Resilienz, Urteilsvermögen und Adaptionsfähigkeit können nicht automatisiert werden. Sie sind die Kompetenzen, die Menschen in Kooperation mit Maschinen unersetzlich machen. Die Arbeitswelt der Zukunft verlangt Menschen, die technologisches Verständnis mit menschlicher Urteilskraft verbinden.
Welche Kompetenzen fallen unter Future Skills?
Der Stifterverband definiert Future Skills gemeinsam mit McKinsey im Future-Skills-Framework als Kompetenzen, die in den nächsten fünf Jahren für das Berufsleben und die gesellschaftliche Teilhabe deutlich wichtiger werden. Das im Dezember 2025 aktualisierte Framework umfasst 30 Zukunftskompetenzen in fünf Kategorien: grundlegende, transformative, gemeinschaftsorientierte, digitale und technologische Fähigkeiten.
Was Future Skills von klassischem Fachwissen unterscheidet: Sie funktionieren nicht nur in einem bestimmten Berufsbild oder einer Branche, sondern bleiben auch dann relevant, wenn sich Rollen, Tools und Prozesse verändern. Kritisches Denken, Problemlösen und Kommunikationskompetenz gehören ebenso dazu wie KI-Literacy, Datenkompetenz und Cybersecurity-Grundlagen. Future Skills machen Menschen nicht nur qualifiziert, sondern vor allem anpassungsfähig, flexibel und somit berufsfähig.

Johannes Miller betont: „Neben technologischen Kompetenzen rücken auch Human Skills zunehmend in den Fokus: Kreativität, Resilienz, Urteilsvermögen und Adaptionsfähigkeit lassen sich nicht automatisieren.“
Wie kann man sich Future Skills aneignen?
Wer Future Skills aufbauen will, muss nicht zwangsläufig einen ganzheitlichen Berufswechsel planen. Für viele Beschäftigte bietet sich eine gezielte Erweiterung oder Neuausrichtung des vorhandenen Kompetenzprofils und damit die Übernahme von weiteren Rollen innerhalb des Unternehmens an.
Zwei Konzepte sind dabei zentral: Upskilling und Reskilling.
- Upskilling bedeutet, bestehende Fähigkeiten zu vertiefen und zu erweitern. Ein möglicher Weg führt etwa vom sicheren Umgang mit Excel hin zur eigenständigen Datenanalyse oder vom Grundverständnis für KI-Tools hin zur strategischen Anwendung.
- Reskilling meint den Aufbau grundlegend neuer Kompetenzen für eine andere Tätigkeit, ohne das Unternehmen verlassen zu müssen. Ein Beispiel: Eine langjährige Mitarbeiterin entwickelt sich von der Marketingexpertin zur Datenexpertin.
Eigeninitiative ist für die Weiterentwicklung der persönlichen Jobrolle unverzichtbar. Wer nicht darauf wartet, dass Weiterbildungsmaßnahmen von oben angeordnet werden, sondern gezielt verfügbare Ressourcen und Budgets in Anspruch nimmt, baut seinen Kompetenzvorsprung deutlich schneller auf.
Wie gut sind Unternehmen bereits aufgestellt?
Sobald es um die Frage geht, wie gut das eigene Unternehmen bereits aufgestellt ist, klaffen laut der Future Skills Studie die Einschätzungen von Führungs- und Fachkräften erheblich auseinander.
Führungskräfte bewerten die Qualifikation ihrer Teams deutlich optimistischer als die Fachkräfte selbst. Bei Führungs- und Change-Kompetenzen geben 73 Prozent der Führungskräfte an, ihre Teams seien gut aufgestellt – unter den Fachkräften sehen das nur 54 Prozent so. Ebenfalls signifikant ist die Diskrepanz bei Cloud- und IT-Grundlagen sowie KI-Kompetenzen: Während Führungskräfte hier Kompetenzlevel von 68 beziehungsweise 60 Prozent sehen, schätzen sich Fachkräfte selbst mit 52 Prozent deutlich schlechter ein.
Herausforderungen für Unternehmen
Die Bereitschaft zur Weiterbildung und damit zum notwendigen Ausbau relevanter Zukunftskompetenzen ist auf beiden Seiten grundsätzlich vorhanden. Doch zwischen Absicht und Wirkung liegen in vielen Unternehmen strukturelle Hürden, die sich aus den Studienergebnissen klar ablesen lassen.
Ein zentrales Problem ist fehlende Transparenz beim Weiterbildungsbudget. Nur 34 Prozent der befragten Fachkräfte wissen konkret, welches Budget ihnen zur Verfügung steht. 42 Prozent vermuten zwar, dass es eines gibt, werden aber vom Unternehmen nicht aktiv informiert. Das Resultat ist vorhersehbar: 23 Prozent der Fachkräfte haben das Budget im vergangenen Jahr gar nicht genutzt – bei Führungskräften waren es nur 5 Prozent.
Daneben nennen Fachkräfte noch weitere Hürden, die Weiterbildung im Alltag erschweren, darunter …
- … fehlender Zugang zu passenden Angeboten (42 Prozent),
- unklare Entwicklungsperspektiven und fehlende Zielvereinbarungen (34 Prozent) und
- zu wenig Zeit, das Gelernte in der Praxis anzuwenden (38 Prozent).
Auch der Praxistransfer bleibt in vielen Unternehmen eine Schwachstelle. Fachkräfte kritisieren vor allem, dass Weiterbildungsinhalte oft nicht zu ihren tatsächlichen Aufgaben passen (40 Prozent). Führungskräfte sehen die größte Hürde im Zeitmangel für die Anwendung des Gelernten (47 Prozent).
Für 40 Prozent der befragten Fachkräfte passen die Weiterbildungsangebote nicht zu ihren Aufgaben (© haufe-akademie.de)
Fazit: Mit Future Skills fit für die Zukunft
Future Skills sind die Antwort auf die Anforderungen der Arbeitswelt von morgen, die bereits heute sichtbar sind. Wer KI-Kompetenzen aufbaut, kritisches Denken schärft und Lernfähigkeit als Kernkompetenz versteht, bleibt nicht nur attraktiv für den Arbeitsmarkt, sondern gestaltet den Wandel aktiv mit.
Für Unternehmen geht es dabei um weitaus mehr als die Auswahl passender Seminarangebote. Es geht darum, eine Lernkultur zu etablieren, in der Weiterbildung als strategische Investition für die Zukunft gilt. Denn der entscheidende Faktor ist nicht, ob Future Skills theoretisch auf der Agenda stehen. Sondern ob sie wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
| Autor: Johannes Miller, Business Owner & Product Manager der Future Jobs Classes, Haufe Akademie
Johannes Miller hat langjährige Erfahrung im internationalen Projektmanagement mit Schwerpunkt auf Trainings- und Beratungsstrategien in der öffentlichen Verwaltung. Seit 2021 konzentriert er sich auf Future Skills wie Digitalisierung, Transformation und agiles Management. Als Business Owner verantwortet er die Future Jobs Classes der Haufe Akademie und entwickelt innovative Reskilling- und Upskilling-Lösungen für Unternehmen. |
Lizenzhinweis: Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons CC BY-ND 4.0 (Namensnennung – keine Bearbeitung).
https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/
Autor: Johannes Miller















