Von der Zigarette zum Pod-System: Wie sich Nikotinkonsum und Konsumverhalten verändern

Der klassische Tabakkonsum hat seit Jahren kaum noch einen nennenswerten Zuwachs. Laut Statistischem Bundesamt lag die Raucherquote in Deutschland 2023 bei 24 Prozent und damit genau im EU-Durchschnitt. Zu Beginn der Eurostat-Erhebungen 2006 rauchten noch 38 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen. Der Rückgang ist messbar, aber er erzählt nur die halbe Geschichte. Parallel dazu entwickelt sich ein Markt für elektronische Nikotinprodukte, der die Konsummuster grundlegend verändert.

 

Marktdaten: Weniger Tabak, mehr Elektronik
Der Zigarettenabsatz in Deutschland ist 2023 auf 64 Milliarden Stück gesunken, den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen, wie das Statistische Bundesamt bestätigt. Gleichzeitig hat der deutsche E-Zigarettenmarkt laut BfTG und VdeH im selben Jahr ein Umsatzwachstum von über 40 Prozent auf rund 850 Millionen Euro verzeichnet. Für 2024 prognostiziert Statista bereits rund eine Milliarde Euro Gesamtumsatz.
Innerhalb des E-Zigarettenmarktes verschiebt sich die Produktpräferenz deutlich. Im Aufwind sind geschlossene, vorbefüllte Pod-Systeme und haben mittlerweile sogar klassische Einweg-E-Zigaretten Marktanteile abgenommen. Branchenkenner stellen fest, daß diese Systeme den Konsumwünschen nach einfacher Handhabung und Wiederverwendbarkeit entgegenkommen. Produkte wie die sogenannten elfbar pods gehören zu den gefragtesten Artikeln dieses Segments. Sie arbeiten nach dem Prinzip geschlossener Systeme: Der Benutzer wechselt lediglich die Patrone und nicht das ganze Gerät.


Regulatorischer Rahmen: Was die EU-TPD verlangt
Rechtsgrundlage für das Inverkehrbringen von E-Zigaretten in der EU ist Artikel 20 der Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU. Die Richtlinie schreibt unter anderem vor: maximaler Nikotingehalt 20 Milligramm pro Milliliter, maximales Tankvolumen 2 Milliliter, kindersichere Verpackungen, manipulationssichere Verpackungen und Meldepflicht gegenüber den nationalen Behörden vor Markteinführung.
Die Bundesrepublik Deutschland hat diese Vorgaben mit dem Tabakerzeugnisgesetz (TabakerzG) in nationales Recht umgesetzt. Zusätzlich kommt seit 2022 schrittweise eine Steuer auf E-Zigaretten-Liquids hinzu, die bis 2026 auf 0,32 Euro je Milliliter steigen soll. Das wirkt sich direkt auf die Endkundenpreise und die Kalkulation der Produkte aus. Hersteller, die konforme Produkte auf den Markt bringen möchten, müssen technische Datenblätter, Sicherheitsstudien und Inhaltsstoffangaben einreichen, bevor ein Produkt gelistet werden darf.


Technologie: Nikotinsalze und das geschlossene Pod-System
Der entscheidende technische Unterschied zwischen Pod-Systemen und offenen Tank-Geräten liegt in der verwendeten Nikotinform. Pod-Systeme arbeiten vorzugsweise mit Nikotinsalzen, die durch die Verbindung mit organischen Säuren, meist mit Benzoesäure, einen niedrigeren pH-Wert aufweisen als freie Nikotinbase. Die Folgen: die Aufnahme ins Blut erfolgt schneller, das Inhaliergefühl ist weicher. Diese Formulierung ist insbesondere für Umsteiger von der Zigarette geeignet.
Global betrachtet hat das Pod-Segment laut GM Insights bereits 2022 einen Marktanteil von rund 41 Prozent am gesamten E-Zigarettenmarkt erreicht mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von über 21 Prozent bis 2034. Treiber sind dabei geringer Wartungsaufwand, kompaktes Format und standardisierte Cartridges.


Von Einweg zu Mehrweg: Der Nachhaltigkeitstrend im Vape-Markt
Noch 2022 gingen rund 40 Prozent des deutschen E-Zigarettenumsatzes auf Einweg-Produkte zurück. 2023 sank laut BfTG-Daten dieser Anteil auf 30 Prozent. Prefilled-Pod-Systeme, also wiederaufladbare Geräte mit nachfüllbaren Liquid-Patronen, wuchsen binnen weniger Monate auf einen Marktanteil von 15 Prozent. Hersteller reagieren auf den wachsenden Druck seitens Regulierungsbehörden und Verbraucherschutzorganisationen mit Rücknahmeprogrammen und recyclingfähigen Komponenten.
Wer sich gezielt über aktuelle Modelle, Nikotinstärken und technische Spezifikationen informieren möchte, findet bei spezialisierten Fachhändlern übersichtlich gegliederte Übersichten geordnet nach Hersteller, Systemtyp und Compliance-Status gemäß EU-TPD.

Text- und Bildlizenz:
CC BY-ND 4.0 – TREND REPORT
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/deed.de