Das smarte Büro

Im ausführlichen Gespräch mit der TREND-REPORT-Redaktion zeigt Peter H. Feldmann, wie Unternehmen ergonomische Bürolandschaften implementieren können und damit zu großen Teilen ihr betriebliches Gesundheitsmanagement positiv beeinflussen.

Herr Feldmann, welche Büro- und Einrichtungstrends machen Sie momentan aus?

Unternehmen wollen und müssen flexibler und agiler Arbeiten. Die Auswirkungen der Digitalisierung über die Produktion 4.0 ist schon lange ein Thema. Auch die Attraktivität von Arbeitsplätzen spielt für Arbeitgeber heute und besonders in der Zukunft eine immer größere Rolle. Deshalb erleben wir auch bei der Büroarbeit eine Disruption, also eine erhebliche Veränderung. Das geht auch am Thema Ergonomie und Gesunderhaltung nicht spurlos vorbei.

 

Welche Veränderungen meinen Sie genau? Und Agilität und Ergonomie: verträgt sich das?

Nehmen wir zum Bespiel das Thema non-territoriales Arbeiten. Das bedeutet zum Einen, dass weniger Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, als Mitarbeiter diese benutzen. Zwei Schreibtisch teilen sich dann bis zu 3 Mitarbeiter. Das spart Kosten und Fläche, bedeutet aber, dass ein Teil der Mitarbeiter häufiger an anderen Plätzen arbeiten muss oder kann. Zum anderen kann auch an anderen Orten, wie nur dem Büroschreibtisch gearbeitet werden. Einige Fragen aus Sicht der Ergonomie lauten dann: Wie stellt das Unternehmen sicher, dass der Stuhl und Tisch schnell und einfach richtig eingestellt sind, oder werden. Das das Licht passt und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten zur Verfügung stehen.

Der Bewegungsmangel gilt als eine der größte Herausforderungen. Wie können die Mitarbeiter dauerhaft gesund arbeiten?

Inzwischen werden fast die Hälfte aller neuen Arbeitsplätze als sogenannte Steh-/Sitzlösungen verkauft. Kaum ein Unternehmen will gesundheitsförderliche Einrichtungen nur für bereits „geschädigte“ Mitarbeiter einkaufen, sondern von vornherein Präventiv vorgehen. Hier kommt dann die Frage auf, wie motiviert man die Menschen, ein solches System auch aktiv zu nutzen. Darauf haben wir in der Vergangenheit analog und etwas digital geantwortet. Die Zukunft im Büro wird dann über eine smarte, ergonomische Anwendung möglich sein.

Sie sprechen hier von Ihrem smart Office Konzept, das Sie während der letzten Orgatec vorgestellt haben?

Ja genau. Ergonomie und Digitalisierung gehen hier Hand in Hand und gestalten Arbeitsplätze gesünder und attraktiver.

Gibt es Ihrerseits aktuelle Studien, inwieweit durch falsche Sitzmöbel Ausfälle entstehen? Wie viele Prozent der Mitarbeiter-Ausfälle sind auf Probleme mit dem Rücken zurück zu führen?

In den vor kurzem veröffentlichten Gesundheitsberichten der BKK, DAK und TKK machen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems je nach Kasse 20-22 % aller Fehltage aus. Allein im Jahr 2016 sind im Schnitt etwa 4 AU-Tage pro Mitglied wegen Rückenprobleme entstanden. Die Kosten dafür kann jeder selbst nachrechnen. Falsche Sitzmöbel sind nicht die Hauptursache. Zu wenig Bewegung, falsche Ernährung und keine Ahnung von der richtigen Einstellung der Arbeitsbedingungen (Stuhl, Tisch, Licht etc.) sind kausale und wechselseitige Faktoren. Meiner Erfahrung nach werden gerade in den modernen Arbeitsplatzformen (Desksharing, nonterritorial etc.) diese Probleme verstärkt, wenn die Handhabung und Nutzung nicht nachhaltig im Gesundheitsbewußtsein der Mitarbeiter verankert wird.

 

BKK Gesundheitsreport 2016

Inwieweit sollten Organisationskonzepte für Büros auch in Konzepte wie ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingefügt werden?

Solche Konzepte sind häufig bereits Bestandteil der Unternehmensorganisation. In vielen Fällen greifen diese jedoch zu kurz und konzentrieren sich allzu oft auf die Symptome ohne die Ursachen tatsächlich zu beseitigen. Für mich ist die klassische Ergonomie (siehe Graphik) mit dem Focus auf Anpassung der Arbeitswelt an den Menschen nur ein Teilschritt. Eine holistische, ganzheitliche Betrachtung im Sinne eines Corporate Health Ansatz erfasst auch alle anderen Themen, die auf die Menschen einwirken. Wer arbeitet, wann und wo. Wie bekommen wir motivierte und effektiv arbeitende Mitarbeiter ohne die zu Überfordern. Welche Arbeitskultur benötigen neue Arbeitsformen, die wir im Büro der Zukunft erwarten, die human und gleichzeitig wirtschaftlich sind.

 

König & Neurath

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  1. […] Auch der Büromöbelhersteller König & Neurath hat längst auf das Arbeiten 4.0 und die damit zusammenhängenden neuen Büroanforderungen reagiert. Peter H. Feldmann, Ergonomie-Spezialist des hessischen Unternehmens, hat dabei neben der Digitalisierung mitsamt der Produktion 4.0 auch die Attraktivität der Arbeitsplätze als einen wichtigen Faktor ausgemacht. So teilen sich beispielsweise mehrere Mitarbeiter einen Büroschreibtisch, wofür es schnell individuell einstellbare Möbel braucht. Außerdem würden fast die Hälfte aller neuen Arbeitsplätze inzwischen als Steh-/Sitzlösungen verkauft, so der Experte. Er sagt: „Kaum ein Unternehmen will gesundheitsförderliche Einrichtungen nur für bereits ‚gesc… […]

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