Alkoholsteuer: Wenige glauben an Konsumrückgang
Hannover, Juli 2026 – Die Bundesregierung will die Steuern auf diverse Alkoholika zum 1. Januar 2027 erhöhen, um den Konsum in Deutschland einzudämmen. Doch wie kommen diese Pläne bei der Bevölkerung an, und welche Auswirkungen erwarten die Bürger:innen? Laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse halten knapp zwei Drittel (64 Prozent) der gut 1.000 befragten 16- bis 70-Jährigen die geplante Alkoholsteuer für sinnvoll. Ein Drittel (33 Prozent) sieht hingegen keinen Nutzen in einer solchen höheren Besteuerung.
Die eindeutige Mehrheit befürwortet demnach zwar die geplante höhere Besteuerung von hochprozentigen Spirituosen sowie Sekt, Champagner, Likörweinen und Alkopops, die Erwartungen sind allerdings eher gering: So glaubt weniger als ein Drittel der Befragten (29 Prozent), dass der Konsum der höher besteuerten Alkoholika zurückgehen wird. Im Gegenteil: Drei Viertel (75 Prozent) gehen davon aus, dass sich der Konsum eher verlagern wird – und zwar stärker auf Bier und Wein. Denn: Bier soll von der höheren Besteuerung ausgenommen bleiben, und für Wein soll auch künftig keine besondere Steuer erhoben werden. 70 Prozent der Befragten nehmen darüber hinaus an, dass viele Konsumenten die höheren Preise hierzulande umgehen werden, indem sie alkoholische Getränke andernorts günstiger kaufen, etwa in Nachbarländern.
Höhere Preise – mehr Schutz für Jugendliche?
Mit der höheren Besteuerung von Mischgetränken, Sekt und Hochprozentigem will die Politik vor allem auch junge Menschen vor dem Einstieg in den Alkoholkonsum schützen. Laut forsa-Umfrage erwartet jedoch nur eine Minderheit der 16- bis 70-Jährigen, dass die Regelung einen solchen positiven Effekt haben wird: So glauben lediglich 38 Prozent, dass der Anreiz für Jugendliche dadurch geringer wird, Alkopops & Co. zu trinken. Und nur 19 Prozent gehen davon aus, dass durch eine Steuererhöhung negative Folgen des Alkoholkonsums wie Unfälle oder Gewalttaten zurückgehen. Diese Gefahr besteht vor allem beim Rauschtrinken.
Alkohol ist kein gewöhnliches Genussmittel. „Schon gelegentliches exzessives Trinken kann gesundheitliche Schäden nach sich ziehen – vor allem bei Jugendlichen, die sich noch in der Entwicklung befinden. Deshalb sind Aufklärung und Prävention das A und O. Wir tragen bereits mit Programmen wie ,Tom und Lisa‘ erfolgreich dazu bei, Heranwachsende für den richtigen Umgang mit Suchtmitteln zu stärken“, sagt Tobias Bansen, Leiter Prävention bei der KKH. „Suchtprävention und Suchthilfe sind komplexe Aufgaben. Umso wichtiger ist es, dass Einnahmen aus Steuern wie der Alkoholsteuer direkt in die Finanzierung solcher Strukturen fließen.“
Der Umfrage zufolge hält denn auch die deutliche Mehrheit (74 Prozent) mehr Aufklärung und Prävention durch Gesundheitsinstitutionen, Bildungseinrichtungen und Krankenkassen für am besten geeignet, um den Alkoholkonsum in Deutschland einzudämmen. Eher uneins sind sich die Befragten hingegen, ob dafür noch höhere oder neue Steuern auf alle alkoholischen Getränke eingeführt werden sollten: Die eine Hälfte (52 Prozent) hält diesen Vorschlag für geeignet, die andere Hälfte (45 Prozent) nicht. Wesentlich sinnvoller erscheint den Bürger:innen offenbar ein vollständiges Alkoholverbot für unter 18-Jährige sowie die Einschränkung des Verkaufs von Alkohol, etwa ein Verbot an Tankstellen und Kiosken oder an Sonn- und Feiertagen: Dieser Meinung sind jeweils rund zwei Drittel der Befragten (67 beziehungsweise 64 Prozent). „Alkohol ist nicht nur zu preiswert, sondern immer noch zu leicht verfügbar, gemessen an den Schäden, die er verursacht“, betont Tobias Bansen. „Das zeigt einmal mehr, wie wichtig Prävention ist.“
Hintergrundinformationen
Das Marktforschungsinstitut forsa hat im Auftrag der KKH 1.022 Bürger im Alter von 16 bis 70 Jahren deutschlandweit repräsentativ befragt. Die Telefoninterviews fanden vom 14. Bis 16. Juli 2026 statt. Die Fragestellungen lauteten wie folgt:
- Die Bundesregierung will die Steuern auf hochprozentige Spirituosen wie Rum, Wodka und Korn sowie auf Sekt, Champagner, Likörweine und Alkopops zum 1. Januar 2027 erhöhen. Bier und Wein bleiben von dieser Steuererhöhung ausgenommen. Halten Sie eine solche höhere Besteuerung für sinnvoll oder nicht?
- Und was glauben Sie: Wird der Konsum dieser Getränke durch die höhere Besteuerung alles in allem zurückgehen oder wird er das nicht?
- Nun zu den möglichen Folgen einer solchen Steuererhöhung. Bitte geben Sie jeweils an, ob das Ihrer Meinung nach eintreten wird oder nicht: Der Alkoholkonsum verlagert sich stärker auf Bier und Wein. – Viele besorgen sich Alkohol dort, wo er günstiger ist, zum Beispiel in Nachbarländern. – Der Anreiz für Jugendliche, Alkopops und Co zu trinken, wird geringer. – Negative Folgen des Alkoholkonsums wie Unfälle oder Gewalttaten gehen zurück.
- Wie gut wären die folgenden Maßnahmen Ihrer Meinung nach geeignet, um den Alkoholkonsum in der Gesellschaft zu reduzieren: sehr gut, gut, weniger gut oder überhaupt nicht: mehr Aufklärung und Prävention durch Gesundheitsinstitutionen, Bildungseinrichtungen und Krankenkassen – ein vollständiges Alkoholverbot für unter 18-Jährige – Einschränkung des Verkaufs von Alkohol, zum Beispiel kein Verkauf an Tankstellen und Kiosken oder an Sonn- und Feiertagen – höhere oder neue Steuern auf alle alkoholischen Getränke, ohne Ausnahme
Pressemitteilung der KKH










