50 Jahre Kyocera

Herr Mizukami, Sie sind Präsident der Kyocera Europe GmbH, einer ursprünglich aus Japan stammenden Unternehmensgruppe. Was können Sie uns über Kyocera erzählen?

Unser Mutterunternehmen Kyocera Corporation wurde 1959 als Hersteller von feinkeramischen Komponenten in der japanischen Kaiserstadt Kyoto gegründet, wovon sich auch der Firmenname ableitet. Durch die Entwicklung einer Vielzahl von Produkten, die auf Feinkeramik-Technologie basieren, konnten wir unser globales Geschäft seither stetig ausbauen und erweitern.

Heute haben wir uns zu einem globalen Unternehmen mit rund 78.000 Mitarbeitern in zahlreichen Industriezweigen entwickelt. Im letzten Jahr belegten wir Platz 549 der vom Forbes Magazin herausgegebenen „Global 2000“-Liste der weltweit größten börsennotierten Unternehmen und wurden in der aktuellen Liste der „World’s 100 Most Sustainably Managed Companies“ des Wall Street Journal aufgeführt.

Yusuke Mizukami, President of Kyocera Europe GmbH

Yusuke Mizukami wurde am 1. April 2020 zum Präsidenten der Kyocera Europe GmbH ernannt. Im Vorfeld dieser Position konnte er bereits auf eine mehr als 30-jährige Berufserfahrung als Manager in verschiedenen Bereichen des japanischen Kyocera Konzerns zurückblicken.

https://germany.kyocera.com/

Ihr Haus feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen auf dem europäischen Markt. Wie hat sich das Europageschäft entwickelt und welche Rolle spielt Europa im internationalen Vergleich?

Nach dem Erfolg auf dem japanischen Markt wagte Kyocera 1971 den Schritt nach Europa und gründete ein Joint Venture mit der Feldmühle GmbH, einem Hersteller von u.a. Papierprodukten.

Ziel der daraus entstandenen „Feldmühle Kyocera Europa Elektronische Bauteile GmbH“ war es, das technologische Know-how beider Unternehmen zu bündeln, Synergien zu schaffen und diese zu nutzen, um das Geschäft in Europa auszubauen und sich auf feinkeramische Werkstoffe für die Elektronik- und Automobilindustrie wie etwa Substrate zu konzentrieren.

Wir sind von null aus gestartet und haben in unserem dritten Geschäftsjahr bereits mehr als 1 Milliarde Yen (ca. 10 Millionen Euro) durch den erfolgreichen Verkauf unserer Substrate an europäische Halbleiterhersteller erwirtschaftet. Dadurch konnten wir eine solide Grundlage für die weitere Geschäftsexpansion in Europa schaffen.

In den letzten Jahren wurden dann strategisch wichtige Unternehmen in Deutschland und Europa hinzugewonnen, deren Innovationen und Know-how unser Unternehmensprofil ergänzt. Diese Vorgehensweise hat uns geholfen, uns in den jeweiligen Branchen zu positionieren und weiterzuentwickeln.


„Als breit aufgestelltes Unternehmen sind wir immer bestrebt, unsere technologischen Kompetenzen weiter auszubauen, sie zu optimieren und unseren Forschungsgeist aufrecht zu halten.“


So haben wir im Jahr 2011 beispielsweise die dänische Unimerco S.A. übernommen und das Unternehmen zu einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der KYOCERA Europe GmbH gemacht. Die dadurch entstandene KYOCERA Unimerco S.A. liefert seitdem maßgeschneiderte Industriewerkzeuge an große europäische Automobil- und Flugzeughersteller sowie Windkraftanlagenbauer.

Im Jahr 2012 erwarb Kyocera dann das in Hessen ansässige Tochterunternehmen des japanischen Unternehmens Optrex, das über einen starken Kundenstamm und fortschrittliche Technologie für LCDs in der Automobilindustrie verfügte und sich als KYOCERA Automotive and Industrial Solutions GmbH in unsere Unternehmensstruktur eingliederte. 

Zuletzt kamen 2019 zwei erfahrene Hersteller von feinkeramischen Komponenten hinzu: Die H.C. Starck Ceramic GmbH in Selb, jetzt KYOCERA Fineceramics Precision GmbH, und die Mannheimer Friatec GmbH, heute KYOCERA Fineceramics Solutions GmbH. Beide Unternehmen wurden dabei in die KYOCERA Europe GmbH integriert, wodurch wir nun über zwei Produktionsstandorte in Europa verfügen. Seitdem können wir viel schneller auf Kundenanfragen reagieren und den großen Markt für feinkeramische Komponenten in Europa bedienen.

Im vergangenen Geschäftsjahr wurden rund 18,5 % bzw. ca. 2,18 Mrd. Euro des weltweiten Kyocera-Umsatzes von rund 11,74 Mrd. Euro in Europa erwirtschaftet – Tendenz steigend. Das europäische Geschäft hat mittlerweile die USA umsatzmäßig überholt und wird damit immer wichtiger für die gesamte KYOCERA Gruppe.

In welchen Geschäftsbereichen und Sparten treiben Sie im Hinblick auf Ihre aktuellen Akquisitionen in Zukunft Ihr Deutschlandgeschäft voran?

Die KYOCERA Europe GmbH hat ihr Geschäft in der Vergangenheit durch die Fokussierung auf keramische Komponenten ausgebaut, eine Kernkompetenz unserer Produktlinien.

Unsere Akquisitionen entsprechen ebenfalls dieser Ausrichtung und wir werden diesen Weg für unser weiteres Geschäftswachstum verfolgen. Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere bestehenden Geschäftsregionen die Voraussetzungen für ein anhaltendes Wachstum erfüllen.

Welches Wachstumspotential in Europa machen Sie für die kommenden Jahre aus?

In den letzten Jahren haben wir uns zunehmend auf die Entwicklung von Hightech-Innovationen fokussiert, um auf die Nachfrage einer zunehmend technisierten Gesellschaft einzugehen. Dazu zählen beispielsweise ADAS-Komponenten (Advanced Driver Assistance Systems) um Sicherheitsaspekte in der Automobilindustrie zu intensivieren, sowie auf feinkeramische Komponenten und elektronische Bauteile, deren Nachfrage mit dem Ausbau von IoT- und KI-Technologien stetig steigt. Zudem konzentriert sich Kyocera auf die Entwicklung von Produkten und Systemen in Bereichen der Telekommunikation, um auch bei zukünftigen Themen rund um 5G relevante Innovationen zu liefern.

Durch unsere eigenständige Forschung, Entwicklung und dem kontinuierlichen Blick auf die wechselnden globalen technologischen Bedürfnisse sind wir zuversichtlich, weiter zu wachsen – in Deutschland und weltweit.

In welchen Sparten konnten Sie Ihr Unternehmen als erfolgreicher Lieferant am Markt positionieren?

Als in den Achtzigerjahren der Halbleitermarkt boomte, konnten wir uns durch unsere keramischen Halbleitergehäuse auf dem Markt behaupten und unsere Stellung bis heute festigen. Auf Basis unserer langjährigen Erfahrung im Umgang mit hoch entwickelter Feinkeramik konnten wir unsere Geschäftsfelder zunehmend erweitern und bieten heute zahlreiche innovative Produkte, die auf diesem Material beruhen.

Sehr bekannt in Europa sind unsere Drucker. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass unsere elektronischen und feinkeramischen Komponenten auch in einer Vielzahl von Geräten und Anwendungen eingesetzt werden, die aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind: Neben Industrie- und Automobilkomponenten finden sich Kyocera Halbleiter- und Elektronikbauteile auch in zahlreichen Solaranlagen, Smartphones und medizinischen Produkten, um nur einige zu nennen. Darüber hinaus produzieren wir auch Küchenutensilien, wie beispielsweise Keramikmesser.

Seit den Anfängen unseres Unternehmens in Japan haben wir uns stets auf die Forschung und Weiterentwicklung unseres Werkstoffes konzentriert und sind überzeugt davon, dass die Nachfrage nach feinkeramischen Komponenten auch in Zukunft weiter steigen wird.

Welchen Stellenwert nimmt Innovation für Kyocera ein?

Als breit aufgestelltes Unternehmen sind wir immer bestrebt, unsere technologischen Kompetenzen weiter auszubauen, sie zu optimieren und unseren Forschungsgeist aufrecht zu halten.

Dadurch hat Kyoceras Engagement für Innovation bisher zu mehr als 18.000 Patenten weltweit geführt. In unseren Unternehmenswerten haben wir daher einen tiefen Respekt für geistige Eigentumsrechte verankert. Wir haben Patentbüros in Japan, den USA, China und Deutschland eingerichtet, um die Entwicklung und den Schutz der Patentrechte in unseren vier Hauptgeschäftsbereichen zu maximieren, zu denen die Märkte Information & Kommunikation, Automobil, Umwelt & Energie sowie Medizin & Gesundheit gehören.

In diesem Zusammenhang wurde Kyocera seit 2013 auch mehrmals unter die Derwent Top 100 Global Innovators gewählt.

Herr Mizukami, vielen Dank für das interessante Interview.

for the english version click here: https://www.trendreport.de/50-years-kyocera/

Aufmacherbild / Quelle / Lizenz
Photo by Brett Garwood on Unsplash

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