Recycling 2.0 – Die Entsorgungsbranche im Wandel

Ein Gastbeitrag von Julius Bertram, Head of Global Pioneers

Nachhaltigkeit ist längst zu einem der großen Themen unserer Zeit geworden. Ein ganz wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die veränderten gesellschaftlichen Bedürfnisse und Erwartungen. Themen wie die Reduktion der CO2-Emissionen, faire Arbeitsbedingungen und Recycling beschäftigen längst nicht mehr nur die Umweltbewegung, sondern sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

 

Seit einigen Jahren zeigt sich immer stärker, dass Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen ökologisch verträglichen Standards anpassen müssen, um langfristig die Bedürfnisse ihrer Nutzer zu erfüllen und weiterhin erfolgreich zu sein. Somit ist nicht nur die Politik gefragt, sondern auch an Unternehmen werden neue Anforderungen und Bewertungskriterien herangetragen. Fast weitaus wichtiger als rein betriebswirtschaftliche Aspekte ist dabei vor allem ein Verständnis für die realen Kosten, die kommenden Generationen bevorstehen, wenn Gesellschaften heute nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Denn als gesellschaftspolitische Akteure können Firmen nicht nur den gesellschaftlichen Fortschritt gestalten, sie tragen maßgeblich die Verantwortung dafür, ob dieser Wandel gelingt.

Weiterentwicklung des traditionellen Geschäftsmodells

Aus diesem Grund müssen sich etablierte Player wie etwa Entsorgungsunternehmen um die Auswirkungen ihrer traditionellen Geschäftsmodelle Gedanken machen. Dabei sollten sie einen klaren Fokus auf die Zukunft richten und ganz konkrete Lösungsansätze für die Herausforderungen der Entsorgungswirtschaft von morgen entwickeln. Ein möglicher Ansatz kann ein Start-up-Programm sein wie es Veolia Germany mit U-START initiiert hat. Die Maßnahme soll die Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups in den Bereichen Circular Economy, Klimaschutz und Ressourceneffizienz fördern und mit neuen Konzepten eine bessere Welt schaffen. Ein ähnliches Ziel hatte auch der Entsorger BSR im Blick, als er im August 2016 eine moderne Windkraftanlage im Norden Berlins ans Netz brachte.

Was diese Konzepte verdeutlichen sind zwei zentrale Fragen, die alteingesessene Firmen für sich beantworten müssen: Welche Auswirkung haben Unternehmenshandlungen auf Umwelt und die Gesellschaft – auch für kommende Generationen? Und wie kann das eigene Unternehmen umwelt- und gesellschaftsverträglich agieren, um eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Firma zu sichern?

Regionale Ideen global ausrollen

Um diese zentralen Fragen zu beantworten, hat das Recyclingunternehmen ALBA Group unter anderem die Initiative Global Pioneers ins Leben gerufen. Bei diesem Projekt handelt es sich um ein global agierendes, zweiphasiges Programm. In Zusammenarbeit mit Partnern wie den deutschen Auslandshandelskammern identifiziert Global Pioneers Start-ups in Ländern mit aufstrebenden Märkten und großer Innovationskraft. Entscheidendes Auswahlkriterium für eine erfolgreiche Teilnahme: neben einem bestehenden Geschäftsmodell müssen die jeweiligen Ideen skalierbar und mittelfristig profitabel sein. Global Pioneers sucht, handfeste Lösungen in den Bereichen Energie, Logistik und Entsorgung, die sich in den jeweiligen Ländern bewährt haben. Mehr Nachhaltigkeit, eine verbesserte Logistik sowie effektives Recycling sind also anders gesagt die Zielsetzung.

Weil somit auch die praktische Umsetzung von kreativen Ideen im Fokus steht, spielt bei Global Pioneers daher auch das ALBA BluehouseLab eine zentrale Rolle. Es hält die Schirmherrschaft für Global Pioneers und koordiniert unter anderem die Suche nach geeigneten Partnern.

Über den Tellerrand blicken

Doch Global Pioneers hilft nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmern aus beispielsweise Afrika und Asien ihre Ideen auf die nächsthöhere Entwicklungsstufe zu heben. Die Initiative dient auch den hiesigen Unternehmen und soll ihnen die Augen für neue Märkte öffnen. Anstatt sich immer ausschließlich auf die Kernmärkte zu fokussieren, erhalten sie neue Denkansätz bei der Problemlösung und Investitionsmöglichkeiten in Regionen unserer Welt, die einer breiten Öffentlichkeit in der Form bisher verschlossen waren.

Das Ziel von Global Pioneers ist es, erfolgversprechende Lösungen frühzeitig zu erkennen und zu unterstützen. Wenn möglich, sollen diese gemeinsam mit den Partnern auch auf andere Länder und Märkte übertragen werden. Letztlich schafft dieser Ansatz eine Win-Win-Situation: wirkungsvolle, skalierbare Ideen können weiterentwickelt werden, wovon einerseits natürlich das junge Unternehmen, aber auch die Investoren profitieren. Das Partner- und Investorennetzwerk von Global Pioneers erhält die Möglichkeit sich an erfolgversprechenden Entwicklungen in den Bereichen Energie, Logistik und Entsorgung zu beteiligen. Letztlich kommen die funktionierenden neuen Lösungen vor allem der Gesellschaft zugute, wenn durch sie die Umwelt geschont und unser aller Lebensqualität verbessert werden.

Denn feststeht: eine nachhaltige Zukunftsgestaltung kann nur gemeinsam in internationaler Zusammenarbeit und Partnerschaften auf Augenhöhe gelingen.

CC BY-ND 4.0 DE

 

 

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