Fachkräftemangel: „Macht ihnen doch nicht das Leben schwer, wenn sie es uns leichter machen sollen!“

Wenn Deutschland ausländische Fachkräfte für sich gewinnen will, sollten sie hier auch so gesehen werden: als Gewinn.

Expert Hunter und Autor Bernd Wenske fordert von der Politik, leichtere Bedingungen für ihre Zuwanderung zu schaffen und das Thema in der Gesellschaft zu setzen.

Eine beispielhafte Debatte zog sich in den vergangenen Tagen vor allem durch die sozialen Medien. Es ging um den Auftritt eines kleinen Mädchens in der TV-Show „Das Supertalent“. Es hatte unverkennbar asiatische Wurzeln und trug auch eine entsprechende Tracht. Dieter Bohlen fragte sie mehrfach nach ihrer Herkunft und der ihrer Eltern, worauf die Kleine jeweils „Herne“ antwortete. Die Diskussion, die im Anschluss entbrannte, war exemplarisch. Lager 1 war mindestens unangenehm berührt und diagnostizierte die Unterbindung einer „deutschen Identität“, Lager 2 fand das Ganze eher überbewertet.

Mal unabhängig davon, dass ein Erwachsener hätte merken müssen, dass das Kind mit dem hintergründigen Sinn der Frage offensichtlich überfordert war, hat Bohlen eigentlich das gezeigt, was wir alle zeigen sollten: Neugier und Interesse an einer anderen Kultur. Wäre ein Deutscher, der seit 20 Jahren in Singapur lebt, überrascht, wenn ihn dort jemand fragt, woher er kommt? Eher nicht. Menschen sehen unterschiedlich aus und haben unterschiedliche Kulturen, das ist schlicht Fakt und nicht wertend. Und es ist ein Ansatzpunkt, der in Bezug auf das Thema Fachkräftemangel zum Tragen kommt. Neugier und Interesse an anderen Menschen gehören nicht nur zum sozialen Miteinander innerhalb einer Nationalität, sondern auch zu einer gelebten Willkommenskultur gegenüber denen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen. Es reicht nicht, sie hierher zu locken, sie müssen sich wohlfühlen, damit sie bleiben. Denn sonst kehren diese Menschen zurück in ihre Heimat oder zumindest Deutschland den Rücken.

Deutschland braucht 100.000 zugewanderte Fachkräfte – im Jahr

Und das wäre fatal, denn Deutschland braucht qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland, um seine wirtschaftliche Stabilität und das Sozialsystem zu sichern. Und ohne zugewanderte, hochqualifizierte Spezialisten, die nicht erst ausgebildet werden müssen, können wir im internationalen Wettbewerb um Digitalisierung und KI nicht mithalten. Das belegen sowohl aktuelle Zahlen der Wirtschaftsweisen aus dem Dezember 2018 als auch eine neue Bertelsmann-Studie aus dem Februar, nach der in den nächsten 15 Jahren dafür gut 100.000 Fachkräfte aus dem Ausland jährlich nach Deutschland immigrieren müssen. Der Vortragsredner und Autor Bernd Wenske kennt sich mit und in dem Thema Fachkräftemangel bestens aus – er hat selbst in EU-geförderten Projekten gearbeitet, die der Integration ausländischer Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt galten. „Wenn wir diese Zahl nicht erreichen bzw. weit darunterbleiben, schultern immer weniger Beschäftigte eine immer größere Last, das wird einfach nicht funktionieren“, konstatiert der 61-Jährige. Immer mehr immer ältere Menschen verursachen zwangsläufig mehr Kosten für Gesundheit und Rente, das System kippt unter der demografischen Entwicklung. Wenske treibt vor allem um, dass das alle wissen, aber niemand etwas unternimmt. „Ich habe es ja selbst erlebt: Läuft die Förderung aus, ist das Projekt vorbei, Ende. Solche Programme müssen aber fester Bestandteil der Politik sein, um eine Kontinuität zu erreichen! Wir spiegeln an einwanderungswillige Fachkräfte, dass diese sich selbst in den Verfahren zurechtfinden müssen.“

„Unsere Politiker müssen endlich den Hintern hochkriegen!“

Bernd Wenske agiert als Expert Hunter an der Schnittstelle zwischen Unternehmen am Markt und hochqualifizierten Fachkräften aus dem Ausland. Er ist empört darüber, dass das Thema Fachkräftemangel nicht so behandelt wird, wie es müsste: dringend. „Wenn unsere Politiker nicht endlich den Hintern hochkriegen und Asylpolitik von Arbeitsmarktpolitik unterscheiden und das auch in der Öffentlichkeit deutlich machen, sehe ich schwarz für den Zusammenhalt und die Zukunft in unserem Land.“ Bei dem „Gejammer“, Ausländer nähmen uns Arbeitsplätze weg, sträuben sich dem Buchholzer die Nackenhaare: „Wir BRAUCHEN diese Menschen, wir profitieren von ihnen.“ Das möchte er jedem klarmachen. Doch auf diese Einsicht setzen zu können, müssen Fachkräfte aus Drittstaaten erst einmal eine Reihe bürokratischer Hürden nehmen, bevor sie hier in Lohn und Brot gestellt werden können. Arbeitserlaubnis, Aufenthaltsgenehmigung, Sprachkenntnisse sind dafür nur einige Beispiele. Andere Regierungen sind da weiter. Kanada zum Beispiel. Hier bewährt sich seit 2015 ein zweistufiges Bewerbungsverfahren für die Fachkräfte-Migration.

In Deutschland leben die Zuwanderer von ihrem eigenen Geld, Anspruch auf Sozialleistungen besteht nicht. Wenn es schlecht läuft, ziehen sie zwangsläufig irgendwann pleite wieder von dannen. Eine verzichtbare Auslandserfahrung. Wenske hat eine Idee, wie das verhindert werden kann: „Ausländische Interessenten müssen die Möglichkeit haben, deutsche Unternehmen, deutsche Kultur, rechtliche Voraussetzungen, Karrieremöglichkeiten und Lebensbedingungen kennenzulernen. So können wir einen beruflichen Wechsel nach Deutschland positiv beeinflussen.“ Eine Möglichkeit hierfür wären seiner Auffassung nach „Kommunikationsinseln“, auf denen sich Unternehmen und internationale Fachkräfte treffen, um die Chancen für einen gegenseitigen Mehrwert zu erörtern. Es sei elementar, Erwartungen beider Seiten abzuklopfen. Wenske fordert außerdem ein beschleunigtes Verfahren, damit ausländische Bildungsabschlüsse als gleichwertig anerkannt werden.

Willkommenskultur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Abgesehen von allen formalen Fragen steht für den Expert Hunter vor allem der menschliche Aspekt im Vordergrund, eine gelungene Integration ausländischer Fachkräfte auf Augenhöhe. „Es ist in unserem Sinne, dass sie kommen und bleiben. Dafür müssen wir auch etwas tun – und zwar alle.“ Gelebte Willkommenskultur sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auf Reisen begeistern sich Menschen für andere Kulturen, im eigenen Land erzeugen sie eine diffuse Angst vor dem Fremden. „Das ist schon paradox“, sagt Wenske. Dabei könnten wir sehr viel voneinander lernen, Erfahrungen austauschen, gegenseitig den Horizont erweitern. Offenheit, Neugier, Interesse – da sind sie wieder, die Schlagworte.

Beim „Supertalent“ stand übrigens die Mutter des Mädchens am Bühnenrand. Sie trug ebenfalls ein fernöstliches Gewand, lächelte und antwortete für ihre Tochter: „Thailand.“ Herkunft lässt sich eben auch leben, wenn man woanders Wurzeln geschlagen hat. Vielfalt ist eben auch das, was Menschsein ausmacht.

Unser Autor

Bernd Wenske ist Keynote Speaker und Autor mit mehr als 40 Jahren Wirtschaftserfahrung. Als Expert Hunter spricht und schreibt er über Personalentwicklung, internationale Fachkräftegewinnung und machbare Alternativen zur Beseitigung des Fachkräftemangels.

Als ausgebildeter Keynote-Speaker, BusinessCoach und Trainer versteht es der Referent  Bernd Wenske,  sein Publikum zu unterhalten und gleichzeitig seine wichtige Botschaft zu vermitteln.

Acht Jahre lang hat er in einem Büro in Hamburg Workshops geleitet und mehr als 400 ausländische Fachkräfte auf der Suche nach einem Arbeitsplatz in Deutschland beraten und gecoacht. Als Mann mit mehr als 30 Jahren unternehmerischer Erfahrung kennt er beide Seiten der Medaille und als guter Netzwerker versteht er, die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten im Recruiting-Prozess miteinander zu vereinbaren. Er tritt daher oft mit seinen Thesen und Lösungsansätzen in den oberen Etagen von Politik und Wirtschaft auf.

Kontakt:
Bernd Wenske
Am Kattenberge 59
21244 Buchholz

E-Mail: call@berndwenske.com

Web: berndwenske.com

Bildquelle:
Foto Bernd Wenske: © Randy Tarango – people-photography.de