Mit der Cloud meistern Bildungseinrichtungen den digitalen Wandel

Dies ist ein Gastbeitrag von Manuel Nitzsche, Regional Director Instructure DACH

Technik schafft neue didaktische Möglichkeiten der Wissens- und Kompetenzvermittlung. Auch wenn sich die Weiterentwicklung der Lehre nicht auf die Technisierung von Inhalten reduzieren lässt: Welche Technologien brauchen Bildungseinrichtungen wirklich?

Bei der aktuellen Diskussion um iPad-Klassen, virtuelle Hochschulen und die digitale Transformation der Bildung könnte man den Eindruck gewinnen: Technik kann Didaktik ersetzen. Doch das ist ein Fehlschluss, tatsächlich bedingen sich technologische und didaktische Innovation gegenseitig. Können Bildungseinrichtungen nämlich den Nutzern den Mehrwert von Technologie nicht vermitteln, bleibt diese ungenützt. Und auch die besten didaktischen Ideen können ohne eine flexible, skalierbare, entwicklungsfähige technologische Infrastruktur nicht umgesetzt werden. Daher: Welche Technologien benötigen Bildungseinrichtungen für die digitale Transformation? Wir meinen: Native Cloud Anwendungen (NCA) und liefern auch gleich ein Praxisbeispiel. Aber der Reihe nach.

Microservices – geboren in der Cloud

Mit dem Siegeszug des Internets und permanenter Vernetzung der Endgeräte hat sich eine neue Form der IT durchgesetzt: die Cloud. Und diese dient nicht nur als Speicherplatz für nur Daten, sondern liefert auch Rechenleistung oder Software, alles in der Form von Services. Native Cloud ist der Ansatz zur Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen, der die Cloud Architektur konsequent nutzt. So nutzen NCA ein Cloud Computing Framework, um eine Vielzahl sogenannter Microservices zu verbinden. Diese Microservices sind lose gekoppelt, stellen alle benötigten Funktionen und Dienste bereit und können dezentral betrieben werden. Die meisten Microservices stellen nämlich nur eine einzige spezifische Funktion bereit und kommunizieren miteinander (und mit anderen Services) im Cloud Computing Framework über offene APIs.

Native Cloud oder traditionelle Software? Keine Gretchenfrage mehr

Per Design sind NCAs weder an eine bestimmte Hardware noch an spezifische Betriebssysteme gebunden. Dies macht auch den Einsatz variabel: Sie können ausschließlich bei einem Cloud-Anbieter wie AWS betrieben werden oder von Nutzern mit lokalen oder hybriden Umgebungen verbunden werden. Selbstprovisionierung und Rückgriff auf Cloud-Ressourcen machen NCAs leicht skalierbar – wird zum Semesterbeginn mehr Leistung für die Einschreibungs-Funktion benötigt oder nach Abgabeterminen für die Feedback-Funktion durch die Lehrenden, ist das ebenso leicht zu bewerkstelligen wie eine Leistungsreduktion in den Ferien.
Einer der größten Vorteile des Designs auf Basis von Microservices ist die Vereinfachung von funktionalen Erweiterungen der Anwendung. NCAs sind versionslos und damit, im Gegensatz zu traditioneller Software, stets aktuell. Kompatibilität mit Betriebssystem von Servern und Clients, Upwards- und Downwards-Kompatibilität, beliebige modulare Erweiterbarkeit – NCAs sind all dies per Design. Nach abgeschlossener Programmierung neuer Microservices stehen NCAs über die Cloud sofort und in erweitertem Umfang für die Anwender bereit.

Zurück zur Didaktik: Ohne Internet kein Facebook, ohne Cloud keine digitale Bildung

Jetzt mag man sich fragen, warum so viel Technik? Ganz einfach: Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist auch in den Bildungseinrichtungen angekommen. Um dabei mithalten zu können, unterliegen besonders Hochschulen einem enorm hohen Innovationsdruck. Der klassische Präsenzunterricht wird um digitale Elemente erweitert: Lernvideos setzen sich durch, entlasten von Routine-Aufgaben und schaffen Raum für die individuelle Betreuung. Soziale Interaktion und Kollaboration gewinnen einen neuen Stellenwert. NCAs ermöglichen es Studierenden beispielsweise durch die Einbindung von Office Services, von zuhause aus zeitgleich remote an ihrer Handelsstrategie im Börsenspiel zu feilen. Ebenso schlägt sich die Omnipräsenz sozialer Medien in der Bildung nieder: Lehrende kommunizieren mit ihren Studierenden zunehmend über soziale Medien; durch NCAs können sie ihre Lehrmaterialien einbinden. Auch Lernstatistiken oder datenbasierte Leistungsbeurteilung und viele Dinge mehr bereichern das pädagogische Repertoire. Das gilt ganz unabhängig vom Bildungsbegriff und von der Intensität der Technologie-Nutzung. Und wie sieht das in der Praxis aus?

Exkurs in die Praxis: EPFL in Lausanne

Der Executive MBA (EMBA – https://emba.epfl.ch/) der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) ist international renommiert und befähigt Studierende, Management-Verantwortung in technologieorientierten Unternehmen zu übernehmen. Nach einer strategischen Prüfung vor zwei Jahren stellte die EPFL fest: Die internen Systeme der Hochschule benötigen eine Erneuerung. Denn das EMBA-Programm nutzte eine Kombination aus rudimentären Tools. Die Folge: ein fragmentiertes, unzusammenhängendes Nutzungserlebnis für Studierende und Mitarbeiter. Auch Lernfortschritte konnte man kaum nachverfolgen und Inhalte nur mühsam bearbeiten.

Schweizer Anforderungen erfüllt

Nachdem die EPFL den Bedarf ermittelt hatte, liessen sich auch die Anforderungen an eine neue digitale Lernumgebung definieren: Ein Learning Management System (LMS) war gefordert, dass als digitaler Einstiegspunkt für Studierende dient. Es sollte schnellen und einfachen Zugriff auf Programminformationen sowie Kursinhalte und -materialien ermöglichen. Gleichzeitig wollte die EPFL durch hohen Nutzerkomfort sicherstellen, dass auch die Dozenten das LMS mit Gewinn und gerne nutzen. Nach gründlicher Markt-Evaluierung fiel die Entscheidung auf das cloudbasierte LMS Canvas des Anbieters Instructure. Nach der Implementierung der NCA zeigt sich: Das Kursmaterial ist viel besser auf die Bedürfnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten der Studierenden ausgerichtet. Zudem verbesserte sich die Interaktion von Studierenden und Dozenten.

Top-Lern Interaktion und personalisiertes Lernen am Genfer See

Das neue LMS ermöglicht Dozenten außerdem, ihr Kursmaterial an die Bedürfnisse, den Kenntnisstand und die Kompetenzen einzelner Studierender anzupassen. Das Fazit: Mit der neuen NCA beziehungsweise dem LMS hat das Team an der EPFL es geschafft, den Schwerpunkt von der Systemverwaltung auf die Inhaltserstellung und die Lehre zu verlagern. Damit ist die Qualität stark gestiegen. Studierende können sich jetzt bereits vor bzw. nach Veranstaltungen grundlegendes Wissen online aneignen oder vertiefen. Während der Veranstaltung konzentrieren sich die Lehrkräfte auf die Vermittlung komplexer Theorien und ihre Implikationen für die Praxis. Alle Informationen sind online, was die Bereitstellung eines integrierten Lernerlebnisses durch vielfältige Inhalte und Methoden erleichtert: Artikel, Videos, interaktive Inhalte, Fallstudien und sogar Projekte. Jeder Lernstil findet seinen Weg. „Übrigens, am wichtigsten für uns: Canvas erlaubt es, Kursmaterialien auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zuzuschneiden. (…) Hochqualifizierte Kandidaten erhalten anspruchsvolles Material, während wir gleichzeitig Teilnehmer mit weniger Vorwissen bei ihrem Wissensstand abholen. Dank Canvas können wir den Unterricht personalisieren und gleichzeitig sicherstellen, dass wir allen Teilnehmern die Grundlagen für den Erwerb der EMBA-Qualifikation vermitteln“, stellt Adina Dorthe von der EPFL in einem Blogbeitrag heraus.

Den Lehrenden, was die Studenten wollen

Das Beispiel Lausanne zeigt: Bildungseinrichtungen benötigen eine technische Infrastruktur, die den aktuellen Anforderungen gewachsen ist. Diese muss sich schnell und mühelos erweitern lassen – etwa um Filesharing-Dienste oder Inhalte-Lieferanten. Sie sollte auch global und auf allen Endgeräten Lernen erlauben, denn die Lernenden von heute sind mobil. Ob Größenbeschränkungen bei Videos, Modul-Inkompatibilitäten oder schlecht gestaltete Bedienoberflächen – Technologie sollte nicht limitieren. Technologie sollte für Lehrende und Lernende ein wertvolles Werkzeug sein. Native Cloud Anwendungen sind aus unserer Sicht am besten geeignet, die vielfältigen technischen und didaktischen Anforderungen heute und in Zukunft effizient zu lösen.

Was ist Ihre Meinung?
Stimmen Sie mir zu oder sind Sie anderer Meinung? Wir von Canvas suchen den Dialog. Sie können mich gerne direkt kontaktieren, meine Kontaktdaten finden Sie auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/manuel-nitzsche-532856b0/. Ich freue mich auf Sie.

Über den Autor

Manuel Nitzsche verantwortet bei Instructure als Regional Director die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Er unterstützt Bildungseinrichtungen dabei, ihre Lernangebote mit Canvas LMS zu digitalisieren. In seiner bisherigen Laufbahn hatte er verschiedene Beratungs- und Vertriebsaufgaben bei der IBM Deutschland sowie die Bereichsleitung Business Development beim ITaaS-Unternehmen vertical inne. Manuel Nitzsche verfügt über ein Diplom (DH) der DHBW Mannheim sowie einen MBA der Warwick Business School. Mehrere Jahre hat er nebenamtlich Lehraufträge für Mathematik an der DHBW Stuttgart wahrgenommen sowie Projektarbeiten im Fachbereich Wirtschaftsinformatik an der DHBW Mannheim betreut.