Page 5 - TREND REPORT März 2019
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TREND REPORT
März 2019 | Future Store 5
Kundenkorrespondenz anhand linguistischer Regeln und Ontologien auswerten
Der eigentliche Prozess des Text-Minings und der Extraktion von Keywords,  e- men und Konzepten liegt laut Forrester dabei nur bei rund einem Fünftel des Aufwands. Der weitaus größere Teil ent ele auf den Aufbau von Datenver- bindungen, die Integration und Berei- nigung der Daten sowie den Aufbau ei- ner domänenspezi schen Ontologie und User-orientierter Ober ächen.
Zu den acht von Forrester in diesem Zusammenhang untersuchten Unter- nehmen gehört auch Clarabridge. Der Hersteller hat in den vergangenen Jah- ren stark in den Aufbau umfassender linguistischer Regeln und Ontologien investiert und wird von Forrester ne- ben SAS, IBM und Micro Focus als Leader im Bereich AI-basierter Text- analyseplattformen eingestuft. Während die meisten Hersteller noch immer hauptsächlich Stimmungsanalysen an- bieten, ermöglicht die Software von Clarabridge auch eine hoch di eren- zierte Emotions-, Anstrengungs- und Absichtsanalyse.
Fabrice Martin, CPO bei Clarabridge: „Eine wichtige Komponente der Text- analyse ist die Fähigkeit, die positive oder negative Stimmung zu erkennen, die in einem Text zum Ausdruck kommt. Traditionelle Ansätze wie die manuelle Kodierung sind zumeist wenig e zient und ungenau. Unsere Software ver- steht unter Berücksichtigung gramma- tikalischer Konstrukte und Funktions- wörter, wie sich die Stimmung verän- dert oder intensiviert wird, und kategorisiert diese auf einer Stufenskala von -5 bis +5.“ Kunden-Feedback soll sich auf diese Weise viel genauer analy- sieren lassen. Die Folge: Handelsunter- nehmen können schneller und indivi- dueller auf Reaktionen und Wünsche ihrer Kunden eingehen.
Loyalität aus Daten
Das Konzept von Clarabridge zeigt, wie wichtig es sein kann, das in unstruktu- rierten Daten verborgene Wissen zu heben. Die Customer Loyalty lässt sich dadurch deutlich festigen. Im Omni- channel ist hier ohnehin noch Luft nach oben, glaubt Michael Bregulla,
B2B-Beschaffung 4.0
Wie ein digitaler Marktplatz einen Warendistributor zum Lösungs- und Technolgieanbieter macht und dadurch eine ganze Branche trans- formiert, verrät Daniel Nill, CEO der Turbine Kreuzberg GmbH, der TREND-REPORT-Redaktion.
Sourceability ist ein unabhängiger Distributor, der als Intermediär zwi- schen Lieferanten und Einkäufern der Elektronikbranche agiert. Das US-amerikanische Unternehmen verfügt über 18 Büros und global verteilte Lager in Asien, den USA, Mittelamerika sowie Europa. Das Ge- schäftsmodell besteht darin, Ange- bote bei Dutzenden Lieferanten ein- zuholen, Preise zu vergleichen, Lie- fertermine abzustimmen und die Qualität zu sichern und so schließlich den Kunden eine Menge Aufwand zu ersparen. Mitarbeiter von Sourceabili- ty nahmen Produktanfragen, die in der Branche nicht selten mehrere Hundert Artikel umfassen, vom Kun- den zum Teil noch per Fax entgegen. Sie ermittelten händisch aus bis zu 50 Portalen – und nicht selten durch den Gri  zum Hörer – weltweit die güns- tigsten Preise sowie die zugehörigen Lieferzeiten. Die Kunden erhielten die gewünschten Informationen in Form einer Liste und konnten daraufhin über den Distributor ordern. „Um 50 bis 100 Bestellungen zu generieren, mussten Mitarbeiter von Sourceability bis zu 100000 Artikel recherchieren“, verdeutlicht Daniel Nill die Dimensio- nen. Das Problem: Kaum war das An- gebot geschrieben, hatten sich man- che Preise schon wieder geändert. „Es musste also eine technische Lösung gefunden werden, die einen Katalog von 550 Millionen Artikeln in Echtzeit durchsuchbar macht und es außer- dem ermöglicht, Preise und Verfüg- barkeiten mehrerer Hundert Artikel gleichzeitig abzufragen“, fasst der Di- gitalisierungsexperte die Problematik zusammen.
Um die Herausforderungen zu bewäl- tigen, entwickelte Turbine Kreuzberg in nur neun Monaten Sourcengine. Über die Bescha ungsplattform für
Elektronikkomponenten lassen sich nicht nur Stückpreise sowie Verfüg- barkeiten eigenständig und in Echt- zeit recherchieren, sondern auch be- nötigte Artikel direkt aus dem ERP- System heraus bestellen. Einkäufer generieren durch den nutzerfreundli- chen Bescha ungsprozess eine große Zeitersparnis und werden e zienter. Dabei ermöglicht die Plattform den Zugri  auf das Angebot von inzwi- schen rund 1400 Lieferanten welt- weit, wodurch sie nun in der Lage sind, internationale Warenbestände zu vergleichen und insbesondere die länderspezi sche Preispolitik ver- schiedener Hersteller zu durchschau- en. Lieferanten wiederum erhalten über Sourcengine Zugang zu Kunden auf der ganzen Welt.
„Das ist ein echter Fortschritt für den Handel mit Elektronikkomponenten, der historisch eher regional geprägt ist“, betont Nill. Auch der Zweitverkauf überschüssiger Bestände durch Her- steller und Fertiger wird dank der Live- Trading-Plattform leichter. „Darüber hinaus können kleine Händler und Hersteller via Sourcengine ihre Waren online anbieten, was innerhalb der klassischen Strukturen bisher nicht wirtschaftlich war“, ergänzt Nill. Für Sourceability selbst liegt der Mehr- wert in den durch gesenkte Aufwände freigewordenen personellen Kapazi- täten. Die Mitarbeiter haben jetzt mehr Zeit, Kunden und Hersteller indi-
viduell zu betreuen sowie sich um die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zu kümmern.
Sourcengine wurde auf Basis von Spryker Commerce OS entwickelt. Die etwa 550 Millionen Artikel werden in speziellen Datenbanken gespeichert und können innerhalb von zehn Se- kunden durchsucht werden. Zudem wurde die Plattform als sogenanntes Headless System programmiert, das eine Anbindung an bestehende ERP-, CMS- oder PIM-Systeme von Einkäu- fern und Lieferanten ermöglicht. Statt sämtliche Artikel einzeln zu suchen, ermöglicht das entwickelte Feature fastQuote den Einkäufern, die in der Bescha ung üblichen Stücklisten, so- genannte Bills of Materials, bequem als CSV- oder Excel-Datei in das Sys- tem zu laden. Sämtliche enthaltenen Artikel werden automatisch im Ange- botskatalog gesucht und verfügbare Angebote in Abhängigkeit von Preis und Lieferzeit angezeigt.
Die Plattform transformierte einen 400-Milliarden-Dollar-Markt, der zu- vor von manuellen Prozessen und lo- kal orientierten Lieferketten bestimmt war, und scha t jetzt erstmalig globa- le Transparenz hinsichtlich Preis und Lieferzeit. „Ein Konzept“, so Nill, „wel- ches sich auch auf andere Branchen übertragen lässt.“
https://turbinekreuzberg.com/de
Das Team von Daniel Nill entwickelte eine Platt- form, die in einem 400- Milliarden-Dollar-Markt „erstmalig globale Transparenz hinsicht- lich Preis und Liefer- zeiten“ gewährt.
Bildlizenz: CC BY-ND „Portrait Daniel Nill von Daniel Nasse“ für Turbine Kreuzberg GmbH















































































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