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TREND REPORT
März 2019 | Arbeitswelten 2019 21
 Gig-Economy – Recruiting und Plattformen für HR
D ie Gig-Economy ist gerade dabei, unseren Arbeits- markt und unser tradiertes Verständnis von Arbeit nachhaltig zu verändern. Die neue Arbeitsform be- zeichnet einen Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Selbstständige, Freiberu er oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. Dabei dient häu g eine On- lineplattform als Mittler zwischen Kun- de und Auftragnehmer. Alle sind sich ziemlich sicher, dass unsere traditionel- len „Nine to  ve“-Arbeitstage abgelöst werden. Das Transformationspotenzial der neuen Arbeitsform ist groß. Beson- deres Merkmal der Gig-Economy ist
vor allem ihre Kurzfristigkeit.
Aber was bedeutet dieses Szena- rio für Unternehmen und ihre HR-Ab- teilungen? Auf jeden Fall werden die Onboarding-Prozesse neuer Mitarbei- ter, Freiberu er oder Projektbeteiligter zunehmen. Beispielhaft beschreibt es Wieland Volkert von PeopleDoc: „Durch die Vielzahl der Freiberu er wächst ent- sprechend der administrative Aufwand innerhalb der Personalabteilung, zumal sich die grundlegenden Abläufe vom On- bis zum O boarding nicht we- sentlich von denen eines klassischen
Arbeitsverhältnisses unterscheiden.“ Es lohnt sich also, in Zukunft Onboar- ding-Prozesse zu standardisieren und zu automatisieren. Wieland Volkert ver- rät uns dazu: „Mithilfe textbasierter Dialogsysteme können Anwendungen miteinander kommunizieren und Ak- tionen selbstständig ausführen. So ist es möglich, das Onboarding komplett zu automatisieren.“
„Robotic Process Automa- tion“ (RPA) rückt von Tag zu Tag stär- ker in den Fokus von Unternehmen, insbesondere von Dienstleistern. Im Gegensatz zum Menschen sind RPA- Bots immer aktiv. Der Prozess startet sofort, wird anwendungsübergreifend ausgeführt; Daten werden über mehrere Systeme hinweg aktualisiert. Nichts wird auf die lange Bank geschoben, schlam- pig ausgeführt oder vergessen. „RPA- Bots bilden eine wichtige Grundlage zur Optimierung des maschinengestütz- ten Lernens und für neue Anwendun- gen im Umfeld der künstlichen Intelli- genz. Kurzum: RPA ist für moderne Personalmanagementlösungen unver- zichtbar“, betonte Wieland Volkert. Aber auch das Recruiting erfährt im Kontext der Automatisierung neue Mög- lichkeiten. Einer der Hauptvorteile der
Recruiting-Automatisierung ist die Steigerung der Produktivität. Ein wei- terer Vorteil der Recruiting-Automati- sierung ist die Möglichkeit, Kandidaten auf einfachere Weise zu p egen. Durch automatisierte E-Mails und Newsletter können Personaler mit mehr potenziel- len Kandidaten in Kontakt bleiben, ohne dass sie für jeden Einzelnen einen individuellen Prozess erstellen müssen.
Die neusten Trends im Recrui- ting hat für uns der HR-Experte Frank Rechsteiner ausgemacht: „Ein Beispiel dafür ist Active Sourcing, also die pro- aktive Recherche und Ansprache po- tenzieller Mitarbeiter im Rahmen von Social Media, Karriere-Netzwerken, Messen und unternehmenseigenen Ta- lent-Pools. Ziel ist es, eine langfristige Beziehung zu interessanten Kandidaten aufzubauen, um sie bei Bedarf für neu entstehende Vakanzen zu gewinnen.“ Er fährt fort: „Mit Content-Recruiting betreiben die Arbeitgeber keine Selbst- darstellung mehr. Sie verwenden Blogs, Infogra ken, Videos, Whitepaper, Stu- dien, Experteninterviews und Gewinn- spiele, um die Bewerber mit informie- renden, beratenden und unterhalten- den Inhalten auf sich aufmerksam zu machen und zur Kontaktaufnahme zu
Trendbuch
Recruiting Mindset
Wie müssen sich Personaler heute aufstellen, um erfolgreich zu sein? Frank Rechsteiners neues Buch richtet sich an Geschä sführer, HR-Manager, Business-Verantwortliche und alle Mit- arbeiter, die mit zentralen Recruiting- Aufgaben betraut sind. Es bietet einen
umfassenden Überblick über die wich- tigen Recruiting-Trends, wie Active Sourcing, Recruiting 4.0, Content-Re- cruiting und Influencer-Recruiting, mit Tipps zu deren Umsetzung. Mit der kostenfreien Augmented-Reality-App „smARt Haufe“ kann das Buch interaktiv genutzt werden. Erschienen bei Haufe: ISBN: 978-3-648-12344-7 https://trendreport.de/recruiting- mindset
Recruiting Mindset: Schlüssel zum Unternehmenserfolg
Gastbeitrag von Frank Rechsteiner
Post & Pray – Stellen ausschreiben und abwarten – war gestern. Heute müssen Unternehmen darauf re- agieren, dass sich der Arbeitsmarkt zum Bewerbermarkt gewandelt hat – und ein neues Recruiting Mindset entwickeln.
Active Sourcing, die aktive Recherche und Ansprache interessanter Bewer- ber über verschiedene Kanäle, ist an- gesagt. Unternehmen müssen her- aus nden, welche Alleinstellungs- merkmale und Arbeitskultur sie zu bieten haben, und diese glasklar
„Active Sourcing, die aktive Re- cherche und Ansprache interes- santer Bewerber“, wird laut Frank Rechsteiner immer wichtiger.
nach außen kommunizieren. Doch Vor- sicht: Wenn sich die Unternehmenskul- tur nicht messerscharf von der Konkur- renz unterscheidet, wird es nicht gelin- gen, einen Vorsprung im Wettbewerb um die besten Köpfe zu gewinnen – ober ächliche Selbstdarstellung lockt keine Top-Kandidaten.
Unternehmen nutzen zum Active Sour- cing die Vorteile von Content-Recruiting und machen die Interessenten mit infor- mierenden, beratenden und unterhaltsa- men Inhalten auf sich aufmerksam. Ziel ist es, eine langfristige Beziehung zu Bewer- bern aufzubauen, um sie bei Bedarf für neu entstehende Vakanzen zu gewinnen.
Der Wert IT-gestützter Verfahren – wie Chatbots, künstliche Intelligenz und Algorithmen – ist zwar unbe- stritten, um Unternehmen von zeit- raubenden Routine-Aufgaben, wie der Vorauswahl von Bewerbern, zu entlasten. Trotzdem sollten sie wei- terhin den direkten Kontakt mit den Kandidaten p egen und persönliche Personalentscheidungen fällen: Je rarer die begehrten Fachkräfte wer- den, desto mehr legen sie bei einer Stellenbewerbung darauf Wert, als VIP behandelt – wenn nicht gar ho-  ert – zu werden.
https://frankrechsteiner.de/
Foto: Timetable Lift, Wilkhahn











































































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