Page 13 - TREND REPORT März 2019
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TREND REPORT
März 2019 | Vernetzte Gesellschaft 13
Forschen, entwickeln, managen
Schnelle Umsetzung und schnelle Marktreife spielen gerade im Kontext immer kürzerer Produktlebenszyklen und damit von erhöhtem Innovationsdruck eine immer größere Rolle. Open Inno- vation bietet eine Möglichkeit, dem Wettbewerbsdruck standzuhalten. „Wie der Name schon assoziiert, ö net man bei diesem Ansatz die Unternehmens- grenzen bei Innovationsvorhaben“, er- klärt  orsten Rehder, Trend Supervi- sor von Trendone. Auf diese Weise lässt sich das Know-how von Lieferanten oder externen Organisationen wie Universi- täten aktivieren. Es beinhaltet aber auch, die eigenen Kunden in den Prozess zu integrieren – etwa bei der Ideen n- dung. „Meistens geschieht dies über di- gitale Plattformen oder Netzwerke.“
Dass Unternehmen in Ökosys- temen und Plattformen denken soll- ten, um den Kunden in den Mittel- punkt zu stellen,  ndet auch Dr. Stefan Wenzel, geschäftsführender Partner bei der 3DSE Management Consultants GmbH. Die Managementberatung für Innovation, Forschung und Entwick- lung bezeichnet KI als Schlüsseltech- nologie für F&E 4.0. „Weil ich durch KI auch komplexe Tätigkeiten durch Algorithmen erlernen und überneh- men lassen kann“, erläutert Wenzel, „werden Automatisierungspotenziale in Engineering-Abläufen möglich. Zu- sätzlich entsteht durch die Objektivität der Algorithmen eine höhere Entschei- dungsqualität.“ „Der Aufbau der not- wendigen KI-Expertise“, gibt er jedoch zu bedenken, benötigt „Zeit, Ausdauer und die Überzeugung, dass sich der In- vest langfristig auszahlen wird“.
„Wichtig ist eine Gründerförderung auf allen Ebenen“, betont Professor Han- selka in diesem Kontext. Daher sähe die KI-Strategie der Bundesregierung konkrete Maßnahmen vor, um die Zahl der Gründungen im Bereich der KI zu erhöhen, von Beratungsangeboten bis hin zur Bereitstellung von Wagniskapi- tal. „Das Wissen, das wir aktuell in Deutschland haben, müssen wir in den Markt bringen, sodass es der Gesell- schaft und Wirtschaft nutzt“, so Han- selka weiter, der auch am KIT massiv Ausgründungen fördert. „Wichtig ist, dass wir Gründern in jedem Schritt des Unternehmensaufbaus systematisch Beratungsangebote an die Hand geben. Dies bedeutet auch, dass wir im Sinne einer Kultur des Scheiterns gesell- schaftlich anerkennen, dass junge Un- ternehmen auch von negativen Erfah- rungen lernen und dadurch immer besser werden.“
Eine „Kultur des Scheiterns“ be- deutet allerdings nicht, dass Unterneh- mer ihren Betrieb blindlings in den Ruin treiben sollten. Innovationsförde- rung und Risikominimierung sind da- her, ebenso wie Umsatzsteigerung, Ef-  zienzsteigerung und Direktkosten- senkung, die Grundpfeiler der von Marktgut entwickelten 5DoBT-Ma- nagementmethode. „Die Idee war, eine Methode zu verwenden, um die Wert- haltigkeit unserer Business-Projekte nachvollziehbar zu beurteilen und um eine faktenbasierende Auswahl der Projekte zu tre en, die den größten Hebel in der Organisation bewirken“, berichtet Klaus Glatz, CDO der And- ritz AG, von der erfolgreichen Imple- mentierung in sein Unternehmen. „Mit der 5DoBT-Methode haben wir einen standardisierten Ansatz, mit dem
F&E 4.0: Smart, agil, flexibel
Dr. Stefan Wenzel und Dr. Armin Schulz, beide Geschäftsführer der 3DSE Management Consultants GmbH, sprachen mit der TREND-REPORT-Re- daktion über den Ein uss von KI auf Forschung und Entwicklung.
Herr Dr. Wenzel, welche Bedeutung hat KI im Innovationsprozess?
Hier gibt es vielversprechende An- sätze bei der deskriptiven Analyse von Produktnutzungsdaten, wie z.B. dem Betrieb einer Turbine, und erste Erfahrungen bei der Algorithmen- basierten Automatisierung von Inno- vationstätigkeiten, wie z. B. der gene- rativen Gestaltung geometrischer Formen und Simulation von techni- schen Architekturen. Sobald wir in der Lage sind, Kunden- und Nut- zungsverhalten durch prädiktive Analysen besser vorhersagen zu kön- nen, und Algorithmen und Machine Learning uns unter Verwendung aller Daten aus dem gesamten Produkte- lebenszyklus anleiten, bessere und schnellere Entscheidungen im Inno- vationsprozess zu tre en, wird die Bedeutung von KI im Innovations- prozess riesig sein.
Herr Dr. Schulz, welche Anwen- dungsfälle für KI existieren bereits? Bereits im Alltag angekommen sind Anwendungen direkt am Produkt, wie Sprachsteuerung oder Funktionen, die durch das Lernen von Präferenzen individuell auf die Nutzer zugeschnit- ten werden. Noch am Anfang stehen wir bei Anwendungen, die in unter- nehmensinternen Abläufen angesie- delt sind: Von Datenauswertungen und daran geknüpften automatisier- ten Entscheidungen über Bots, die in de niertem Rahmen und in Interakti- on mit Entwicklern Aufgaben über-
nehmen können, bis hin zu generati- ven Verfahren, die im Rahmen de nierterConstraintsganzeBauteile konstruieren.
Was bedeutet für Sie F&E 4.0?
Vor allem eine zukunftsfähige F&E- Aufstellung für die Digitalisierung. Dazu ist der konsequente Einsatz der neuen digitalen Technologien, so- wohl im Produkt als auch bei inter- nen Abläufen, notwendig. Ebenso ein anderes Mindset, um Abläufe und Strukturen neu zu denken. Unterneh- men sollten das Kundenproblem in den Mittelpunkt stellen und in Öko- systemen und Plattformen denken, um es bestmöglich zu lösen. Die Füh- rungskultur in einem solchen Setting ist eine andere, Entscheidungen müssenschnellundtendenziellnicht mehr oben in der Hierarchie, son- dern am Ort des Geschehens getrof- fen werden. Führungskräfte haben die Aufgabe, für ihre Teams die best- möglichen Rahmenbedingungen zu scha en. Das „Operating Model“ der Organisation muss den Spagat schaf- fen zwischen  exiblen, agilen Struk- turen, die gut mit Veränderungen umgehen können, und Strukturen, die schlank und e zient skalieren und Bestehendes sowie Bekanntes abwickeln können. Die Beherrschung dieser Dualität wird die wirklich er- folgreichen Organisationen des digi- talen Zeitalters auszeichnen.
www.3dse.de
Am 24. Mai 2019 findet die 3DSE F&E Leitkonferenz in München statt. Weitere Infos und Anmeldung unter: www. FuE-Leitkonferenz.de
Dr. Stefan Wenzel (li.) und Dr. Armin Schulz plädieren dafür, die Chancen von KI für Forschung & Entwicklung zu nutzen.
Reportagenfahrplan
Die zunehmende Vernetzung durchdringt alle Bereiche des menschli- chen Lebens. Sie disruptiert die Finanzwelt, verändert unser Konsum- verhalten und schafft neue Freiräume im Arbeitsleben. Die Analyse der „verdateten“ Welt ermöglicht dabei ungeahnte Erkenntnisse.
 
Future Store S. 3
Technologien mit Kundenfokus
Data Science S. 26
Wissensextraktion aus strukturier- ten und unstrukturierten Daten
Arbeitswelten 2019 S. 15
Kollege Roboter, Ergonomie und Flexibilität
Digital Banking S. 30
Handelsplattformen, Blockchains und die Revolution in Turnschuhen






































































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