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8 Wachstum durch KI | November 2018
TREND REPORT
Was genau macht KPMG im Be- reich künstliche Intelligenz (KI)? Ioannis Tsavlakidis: Die KPMG bündelt ihre Kompetenzen auf den Feldern der Datenanalyse und KI. Datenanalyse ge- hört für uns seit über 100 Jahren zum Kerngeschäft – KI stellt eine natürliche Erweiterung unserer Analysemethoden dar. In einem Satz zusammengefasst: Wir nutzen KI einerseits, um die Her- ausforderungen unserer Kunden zu lö- sen, und andererseits, um unsere eige- nen Methoden zu verbessern.
Was fasziniert Sie besonders an der Technologie?
Ioannis Tsavlakidis: Besonders faszinie- rend  nde ich die Fähigkeit von KI, sich selbst Wissen anzueignen und eigen- ständig zu lernen. Die Möglichkeiten, die sich uns dadurch bieten, sind nahe- zu grenzenlos.
Ushananthan Ganeshananthan: KI er- möglicht es, eine Vielzahl an Proble- men zu lösen, die mit klassischen Infor- matik-Paradigmen fast unmöglich zu lösen oder schlichtweg zu kosteninten- siv waren. Hierzu gehören z. B. das au- tonome Fahren, das Erkennen von menschlicher Sprache und Bildern.
Welchen Mehrwert versprechen Sie sich im Hinblick auf KI? Ushananthan Ganeshananthan: KI kann den Automatisierungsgrad und dadurch die Wertschöpfung sowohl bei den Kern- als auch den Support- prozessen deutlich erhöhen. Nehmen Sie Google als Beispiel: Wenn durch den Einsatz von KI das Schalten von Werbung um zwei bis drei Prozent ge- steigert werden kann, bedeutet dies eine immense Wertsteigerung. Kun-
Algorithmen und ihre Faszination
Im Interview mit der TREND-REPORT- Redaktion schildern Ioannis Tsavlakidis und Ushananthan Ganeshananthan von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wie KI Wirtschaft und Welt verändert.
Welche Anwendungsfälle werden von Ihren Kunden heute schon konkret nachgefragt?
Ushananthan Ganeshananthan: Derzeit wird oft nach Möglichkeiten der Prozess- optimierung durch KI gefragt. Dies hat den Hintergrund, dass die meisten Pro- zesse heute datengetrieben sind und demzufolge die Ausgangsbasis für den Einsatz von KI bereits gescha en ist. Häu g werden zudem das Kauf- und Kundenverhalten angesprochen. Auf- grund der unendlichen Anzahl von Fak- toren, die das menschliche Verhalten be- ein ussen, stößt man mit herkömmli- chen Verfahren hier schnell an Grenzen. Auch das  ema Texterkennung und Textverarbeitung spielt bei unseren Kun- den eine große Rolle, wie beispielsweise die Extraktion von Inhalten aus großen und unstrukturierten Textmengen.
Welche Veränderungen erwarten Sie abseits der wirtschaftlichen Perspektive?
Ioannis Tsavlakidis: Ich bin davon über- zeugt, dass nicht nur die Wirtschaft stark von KI pro tieren wird, sondern die Technologie das Potenzial besitzt, die Gesellschaft als solche voranzu- bringen. Es besteht kein Zweifel daran, dass KI als Enabler für zahlreiche Inno- vationen wirkt – sei es in der Medizin, der Berechnung von Wetterentwick- lungen oder in anderen Bereichen. Par- allel dazu wird sich KI zu einem alltäg- lichen und selbstverständlichen Beglei- ter entwickeln. So wie heute nahezu je- der ein Smartphone besitzt, wird auch in einigen Jahren jeder einen KI-Assis- tenten haben.
www.kpmg.com/de
denanfragen können durch KI 24/7 mit einer hohen Qualität und gleich- zeitig minimalen zusätzlichen Kosten bedient werden. Dies führt zu einer spürbaren Steigerung der Kundenzu- friedenheit und Unternehmen werden vermehrt KI-Applikationen einsetzen.
Welche konkreten Einsatzmög- lichkeiten von KI gibt es? Ushananthan Ganeshananthan: Die Ein- satzmöglichkeiten von KI sind prinzipiell unbegrenzt – es muss vielmehr die Frage gestellt werden, wo sie einen wirtschaftli- chen Mehrwert scha t und ob Daten für das Training vorhanden sind. Dies zeigt sich auch an der Vielfalt der Projekte und Kunden, mit denen wir derzeit arbeiten. Beispielsweise unterstützen wir Unter- nehmen aus der pharmazeutischen In- dustrie bei der Überwachung von Prozes- sen mithilfe von KI. Bei anderen Kunden helfen unsere KI-Algorithmen beim Er- mitteln von Marktpreisen und der Vor- hersage von Absätzen, Umsätzen und Li- quidität. Ein weiterer Anwendungsfall, in dem wir KI nutzen, ist das automati- sche Kontieren von Rechnungen.
Welche Veränderungen erwarten Sie durch den Ein uss von KI? Ushananthan Ganeshananthan: Schon heute werden viele einfache Tätigkei- ten durch Bots oder Algorithmen au- tomatisiert erledigt. Diese Entwick- lung wird sich durch KI stark be- schleunigen, wodurch auch deutlich komplexere Aufgaben automatisierbar werden. Durch Prozessoptimierung mithilfe von KI werden wir branchen- übergreifend eine merkliche E zienz- steigerung erleben.
Ioannis Tsavlakidis: KI wird zukünf- tig deutlich stärker in vielschichtige Entscheidungsprozesse eingebunden werden und mehr Verantwortung über- nehmen. Ich bin davon überzeugt, dass es in naher Zukunft „AI-Advisor“ für Vorstände und Führungskräfte gibt, die Entscheidungen vorbereiten und ver- schiedene Handlungsalternativen auf Datenbasis aufzeigen. Das wird auch die Anforderungen an die Manager von morgen ändern – Grundkenntnisse in Informatik und Datenanalyse zur Inter- pretation der Ergebnisse werden zur Schlüsselkompetenz.
Ioannis Tsavlakidis (re.), Bereichsvorstand Consulting, und Usha- nanthan Ganeshanan- than (li.), Head of Lighthouse Germany, Center of Excellence for Data & Analytics, beide von der KPMG AG Wirt- schaftsprüfungsgesell- schaft, nutzen KI, um die Herausforderungen ihrer Kunden zu lösen. Die Einsatzmöglich- keiten sind dabei „prinzipiell unbe- grenzt“.


































































































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