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TREND REPORT
November 2018 | Nachhaltige Geldanlagen 5
nehmen als das nachhaltigste. Deep- water Horizon o enbarte dann schnell die Ungereimtheiten dieses Ansatzes.
Im Gegensatz dazu verspricht Jennifer Brockerho , Geschäftsführe- rin der Brockerho  Finanzberatung, mehr Klarheit im Rahmen ihrer Bera- tung. Ihre Philosophie im Kontext nachhaltiger Investments bezeichnet sie auch als „echte“ Nachhaltigkeit, „mit dem Ziel einen Impact – also eine sichtbare Wirkung“ zu erzielen. Dabei orientiert sie sich an den 17 Zielen der Vereinten Nationen (UN SDGs), die auch direkt oder indirekt in der digita- len Vermögensverwaltung vividam be- rücksichtigt werden. „Wir investieren ausschließlich in aktive nachhaltige Fonds und nicht in passive ETFs“, er- gänzt Frank Huttel, Prokurist und Lei- ter Portfoliomanagement der FiNet Asset Management AG, die Philoso- phie des Hybrid-Robo-Advisors.
Fachgerechte Beratung scheint uner- lässlich, doch bereits bestehende Siegel können zumindest eine erste Orientie- rungshilfe bieten. Auf Fondsebene be-
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Bereits beste- hende Siegel können zumin- dest eine erste Orientierungs- hilfe bieten. “
legen im deutschsprachigen Raum un- ter anderem das Eurosif-Transparenz- logo und das FNG-Siegel die Qualität nachhaltiger Fonds. In der Immobili- enwirtschaft haben sich die Zerti zie- rungen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) etab- liert.
„Wir orientieren uns generell am DGNB-Standard, der in Europa zum
höchsten Standard gehört und die Nachhaltigkeit einer Immobilie wie bekannt ganzheitlich bewertet“, bestä- tigt Stefan Keller, Geschäftsführer der UDI Beratungsgesellschaft mbH, die Bedeutung des Zerti kats. Bei seinem aktuellen Bauprojekt, dem Hansapark in Nürnberg, strebt er den Goldstan- dard nach DGNB an. „Mit dem Hansapark planen wir eine gewerb- liche Quartierslösung mit einem ein- zigartigen Energiekonzept und in nachhaltiger Bauweise“, erläutert er. Anleger erhalten für die Zwischen - nanzierung eine Verzinsung von vier Prozent. Ein Großteil der Fläche sei be- reits vermietet, so Keller.
Groß geworden ist der Pionier grüner Investments mit Beteiligungen an Bio- gas- und Windkraftanlagen oder an Solarfarmen. Immerhin Letztere pro - tierten durch die Wetterauswüchse die- ses Sommers ungemein. Dies belegen- de Zahlen liefert das Fraunhofer ISE: Im Mai wurde mit 6,45 Terawattstun- den Solarstrom ein neuer Produktions- rekord aufgestellt, der aber nur bis zum Juni, 6,7 Terawattstunden, halten soll-
te. Den höchsten Fotovoltaik-Anteil an einem Tag markierte der 6. Mai mit 22,2 Prozent. „Ohne Solarenergie hät- te es im Juli große Herausforderungen bei der Stromversorgung gegeben“, be- richtet Bruno Burger, Leiter des Ener- gie-Charts am Fraunhofer ISE, mit Blick auf die Produktion bei konventi- onellen Kraftwerken. Diese waren ge- zwungen, ihre Leistung zu reduzieren, um nicht noch mehr erhitztes Abwas- ser in die zu warm gewordenen Flüsse zu leiten.
Allein 305 Stunden schien die Sonne im Juli, damit war der Monat der zweitsonnigste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1951 und markiert den Höhepunkt dieses „Jahrhundertsommers“, wobei der Be- gri  eine steigende In ation erfährt. 2003, 2010, 2015 und jetzt 2018 wur- den so betitelt, und folgt man der Mei- nung verschiedener Experten, werden auch in den nächsten Jahren immer wieder neue Rekorde gebrochen. „Die Rekorde häufen sich und die Anzahl
„Attraktives Risiko-Ertragsverhältnis“
Die TREND-REPORT-Redaktion sprach mit Fondsmanager Florian Hauer über die Expertise zum nachhaltigen In- vestment.
Nach welchen Kriterien erfolgt bei Kepler-Fonds der Investmentprozess für nachhaltige Veranlagungen? Unser Investmentansatz ist eine Kom- bination aus einem Best-in-Class-Ansatz und Ausschlusskriterien. Um als nach- haltig zu gelten, müssen Unternehmen zu den führenden ihrer Branche zäh- len und branchenspezi sche Mindest- kriterien erfüllen. Wenn zusätzlich auch gegen keines der de nierten Ausschluss- kriterien verstoßen wird, ist die Auf- nahme in unsere Ethikfonds möglich.
Welche Ausschlusskriterien gelten für Ihre nachhaltigen Portfolios?
In den Kepler-Ethikfonds sind z. B. Un- ternehmen, die gentechnisch verän- derte P anzen oder Tiere produzieren, im Anlageuniversum nicht vertreten. Auch Unternehmen, die Umweltgesetze und ökologische Mindeststandards
massiv missachten oder in der Produk- tion / Verarbeitung von Kohle und Öl tätig sind, bleiben ausgeschlossen. Be- sonders kritisch werden Unternehmen beurteilt, die gegen Arbeitsrechte ver- stoßen und systematisch Kinder be- schäftigen. Weitere Ausschlusskriteri- en bei den Unternehmen gelten u. a. für Abtreibung, Alkohol, Atomenergie, Glücksspiel, Pornogra e, Rüstung und Tierversuche. Bei den Staatsanleihen werden beispielsweise Länder, die un- zureichende Klimaschutzleistungen zeigen oder in denen die Todesstrafe nicht vollständig abgescha t ist, nicht berücksichtigt.
Seit wann sind Sie mit nachhaltigen Investments am Markt und welche anerkannten Qualitätskriterien erfül- len Ihre Produkte?
Bereits seit dem Jahr 2000 vertrauen institutionelle und private Investoren auf unsere ethisch-nachhaltigen Port- folios. Diese erfüllen nationale und in- ternationale Qualitätsstandards. Das Eurosif-Transparenzlogo kennzeichnet
uns als europaweit anerkannt transpa- renten Anbieter von nachhaltigen Fonds. Als Unterzeichner der „Prinzipi- en für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen“ (UNPRI) und der Montréal Carbon Pledge sind wir ver- p ichtet, ESG-Kriterien bei allen Aktivi- täten einzuhalten und für Transparenz hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks der Portfolios zu sorgen. Zudem tragen die Kepler-Ethikfonds das Österreichi- sche Umweltzeichen des Bundesmi- nisteriums für Nachhaltigkeit und Tou- rismus.
Abschließend stellt sich die Frage, ob Ethik aufgrund des eingeschränkten Anlageuniversums nicht auf Kosten der Rendite geht?
Wir sind überzeugt, dass der Einsatz nachhaltiger Kriterien ein attraktiveres Risiko-Ertragsverhältnis bringt, was in- zwischen auch von vielen wissen- schaftlichen Studien bestätigt wurde. Stetig wachsende Anlagevolumina zei- gen, dass sich die nachhaltige Geldan- lage in den letzten Jahren von der Ni-
„Das Eurosif-Transparenzlogo kennzeichnet uns als transpa- renten Anbieter von nachhaltigen Fonds“, so Florian Hauer.
sche zum Mainstream entwickelt hat. Die Wertentwicklung im Vergleich zu traditionellen Investments ist absolut kompetitiv – mit dem Vorteil, dass Un- ternehmen mit nachhaltiger und ethisch einwandfreier Wirtschaftsweise in der Ö entlichkeit eine bessere Repu- tation haben, seltener in Skandale oder Unglücksfälle verwickelt sind und Ein- sparungspotenziale durch geringeren Ressourcenverbrauch nutzen.
www.kepler.at


































































































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