Page 4 - TREND REPORT November 2018
P. 4

4 Nachhaltige Geldanlagen | November 2018
TREND REPORT
ments erklärt er sich nicht nur damit, dass die Anlagen kompetitiv im Ver- gleich zu herkömmlichen Investments sind, sondern viele Anleger ihr Geld auch mit gutem Gefühl in nachhaltige Unternehmen stecken.
Einziges Problem, um mit gu- tem Gewissen Geld zu verdienen, fehlt es an einer einheitlichen De nition. Dauerhaft, beständig, ununterbrochen, stabil, e ektiv, erfolgreich und wirk- sam sind nur einige der unzähligen Sy- nonyme für nachhaltig, sodass mit dem Begri  der „nachhaltigen Kapital- anlage“ oft nur ein Wachstumsverspre- chen, aber keine ökologische oder sozi- ale Komponente verbunden ist.
Trendinfos
Hintergrundinfos zum EU-Aktionsplan
Finanzinvestoren und Interessierte
im Bereich der nachhaltigen Geldanla- gen finden eine umfangreiche Doku- mentation und viele Hintergrundinfor- mationen zu den Plänen der EU-Kommission, die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu stärken, unter https://www.forum-ng.org/de/eu- aktionsplan.html
Plattform für Nachhaltigkeit
„Bewältigen Sie doch einfach alle Ihre Nachhaltigkeits- und Compliance-Her- ausforderungen zentral und mit einem Mausklick.“ – Jörg Walden erläutert im Hintergrundgespräch die Community- Plattform „SustainHub“. https:// trendreport.de/plattform-fuer- nachhaltigkeit/
Um für mehr Transparenz zu sorgen,    pekte der guten Unternehmensfüh-
Schlüsseltrend
Nachhaltigkeit gilt als einer der Megatrends und als eine Voraussetzung für die gesicherte Existenz der
Menschheit. Bei 10 Milliarden Men- schen 2030 auf diesem Planeten sind ohne innovative Geschä smo- delle und Technologien, die diesem Schlüsseltrend Rechnung tragen, Armut und weltweite, verstärkte Verteilungskämpfe und Völkerwan- derungen programmiert.
https://trendreport.de/sdg
arbeitet daher die EU im Rahmen ihres Aktionsplans an einem Label, welches vertrauenswürdige Anlagemöglichkei- ten aufzeigen soll. Es soll nicht nur An- sporn für mehr Umwelt- und Klima- schutz sein, sondern auch durch schlechte Bewertungen die Anlagen entlarven, die mehr Schein als Sein sind. Das Label, dessen Einführung für 2019 geplant ist, fokussiert sich aller- dings nur auf den Bereich grüner Geld- anlagen und umfasst nicht alle drei ESG-Kriterien (engl. für Environment, Social, Governance). „Ein holistisches Nachhaltigkeitsverständnis umfasst je- doch neben der Umwelt auch soziale Aspekte, bspw. Kinderarbeit, und As-
rung, bspw. Antikorruptionsmaßnah- men“, betont Angela McClellan. „Au- ßerdem ist es wichtig, dass der Kunde auch zu seinen bevorzugten Anlage- strategien, bspw. Ausschluss von Waf- fen oder Kernkraft bzw. Best in Class, befragt wird.“
Gerade bei dem Begri  „Best in Class“ wird schnell deutlich, wie verworren der Markt ist und wie wichtig daher eine wirklich gute Beratung ist. Der Ölkonzern BP scha te es durch ge- schicktes Marketing – aus „British Pet- roleum“ wurde „Beyond Petroleum“ – in diverse Best-in-Class-Listen. In „der Klasse der Ölkonzerne“ galt das Unter-
Ein wachsendes Bedürfnis
Gastbeitrag von Angela McClel- lan, Geschäftsführung Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.
Das Thema Sustainable Finance ge- winnt bei institutionellen und priva- ten Investoren immer mehr an Be- deutung. Doch obwohl die Nachfra- ge der Privatkunden nach nachhalti- gen Anlageprodukten steigt, wurde das Privatkundengeschäft hierfür bisher vernachlässigt.
Um das wachsende Kundenbedürfnis zu bedienen, fordert das FNG seit lan- gem eine Verankerung von Nachhal- tigkeit im Kundenberatungsprozess. Mit der EU-Gesetzesvorlage zur Ergän- zung von MiFID II und IDD greift die EU-Kommission diesen Punkt auf und schlägt eine verp ichtende Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden als Teil des Eignungstests vor.
Mehrere empirische Studien bekräfti- gen, dass viele Menschen ihre Anla- gen nach persönlichen ökologischen und sozialen Kriterien gestalten möchten, aber auch dass dies in der Praxis bisher nur wenig Anwendung  ndet. Die Verbraucherzentrale Nord- rhein-Westfalen ermittelte in einer Umfrage fehlende Empfehlungen zu nachhaltigen Anlagen von der Bank oder dem Finanzberater als wichtiges Hemmnis. Andere Studien der Univer- sität Kassel benennen mangelndes Wissen zu Nachhaltigkeit bzw. nach-
haltigen Produkten auf Beraterseite sowiefehlendeIncentivesundzusätz- liche Anstrengungen in der Informati- onsbescha ung als Barrieren. Hier können spezielle Schulungsprogram- me für Berater wie die vom FNG mit- entwickelte Weiterbildung Nachhalti- ge Geldanlagen, welche Kenntnisse über nachhaltige Anlageprodukte und Praxisempfehlungen zur Integra- tion von Nachhaltigkeit in den Bera- tungsprozess vermittelt, Abhilfe scha en. So bietet sich auch die Chan- ce, durch eine qualitativ hochwertige und bedürfnisorientierte Beratung die Kundenbindung zu stärken.
Für Finanzberater und Privatanleger bieten Nachhaltigkeitssiegel, wie der Europäische Transparenzkodex oder das FNG-Siegel für nachhaltige Invest- mentfonds, weitere Orientierungshil- fen. Außerdem empfehlen sich für Pri-
vatanleger Tools wie die FNG-Nach- haltigkeitspro le.HierkannderKunde verschiedene Fonds nach verwende- ten Nachhaltigkeitskriterien und wei- teren Eckdaten  ltern, die seinen per- sönlichen Nachhaltigkeitsinteressen entsprechen.
Jedoch äußern Bankenvertreter und der Verbraucherschutz Bedenken, dass das zusätzliche Thema Nachhaltigkeit zu einer Überforderung von Beratern und Kunden führen könnte. Aus die- sem Grund hat das FNG einen Aufruf zur Sammlung von Best Practice bei der Kundenberatung zu Nachhaltig- keit gestartet. Mit dem Ziel, konkrete Empfehlungen für eine Umsetzung des EU-Gesetzesvorhabens geben zu können sowie neue Impulse für die Weiterbildung zu gewinnen.
www.forum-ng.org
Angela McClellan empfiehlt Beratern eine Weiterbildung für nachhaltige Geldanlagen: „So bietet sich die Chance, die Kunden- bindung zu stärken.“
Bildquelle / Lizenz: Forum Nachhaltige Geldanlage e.V.


































































































   2   3   4   5   6